Foto: Barmer GEK
Drei Monate warten psychisch Kranke im Schnitt auf einen Therapieplatz. In den ländlichen Regionen tendiert diese Zahl deutlich nach oben. Zu lange finden Psychotherapeuten und Psychiater. Sie plädieren dafür, dass Hilfe bekommt, wer Hilfe braucht. Hier lesen Sie, Fakten, Zahlen und Folgen der zu langen Warterei auf einen Therapieplatz.
Quelle: Kassenärztliche Bundesvereinigung, Bundespsychotherapeutenkammer
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Zu lange Wartezeit
Die Wartezeit auf ein erstes psychotherapeutisches Gespräch sollte drei Wochen nicht überschreiten. Von diesem Grundsatz aber weichen die meisten Therapeuten ab, denn ihre Wartezimmer sitzen zu voll.
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Krankheit wird schlimmer
Durch lange Wartezeiten erhöht sich die Wahrscheinlichkeit, dass sich psychische
Erkrankungen verschlimmern und chronisch werden. In Folge dessen müssen Patienten dann vermehrt stationär behandelt werden.
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Hier warten Betroffene am längsten
Besonders schlecht ist die psychotherapeutische Versorgung im Ruhrgebiet und in den ostdeutschen Bundesländern: Im Ruhrgebiet warten Patienten 17 Wochen auf ein Erstgespräch, in Brandenburg 19,4 Wochen, in Mecklenburg-Vorpommern 18 Wochen, in Thüringen 17,5 Wochen und in Sachsen-Anhalt 16,6 Wochen.
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Nur jeder Vierte bekommt ein Gespräch
Bundesweit sind psychotherapeutische Praxen sehr stark überlaufen. Monatlich
fragen durchschnittlich 17,7 Patienten nach einer psychotherapeutischen Behandlung. Allerdings können die ambulanten Psychotherapeuten im Monat nur 4,2 Erstgespräche anbieten. Nur auf knapp jede vierte Anfrage kann ein psychotherapeutisches Erstgespräch erfolgen.
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Warteliste - die zusätzliche Last
Über die Hälfte der Psychotherapeuten führt eine Warteliste, auf der man sich vormerken lassen kann. Für viele seelisch Kranke stellt das lange Warten eine zusätzliche Belastung dar.
Eine Umfrage der Kommune Rhein-Kreis-Neuss zeigte, dass zwei Drittel der Patienten mit Depressionen oder Schizophrenie die Wartezeit auf eine Behandlung als zusätzliche Belastung erlebten.
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Mancher will dann nicht mehr
Mit zunehmender Dauer der Wartezeit steigt der Anteil der Menschen, die eine Behandlung gar nicht erst beginnen. In einer Studie führten zweimonatige Wartezeiten dazu, dass 30 Prozent der Patienten mit Angststörungen eine ambulante psychotherapeutische Behandlung nicht mehr aufnahmen.
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Chronisch krank nach Wartezeit
Lange Wartezeiten erhöhen das Risiko, dass psychische Erkrankungen schlimmer werden, sich verlängern und dass sie vor allem wiederkehren. Bleiben sie unbehandelt, verlaufen viele psychische Erkrankungen chronisch mit zunehmenden Komplikationen.
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Depression folgt auf Depression
Mehr als die Hälfte aller Menschen, die unter einer Depression leiden, erkranken im Laufe ihres Lebens erneut daran. Nach einer zweiten Episode erhöht sich das Risiko wieder zu erkranken auf 70 Prozent. Nach einer dritten Erkrankung sogar auf 90 Prozent. Mit jeder erneuten Depression wird das Zeitintervall kürzer, innerhalb dessen die nächste Episode auftritt.
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Behandlung langwieriger
Noch gravierender sind die Auswirkungen bei einer Depression, die nicht gleich adäquat behandelt werden kann: Die durchschnittliche Dauer von unbehandelten depressiven Episoden ist ungefähr doppelt so lang wie bei behandelten.
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Leid, das jahrelang andauert
Besonders bei den psychischen Erkrankungen, die chronisch verlaufen, besteht das Risiko, dass das seelische Leid jahrelang andauert. Angst- oder Zwangserkrankungen verlaufen ohne Behandlung in der Regel chronisch. Ähnlich ist das bei sozialen Phobien.
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Schutz vor chronischer Erkrankung
Bei Angst- und Zwangsstörungen kann durch eine Psychotherapie oft eine Abschwächung der Symptomatik erreicht werden. Je frühzeitiger die Behandlung erfolgt, desto geringer ist das Risiko, dass diese Erkrankung chronisch wird.
Besonders gravierend ist der Verlauf für Patienten mit unbehandelten Essstörungen. Bei Patienten mit Magersucht wurde weniger als ein Drittel der betroffenen Menschen wieder gesund.
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Mehr stationäre Behandlung
Die nicht ausreichende Anzahl ambulanter Therapieplätze führt dazu, dass es immer häufiger zu stationären Behandlungen kommt, obwohl eine ambulante Versorgung und Therapie ausgereicht hätte. Im Rahmen der Notfallversorgung müssen psychisch erkrankte Menschen in Kliniken nämlich sofort behandelt werden und werden in Folge dessen dann häufig stationär aufgenommen.