Nach 22 Jahren vielleicht ruhiger geworden, aber keinesfalls leiser: Campino nur noch nüchtern auf die Bühne
zuletzt aktualisiert: 13.09.2004 - 13:50Düsseldorf (dto). Seit 22 Jahren tourt Campino mit seiner Band "Die Toten Hosen"durch die Lande und wirkt noch immer erfrischend anders. Alternde Punks wandeln oft auf einem schmalen Grat zwischen Bürgerschreck und peinlich wirkenden Berufsjugendlichen. Andreas Frege, alias Campino, zählt sicher zu der ersten Kategorie. Frege ist am Montag 42 Jahre alt geworden.
Manch schrilles Outfit lässt er heute zwar lieber im Schrank, von Anpassung kann in den Liedtexten, die zumeist aus seiner Feder stammen, aber auch keine Rede sein. Campino sagt, was er denkt und Campino singt, was er denkt. "Mach, was in dir drin ist und die Leute werden es honorieren! Und wenn nicht: auch scheißegal!"
Mit der Schule hatte es der gebürtige Düsseldorfer nicht so, er war eher der Typ "Sitzenbleiber". Aber Campino wusste, was er werden wollte: Schlagzeuger in einer Rockband oder Busfahrer. Zum Busfahrer hat er es nicht gebracht, zum Schlagzeuger ebenso wenig. Aber das Ziel, eine Band zu gründen, hat er konsequent verfolgt.
"Mit den Jungs aus meiner Nachbarschaft haben wir so auf Kochtöppen rumgehauen", beschreibt Campino seine musikalischen Anfänge. Seine erste "richtige Band" hieß ZK, gegründet im November 1978. Vier Jahre später fanden sich "Die Toten Hosen" zusammen. Mit Songs wie "Eisgekühlter Bommerlunder" begann die Erfolgsstory. Der Durchbruch gelang 1988 mit dem Lied "Hier kommt Alex".
In den ersten zehn Jahren seiner "Hosen"-Karriere habe es keine Platte gegeben, auf der er nüchtern gesungen habe, ihm sei seine Stimme immer unangenehm gewesen. Alkohol, Kokain und Speed waren ständige Begleiter des Punk-Sängers. Bis er einen Stimmbandabriss erlitt. Um seine Stimme zu retten, habe er abrupt mit allen Drogen aufgehört. "Kein Alkohol" war jedoch "auch keine Lösung", wie Campino später singen wird.
Am 28. Juni 1997 spielte Campino mit den "Hosen" das 1.000. Konzert in Düsseldorf. Im Gedränge der über 65.000 Zuschauer kam Rieke Lax, ein 16-jähriger Fan aus Holland, ums Leben. Campino beschreibt diesen Abend als Tiefpunkt. Er habe daran gedacht, seine Karriere zu beenden. Nach einem halben Jahr Pause konnte sich die Band aber wieder aufraffen und machte weiter.
Es gibt aber auch den Andreas Frege abseits der Band, der sich nach einer stressigen Tournee schon mal allein auf den Weg nach Indien begibt, um Ruhe zu finden. Überhaupt gibt es nur wenige Länder auf der Weltkarte, die er noch nicht bereist hat. Auch mit der Band blickt Campino auf Konzerte in Neuseeland, Australien, Kuba, Argentinien oder Paraguay zurück.
Seit 2001 ist Campino mit der Schauspielerin Karina Krawczyk ("Der Eisbär") zusammen. Am 9. März 2004 kam der gemeinsame Sohn Lenn Julian zur Welt."Kinder bedeuten für mich Rock'n Roll und Chaos. Von daher wird sich in meinem Leben nicht viel verändern".
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