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Nachspielzeit: Der Fan als größtes Doping-Opfer

VON STEFAN KLÜTTERMANN - zuletzt aktualisiert: 22.07.2009 - 09:32

Erik Zabel, Isabell Werth und jetzt also Claudia Pechstein. Die Reihe prominenter Doping-Fälle scheint sich in trauriger Verlässlichkeit fortzusetzen. Über die Folgen für die Aktiven und den Wettkampfsport ist viel geschrieben worden. Doch welche Konsequenzen hat Doping eigentlich für die, die mit ihrer Emotion Sport erst ein Ereignis werden lassen: die Fans?

Eine aktuelle Umfrage des Sportinformationsdienstes (SID) führt an, dass fast die Hälfte der Befragten den Unschuldsbeteuerungen der Claudia Pechstein glaubt. Handelt es sich hierbei vielleicht um eine Art Schutzhaltung? Wollen wir Fans uns nicht eingestehen, dass wir bei Olympischen Spielen, Europa- und Weltmeisterschaften vielleicht Sportler im Fernsehen angefeuert, bejubelt und verehrt haben, die sich hinterher als Betrüger herausstellen?

Fürchten wir Fans vielleicht nicht einfach von Woche zu Woche und von Dopinggeständnis zu Dopinggeständnis mehr, dass wir unsere Zuneigung, unsere Anfeuerung, ja unsere Lebenszeit Athleten schenken oder geschenkt haben, die es im Nachhinein nicht verdienen? Mancher Fan wird vor dem Fernsehen vor Aufregung wohl öfter einen Hungerast erlitten haben, als Jan Ullrich bei der Tour de France? Wofür dieses Leiden, mag man sich heute fragen.

Das Interesse an eben dieser Tour de France sei in Deutschland rapide gesunken, heißt es in Medienberichten dieser Tage. Wen wundert es? Vor zehn Jahren waren Live-Reportagen mit Klaus Angermann und Tony Rominger noch gefühlte Straßenfeger. Heute kommt das Radrennen einer Lektüre der Apotheken-Umschau gleich: Interesse nur für Pharmainteressierte.

Fans verlieren alles, wenn sie die Bindung an ihre Lieblinge aufgeben (müssen). DAS ist der elementare Punkt, an dem die Dopingproblematik auf die Menschen auf den Tribünen, an den Straßenrändern und in den Wohnzimmern übergreift. Fans haben Angst vor jedem neuen Uwe-Barschel-Fall im Sport, wo jemand sein Ehrenwort gibt, sauber zu sein, und Wochen später unter Tränen doch seine Unsauberheit zugeben muss. Isabell Werth genoss am Niederrhein fast den Status einer Schutzpatronin mit Heiligenschein. Und jetzt?

Dabei sind die richtigen "Worst Cases" oder "SuperGAUs" ja noch nicht einmal eingetreten. Mit der latenten Angst vor eben diesem Eintreten leben Sportbegeisterte jeden Tag. Was passiert denn, wenn herauskommen sollte, dass Biathletin Uschi Disl, die Verkörperung von Natürlichkeit und Volksnähe, gedopt gewesen sein sollte? Was, wenn Dirk Nowitzki irgendwann gesteht, er habe verbotene Substanzen genommen? Was, wenn Handball-Bundestrainer Heiner Brand erklären muss, es habe beim WM-Sieg 2007 Unregelmäßigkeiten in seinem Team gegeben?

Und vor allem: Was passiert, wenn die BILD-Zeitung einmal mit der Schlagzeile aufmachen sollte: "Massendoping in der Fußball-Bundesliga!"?


 
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