Birma – Furcht vor Menschenhändlern
zuletzt aktualisiert: 15.05.2008Rangun (RP) Knapp zwei Wochen nach dem verheerenden Wirbelsturm „Nargis“ droht den Millionen Obdachlosen im birmanischen Irrawaddy-Delta ein weiterer Zyklon. Das US-Zentrum für Taifunbeobachtung schätzt die Zerstörungskraft des Sturms hoch ein. Die wegen der Verweigerungshaltung der Militärjunta nur schleppend anlaufende Hilfe könnte damit vollends zunichte gemacht werden. Die spärlich ins Land gelassenen Hilfslieferungen decken nur ein Zehntel des Bedarfs, schätzen Experten.
Wie ist die Lage im Irrawaddy-Delta?
Bis zu zwei Millionen Menschen haben kaum noch Nahrungsmittel oder Zugang zu frischem Wasser. Die meisten Quellen, Flüsse und Kanäle sind mit Leichen und Tierkadavern übersät. Das Wasser ist kontaminiert, damit droht der Ausbruch von Krankheiten und Seuchen.
Kommen ausländische Helfer ins Land?
Bis auf ein thailändisches Ärzteteam bislang nicht. Juntachef General Thein Sein behauptet, sein Regime habe die Lage unter Kontrolle. Einige Hilfsorganisationen erwägen deshalb, Birmesen in Schnellkursen auszubilden.
Haben Menschenhändler, die Kinder entführen wollen, jetzt leichteres Spiel?
Viele Kinder sind durch die Katastrophe von ihren Eltern getrennt worden oder haben sie sogar verloren. In der vergangenen Woche haben Menschenhändler bereits versucht, Kinder aus Notunterkünften in der Hauptstadt Rangun zu verschleppen. Die Unicef-Beauftragte für Birma, Anne-Claire Dufay, sagte laut „spiegel-online“, ein Vermittler sei in eines der Lager gekommen und habe versucht, Kinder anzusprechen. „Das konnte verhindert werden. Die Polizei ist eingeschritten und es hat Festnahmen gegeben.“ Die US-Menschenrechtsorganisation Human Trafficking Org bezeichnet Birma als eine „Quelle und ein Durchgangsland für Menschenhandel“.
Wie groß ist die Spendenbereitschaft?
Bei der Aktion „Deutschland hilft“, einem Zusammenschluss von zehn Organisationen, gingen nach eigenen Angaben bislang insgesamt nur 250 000 Euro ein. Das Spendenaufkommen sei nicht vergleichbar mit ähnlichen Katastrophenfällen, bestätigt der Geschäftsführer des Deutschen Zentralinstituts für Soziale Fragen, Burkhard Wilke. Als eine Ursache nennt er die Weigerung der Junta, internationale Helfer ins Land zu lassen.
Auch der fast völlige Ausschluss internationaler Medien dämpft die Spendenbereitschaft – es fehlen ähnlich bewegende Aufnahmen wie aus dem chinesischen Katastrophengebiet. Wilke wirbt um Vertrauen in die Arbeit der Helfer: Wenn seriöse Organisationen zu Spenden für Birma aufriefen, dann dürfe man davon ausgehen, dass sie das eingehende Geld auch dort verwenden könnten.
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