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Sinnvoll oder Nutzlos
Welchen Nutzen Persönlichkeitstests wirklich haben

Berufsbezogene Persönlichkeitstests sollen helfen, die eigenen Potenziale und Kompetenzen zu erkennen. Doch einige sind ziemlich umstritten. Und von den Ergebnissen sollte man nicht zu viel erwarten. Von Maria Fiedler

Ob bei Berufseinstieg, Aufstieg oder Neuorientierung: Wer berufliche Entscheidungen für die Zukunft trifft, muss wissen, was er kann und wo er hin will. "Viele Menschen können ihre Kompetenzen aber gar nicht richtig einschätzen", sagt die Hamburger Karriereberaterin Svenja Hofert. Um das Selbstbild auf den Punkt zu bringen, sollen berufsbezogene Persönlichkeitstests helfen. Sie messen etwa die Teamorientierung oder Gewissenhaftigkeit.

Kosten "Die Anzahl der Tests auf dem Markt ist riesig", sagt der Bochumer Wissenschaftler Rüdiger Hossiep. Die Kosten liegen in der Onlineversion zwischen 80 und 150 Euro. Dazu kommt in vielen Fällen noch der Preis für den Coach, mit dem die Ergebnisse durchgesprochen werden. Da kommen schnell insgesamt bis zu 250 Euro zusammen.

Kernkompetenzen Dabei geben die Tests keine Antwort darauf, welche Karriereschritte als Nächstes folgen sollen. "Es kristallisieren sich aber Kernkompetenzen und Persönlichkeitsmerkmale heraus", erklärt Hofert.

Der BIP-Test Hossiep hat selbst verschiedene psychologische Testverfahren entwickelt – darunter das "Bochumer Inventar zur Berufsbezogenen Persönlichkeitsbeschreibung", kurz BIP. Bei der Version BIP-6F müssen die Teilnehmer ankreuzen, wie stark eine bestimmte Aussage auf sie zutrifft. Etwa: "Andere wissen von mir, dass ich ausgesprochen direkt bin." In den Ergebnissen erfährt der Teilnehmer beispielsweise, wie robust er auf Belastungen reagiert, wie integrationsfähig und konfliktbereit er ist und wie viel Begeisterungsfähigkeit er mitbringt.

Das DISG-Modell Ein weiterer Test ist das DISG-Modell. "Es soll etwas über die Verhaltenspräferenzen einer Person aussagen", erklärt die Wiesbadener Karriereberaterin Ute Bölke. Sie wendet den Test in ihren Coachings an. Das Akronym DISG steht für dominant, initiativ, stetig und gewissenhaft. Auch bei anderen Tests wie Insights oder Myers Briggs Typindikator (MBTI), werden Menschen in Typen eingeteilt.

Umstritten Das ist aber keineswegs unumstritten. "Bei diesen Verfahren bekommen die Teilnehmer seitenweise Auswertungen. Trotzdem steckt dahinter nur ein fiktives psychologisches Modell – man könnte auch Kaffeesatz lesen", sagt Viktor Lau, Leiter der Personalentwicklung der Bremer Landesbank.

Big Five Wissenschaftlicher als diese Typologie-Modelle sind in seinen Augen Tests, die auf den sogenannten Big Five basieren. Das Verfahren misst, wie stark die fünf Persönlichkeitsdimensionen Extraversion, Offenheit, emotionale Stabilität, Umgänglichkeit und Gewissenhaftigkeit bei einer Person ausgeprägt sind.

Spezielle Tests Für junge Menschen, die vor der Berufs- oder Studienwahl stehen, gibt es spezielle Tests. Svenja Hofert rät zum Riasec-Modell, das von der Agentur für Arbeit unter dem Namen Explorix verwendet wird. Sie empfiehlt außerdem das Borakel der Uni Bochum, das die Studieneignung anhand von Fragebögen und einer Art IQ-Test ermittelt. "Der kostenlose Test hilft, seine Kompetenzen einschätzen zu lernen." Doch egal, für welchen Test Schulabgänger oder Berufstätige sich entscheiden: "Die Ergebnisse sind keine leichte Kost. Es handelt sich ja nicht um Psychotests aus der Frauenzeitschrift", so Hofert.

Quelle: RP