Jupp testet die Welt
Diese Woche: Hooters
Es ist das wohl umstrittenste Restaurant Düsseldorfs. Bereits im Vorfeld des Baus gab es wegen der spärlichen Bekleidung der Mitarbeiterinnen zahlreiche Diskussionen. Dennoch hat Hooters am Freitag eröffnet. Grund genug, mal einen Blick ins Innere zu werfen...
Beim Betreten erschallt blitzartig ein "Hi, welcome to Hooters". Vom Schrecken erholt geht es also an die Bestellung. Die Karte ist original amerikanisch. Chickenwings (Hähnchenflügel), Fries (Pommes) und Burger (Burger) sind die Kassenschlager, wie mir die freundliche Bedienung verrät.
Die Wartezeit versüßen die Hooters-Girls übrigens mit semiprofessionellen Tänzchen. Einmal links, einmal rechts und klatschen.
Viel spannender finde ich allerdings die Frage, von welcher Qualität die Servietten wohl sind. (Und nein, hier im Hooters-Land ist das kein banales Küchenkrepp!)
Das schöne bei Herrn Hooter ist, dass das Servieren der Mahlzeit regelrecht zelebriert wird. Hier wird nicht einfach ein Burger an den Tisch gebracht. Die Mädels sind knapp bekleidet - allerdings nicht so knapp, dass sich die Diskussionen der letzten Wochen tatsächlich gelohnt hätten - und gebracht werden die Teller und Gläser stets mit perfektem Grinsen und Hüftschwung.
Während Marta erklärt, dass die Saucen von hell nach dunkel immer schärfer werden, erschallt im Hintergrund das dritte "Hi, welcome to Hooters". Mitunter übrigens sehr zeitversetzt. So haben wirklich alle etwas davon, wenn neue Gäste kommen.
Na dann: Auf in den Kampf...
Zehn Chickenwings kosten bei Hooters in der Düsseldorfer Altstadt 7,90 Euro. Serviert werden sie wahlweise in "natur" oder mariniert. Natürlich können auch mehrere Saucen bestellt werden.
Die Wings sind leicht paniert. Die Naturvariante schmeckt wie bei Kentucky Fried Chicken. Nur, dass Hooters-Wings nicht mit einem gefühlten Glas Fett abgeschmeckt werden.
Diesen ersten Eindruck machen die Saucen wieder wett. Zumindest die helleren Varianten bestehen offenbar zu rund 90 Prozent aus Schweröl.
Sauce Nummer 1: Mild
Geschmacklich liegt man hier irgendwo zwischen Mayo und Rapsöl.
Sauce Nummer 2: Medium
Erinnert stark an den Mayonnaisen-Test vor einigen Monaten.
Sauce Nummer 3: Hot
Eine recht würzige Variante. Aber "Hot" ist das beim besten Willen nicht.
Sauce Nummer 4: 3 Miles
Vor dieser Sauce warnt ein "Radioaktiv-Zeichen". Ob das berechtigt ist?
Definitiv ja. Vor dem Verzehr sollte ein Eimer Wasser serviert worden sein. Bei der netten Bedienung ist man ohnehin geneigt, die eine oder andere Zusatz-Bestellung aufzugeben. (Klick! Ich glaube, soeben habe ich das Konzept verstanden)
Sauce Nummer 5: 911 - Hot
Diese Sauce ziert die Telefonnummer des amerikanischen Notrufs. Warum?
Dieses Zeug kann sogar Hämorrhoiden glätten.
Während der fünfminütigen Erholungspause läuft der Burger zwar Gefahr kalt zu werden, bei geschätzten 200 Grad zwischen Ober- und Unterkiefer ist das aber relativ mumpe!
Serviert wird der übrigens mit "Curly Fries". Eine Art Schillerlocke für Holländer.
Der Burger selber ist vor allem eins: groß.
Mit charmantem Augenaufschlag erklärt Marta, dass der Burger nach Belieben selber kreiert wird. Salat, Tomate und Zwiebel werden dafür ebenso wie eine weitere Zutat nach Wahl neben dem Burger liegend an den Tisch gebracht. "Typisch amerikanisch sind die 'Baked Beans'", nimmt mir Marta die Entscheidung ab, welche Sonder-Zutat wohl die passendste ist.
Der Burger ist riesig und an allen Seiten quellen Bohnen und Salatfetzen heraus. Genau das richtige für den organisierten 14-Stunden-Kindergeburtstag, den Hooters täglich mit seinen Gästen feiert.
Geschmacklich hängt der Burger (6,90 Euro) die bekannten Fast-Food-Ketten übrigens im Schlaf ab. Die Frikadelle ist riesig und saftig, die Zutaten frisch. Was dagegen stört ist das inzwischen fünfte "Hi, welcome to Hooters", das aus dem Hintergrund, dem Vordergrund, von schräg rechts und links quietschend wie eine Kreissäge durch die Nerven fährt.
Während der Sättigungsgrad die Dauer-Begrüßung auf der Unwohlseins-Skala abzulösen droht, legen die Mädels nach. Der "We are Hooters"-Song, begleitet von rhythmischem Klatschen, erinnert stark an das erste Tänzer-Casting von Popstars in Castrop-Rauxel Ost.
Dann geht aber alles ganz schnell. Blitzartig, wie die Mädels mit dem Tanzen begonnen haben, hören sie auch wieder auf und gehen zurück an die Arbeit. Was bleibt ist die Einsicht, dass Hooters eine ganz normale Burger-Bude ist, deren Ware zwar teurer, dafür aber auch in größeren Portionen und deutlich saftiger serviert wird.
Der Abschied vom aufwendig gecasteten Personal droht im ersten Moment zwar schwer zu fallen, dann öffnet sich jedoch die Tür und neue Gäste betreten den Laden. "Hi, welcome t...". Manchmal tut scheiden eben doch nicht weh.
In diesem Sinne. Bis nächste Woche...