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Das Buch für Bahn-Hasser

VON MONIKA SALCHERT - zuletzt aktualisiert: 06.05.2008

Dreckige Bahnhöfe, schmutzige Abteile, Verspätungen, unfreundliches Personal – in „Senk ju vor träwelling“ wird all das so beschrieben, dass leidgeprüfte Bahnfahrer dennoch lachen können. Und das Buch verkauft sich bestens.

Köln Bahnfahren ist das letzte große Abenteuer in unserem Land. Eins, das nur die Unerschrockenen, die Kampferprobten sowie die körperlich und mental Starken meistern können. So sehen es zumindest Mark Spörrle und Lutz Schumacher. Die beiden Autoren haben in einer Art Schreib- und Konfrontationstherapie ihre über Jahrzehnte gesammelten Erfahrungen – auch Trauma genannt – als Kunden der Deutschen Bahn aufgearbeitet.

Die beiden Autoren bezeichnen ihr Buch „Senk ju vor träwelling“ – wie Sie mit der Bahn fahren und trotzdem ankommen – als Ratgeber und Überlebensführer. In Wahrheit leistet das knapp 200 Seiten starke Büchlein jedoch noch viel mehr. Die Lektüre spendet Trost. All denen, die es trotz eines mit Promotion abgeschlossenen Studiums der Quantenphysik niemals geschafft haben, einen Fahrkartenautomaten dazu zu bewegen, ihnen ein Ticket auszudrucken. Nach der Lektüre von „Senk ju vor träwelling“ ist klar: Schuld ist allein der Automat. Er ist ein Schuft, ein verstockter dazu.

Das Buch macht Mut. All denen, die Tag für Tag, Woche für Woche, Monat für Monat darauf hoffen, dass der Zug heute vielleicht pünktlich kommt. Jetzt steht fest: Es gibt Menschen, die sind noch schlechter dran. Die wissen gar nicht, wie Züge eigentlich aussehen, weil in ihrem Bahnhof noch nie ein Exemplar angehalten hat. Generationen von Menschen sind in dem Glauben aufgewachsen, Lukas, der Lokomotivführer, und seine Emma aus der Augsburger Puppenkiste seien „die Bahn“.

„Ihr Zug kommt gleich“

Das Buch kann helfen, Familien wieder zusammenzuführen. Die verzweifelt gesuchte Großmutter ist nicht spurlos verschwunden. Mark Spörrle und Lutz Schumacher enthüllen, dass sich die tapfere, alte Dame seit Jahren als Wahrsagerin in dem Bahnhof durchschlägt, in dem sie einst einem Zugbegleiter aufgesessen ist. Sie hatte ihm geglaubt, als er ihr versprach: „Ihr Zug kommt gleich.“

Vor allem ist das Buch, das unaufhaltsam in den Bestsellerlisten nach oben klettert, eine überaus vergnügliche Lektüre. Die Schilderung des Lebens in und mit dem Mikrokosmos Bundesbahn ist gnadenlos überzeichnet. Weil aber fast jeder, der schon einmal mit dem Zug gefahren ist (oder es wollte), in jeder Geschichte ein Fünkchen Wahrheit blitzen sieht, ist das Ganze so (aber)witzig. Wer noch zweifelt, sei auf das Kapitel „Mutterseelenallein mit den Freaks von der Hotline“ verwiesen. Die Gegenrecherche ist bequem vom heimischen Schreibtisch aus zu leisten. Aber Vorsicht: Ein Urlaubstag kann dabei schon draufgehen.

Der Ratgeber, der bestimmt nur zufällig einen signalroten Einband hat, gibt den Blick in die Lebenswelten von Menschen wie Anita Hochwacht-Stolz, Gunda Gibbentrup, Gottfried Broiler und Bernd Dottenhauer frei. Es macht richtig gute Laune, „Senk ju vor träwelling“ zu lesen. Es muss ja nicht unbedingt in der Wartehalle eines Bahnhofs sein. Nicht alle Bahnbeschäftigten verstehen Spaß.

Quelle: RP

 
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