Nachtresidenz:: Der Herr der Tür
VON JESSICA SCHWARZER - zuletzt aktualisiert: 05.11.2004 - 13:08Düseldorf (RP). Für den Job braucht er psychologisches Gespür und muss fit sein: Christian C. sorgt als Türsteher vor und in der Nachtresidenz für Ordnung. Als Security reiste er mit den Rolling Stones und der Kelly Family durch Europa.
Wildes Gerangel, ein spontaner Schuhtausch, falsche Ausweise, Schlägereien, sogar Morddrohungen - Christian C. hat das alles bereits erlebt. Es gehört zu seinem Beruf. „In diesem Job kann alles passieren“, sagt der 31-Jährige. Seit 13 Jahren arbeitet der Düsseldorfer als Türsteher, seit zwei Jahren wacht er über die Nachtresidenz. Dort leitet er auch die Sicherheitsabteilung.
Angefangen hat er bei „Bauer Anton“ an der holländischen Grenze. Dort wurden Partys im Dorfsaal gefeiert. „Ich bin damals eigentlich nur für einen Freund eingesprungen“, erzählt er. Aus dem Gefallen wurde ein regelmäßiger Job, der Christian bald auch nach Düsseldorf und Umgebung führte. Während seiner Ausbildung zum Schreiner arbeitete er weiter als Türsteher. Ob Bhaggy, Stahlwerk, Tor3, Garden, Room oder Poco Loco - Christian stand dort überall schon an der Tür.
"Ich bin kein Party-Typ"
Mitte der 90-er Jahre bewachte er nicht nur Clubs, sondern auch Bands, mit denen Christian durch Europa tourte. Drei Jahre lang gehörte er zur „Band Security“ der Kelly Family. Mit den Rolling Stones und Janet Jackson ging er auf Tour. „Dafür muss man ziemlich fit sein und viel trainieren“, sagt er. Boxen, Laufen und regelmäßige Besuche im Fitness-Studio gehörten damals wie heute zum Pflichtprogramm.
Dass er immer vor der Tür steht, während alle anderen feiern, stört ihn nicht. „Ich bin kein Party-Typ und trinke auch keinen Alkohol“, erzählt er. „Ich sehe lieber zu, wenn andere feiern - vielleicht auch aus Gewohnheit.“ Er sei darauf trainiert, Menschen zu beobachten.
Denn in seinem Job geht es vor allem darum, Ärger - welcher Art auch immer - zu verhindern. Wer aggressiv ist oder zu viel getrunken hat, kommt am „Mann in Schwarz“ mit dem (Funk-) Knopf im Ohr nicht vorbei. Auch das Outfit der Gäste muss stimmen: modisch chic, nicht zu sportlich. „Meistens geht es vor der Nachtresidenz ruhig zu, aber eben nicht immer“, er. Wenn doch etwas passiert, schreiten er und sein Team ein.
Ungewöhnliche und prominente Gäste kommen immer wieder in die Nachtresidenz. Ralf Möller beispielsweise. „Ihn kenne ich noch von früher“, erinnert sich der Türsteher. „Als Arnold Schwarzenegger das ,Planet Hollywood’ in Oberhausen eröffnet hat, wohnte er in Düsseldorf. Ich war seine Security und habe dabei auch Ralf kennen gelernt.“ Der deutsche Hollywood-Star sei sehr nett und erinnere sich noch an die gemeinsame Kö-Tour. Oder die Weather Girls: Bei ihrem Auftritt in der Nachtresidenz mussten sie von kräftigen Helfern auf die Bühne getragen werden - Christian half mit.
Lehrgeld: Diverse Schnittwunden
Die Bilanz von 13 Jahren: vier Mal die Nase gebrochen, diverse Schnittwunden, Kopf und Augenbraue genäht. „Das war das Lehrgeld, das ich zahlen musste“, sagt Christian. „Das ist aber vor meiner Zeit in der Nachtresidenz passiert.“ Doch auch dort gibt’s ab und zu blaue Flecken.
„Vor etwa zwei Monaten hat mir jemand sechs Schläger geschickt.“ Viel sei aber nicht passiert. Mit der Gefahr muss Christian leben, Drohungen gäbe es immer mal wieder. „Der Job ist nicht beendet, wenn ich hier raus gehe“, sagt er. Trotzdem macht er ihm noch immer Spaß.
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