Abzocker und Liebeskranke
VON THOMAS KLINGENMAIER - zuletzt aktualisiert: 30.08.2007GESELLSCHAFTSKOMÖDIE „Schwarze Schafe“ bringt nur peinliche Auftritte
Wer noch keinen Ekel vor der smarten Siegerwelt der Hochglanzmagazine spürt und das gerne ändern möchte, der sollte einen Besuch in „Schwarze Schafe“ erwägen. Dort gibt es ein mit der Säurepipette auf die Leinwand geträufeltes Bild eines Yuppie-Balzabends zu sehen. Zwei Glamourprofis – so scheint es – versichern sich da gegenseitig, wie toll sie sind. Nur dass der großsprecherische Herr Wecker (Marc Hosemann) dann einen ganz fiesen Erstickungsanfall bekommt, ausgelöst angeblich von einem Fremdkörper im edlen Mahl.
Das ist ein Bluff, ein Schwindel, der dem rotköpfig Wütenden und seiner Angehechelten nun eine Gratis-Hotelsuite einbringt. Die unfreiwillige Komplizin, die Vogue-Redakteurin, ist von der Frechheit des Partners noch überrascht, dann aber schwer verärgert, als sie merkt, dass dieser Kerl grundsätzlich lügt und blufft. Dass er kein Topmodel im Dienst teurer Marken ist, sondern ein schon länger auftragsloser kleiner Möchtegern. Der aber wird ihr nun hinterheulen und seine echte Liebe unbeholfen in ihr schickes Leben zu zwingen versuchen.
Dies ist nur eine von mehreren verflochtenen Episoden, die „Schwarze Schafe“ versammelt. Hier wird im urbanen Gewimmel auf lauter Leute geschaut, die sich daneben benehmen, die sich blamieren, die anderen auf den Keks gehen, andere leimen möchten und bei der Durchsetzung eigener Interessen keine Rücksicht, oft aber auch keine Finessen kennen.
Drei Türkenjungs (Eralp Uzun, Oktay Özdemir, Richard Hanschmann) etwa fahren durch Berlin und versuchen, Frauen anzubaggern, zwei abgebrannte Typen (Robert Stadlober und Tom Schilling) versuchen, linksalternative Revolutionsträumer abzuzocken, und der verkrachte Künstler Peter (Milan Peschel) taumelt stockbesoffen auf das Spree-Boot, auf dem Charlotte Heinze (Jule Böwe) als Fremdenführerin arbeitet, und will vor Publikum die Beziehung klären. Alles ist ein wenig überspitzt und nichts ist unmöglich.
Der Schweizer Regisseur Oliver Rihs, der seit sieben Jahren in Berlin lebt, will ein schräges Heimatbild liefern, eine Stadt von unten porträtieren, eine Gemeinschaft als Sammelsurium nicht unbedingt sozial denkender Typen zeigen. Manchmal ist sein – ohne Förderung gedrehter – Schwarzweißfilm ganz genau in der Beobachtung, dann wieder opfert er Einsicht und Nähe dem nächsten grellen Gag.
Er wird kraftmeierisch, wo er mit behutsamem Erzählen viel fesselnder wäre, er will zugleich als wilde Bürgerschock-Komödie funktionieren und als Plädoyer für seine Figuren. Folglich weiß er manchmal nicht, was er mit dem anfangen soll, was er kenntnisreich darstellen kann. Die Aufgedrehtheit, den Hormonstau, die Macho-Rituale der drei Migrantenjungs etwa hat er wunderbar im Blick, aber er beteuert, es sei nichts Bedrohliches dabei, wenn sich diese Angeber in die Alles-unter-Kontrolle-Pose werfen und doch beständig auflaufen.
„Schwarze Schafe“ bleibt hinter seinen Möglichkeiten zurück – aber er geht ein Stück weiter als Filme mit dem Magazinblick auf die Welt.
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