Jedes 3. Schulkind fühlt sich gemobbt
VON CONSTANZE KRETZSCHMAR, MAXIMILIAN PLÜCK UND JENS VOSS - zuletzt aktualisiert: 15.05.2008Düsseldorf Jedes dritte Schulkind wird Opfer von verbaler Gewalt wie Hänseleien oder Beleidigungen. 20 Prozent fühlten sich schon einmal von Mitschülern bloßgestellt, die Hälfte davon mehrfach. Dies ist das Ergebnis der ersten Studie über das so genannte Bullying (von „bully“, rauer Kerl). Bullying ist im wissenschaftlichen Sinne zwar erst eine Vorstufe des Mobbings, wird aber von den Betroffenen als Mobbing wahrgenommen. Für die Umfrage waren im Rahmen des LBS-Kinderbarometers 6300 Schüler zwischen neun und 14 Jahren aus sieben Bundesländern befragt worden. Die Studie stützt andere Untersuchungen, wonach bis zu zehn Prozent der Schüler Opfer von Mobbing im strengen Sinne werden, wenn also ein Schüler mindestens vier Wochen systematisch körperlich oder verbal ausgegrenzt wird.
Schulpsychologen beobachten eine Brutalisierung in den Umgangsformen. „Der Ton unter Schülern ist oft rau geworden“, sagt etwa Stefan Drewes, Leiter der Schulpsychologischen Beratungsstelle Düsseldorf. Mädchen agierten eher indirekt, indem sie Gerüchte verbreiteten und isolierten. „Jungen mobben direkter, eher körperlich oder per Handy über SMS und über das Internet mit Beleidigungen oder Drohungen.“ Viele Mobbing-Opfer schweigen, berichtet Psychologin Alexandra Schirm von der Schulberatungsstelle Wesel. Alarmsignale seien Leistungsabfall, Stimmungsschwankungen oder der Wunsch, zur Schule gebracht zu werden. Auch Bauch- und Kopfschmerzen oder Schlafstörungen seien Indizien, erläutert Reinhard Mühlen von der Schulberatungsstelle Hilden.
Der erste Schritt sich zu wehren ist es, das Schweigen zu durchbrechen. Georg Viehoff, Schulpsychologe im Kreis Viersen, rät Schülern, Lehrern und Eltern: „Nie über Mobbing schweigen, sondern laut darüber reden.“
Wenn Bullying oder Mobbing auffallen, sei eine schnelle Reaktion der Lehrer wichtig, sagt Drewes. Sie müssten Opfern zuhören und Tätern klarmachen, dass sie auf das Mobbing achteten. Auch die „Nichtssager“ in der Klasse müssten aktiviert werden und zeigen, „dass sie das Mobbing nicht weiter dulden“. Die Fachleute betonen, dass es kein typisches Opfer-Profil gibt. Drewes: „Es kann jeden treffen. Manchmal reicht eine falsche Turnschuh-Marke.“
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