Foto: AP
In ganz Deutschland streiken die Kitas. Die Beschäftigten möchten auf schlechte Arbeitsbedingungen aufmerksam machen - und Eltern stehen vor der Frage: Wohin mit den Kindern? Wir haben Lesermeinungen zusammengestellt.
Foto: AP
A. Mauel, per MailIn den letzten Wochen wurde zu wenig vom Kindeswohl gesprochen. Hoffentlich trauen Erzieherinnen sich endlich einmal in den Kitazeitungen über Missstände zu berichten. Wenn wir keine Verpflichtung zur Verschwiegenheit hätten, wüssten Eltern besser Bescheid darüber, wie wenig idyllisch es hinter den süßlichen Fassaden unserer "Kinderparadiese" zugeht.
Da sollen Kleinkinder in stinkenden Turnhallen Mittagsschlaf halten, nachdem sie zuvor vielleicht schon vor Erschöpfung beim Mittagstisch vom Stuhl gefallen sind. - Eltern, besteht auf kleineren Gruppen und mehr Platz für Kinder! Oder schickt sie in Waldkindergärten! Halbtags.
Dann könnt ihr erleben, wie gesund ein normales Kind sein kann, wenn es nicht in feucht-warmen Gruppenräumen stundenlang verwahrt wird. Leider erleben nur die Eltern die dicke Luft, die ihre Kinder spät bringen und früh abholen!
Foto: AP
Anja-Mogli"Wenn man keine Omas oder Opas mehr hat, die auf die Kleinen aufpassen können, hilft nur ein gutes Netzwerk mit anderen Müttern. Ich habe mich mit zwei anderen Müttern mit gleichaltrigen Kindern zusammengetan. Wir arbeiten alle drei in Teilzeit und haben einen sehr ausgeklügelten Plan wer wann welches Kind wo abholen, hinbringen oder betreuen muss. Wenn das so weiter geht, werde ich irgendwann eine excel-Tabelle anlegen müssen, es wird immer komplizierter, klappt aber wenigstens verlässlich."
Foto: AP
Andreas48"Da kann man doch auch mal die "Familienfreundlichkeit" des eigenen Arbeitgebers testen. Der Nachwuchs kommt stundenweise mit ins Büro und malt schöne Bilder für den Chef. Dann sehen Wirtschaftsgrößen, was Kita`s leisten."
Foto: AP
P. Brinkmann, per Mail"Ich habe großes Verständnis dafür, dass die Erzieher bessere Arbeitsbedingungen verlangen. Sie machen wirklich einen tollen Job, aber es wird immer mehr von ihnen verlangt.
Allerdings habe ich überhaupt kein Verständis dafür, wie die streikenden Kitas ausgewählt werden. Warum müssen es immer die gleichen Kitas sein und warum wechselt man sich nicht ab? Alle Eltern können mal einen Streiktag verkraften, aber mehrere hintereinander sind wirklich heftig!"
Foto: AP
Anja-Mogli"Mein Sohn ist in einem evangelischen Kindergarten, insofern betrifft mich das Thema nicht direkt. Mir ist aber auch aufgefallen, dass die Erzieher immer mehr Aufgaben bewältigen müssen als vor ein paar Jahren. ZB. diese schriftlichen Berichte über jedes Kind, für die Eltern gut, für die Erzieher natürlich Mehraufwand, der innerhalb der Arbeitszeit auch noch zu bewältigen ist.
Bei uns im Kindergarten sind die Erzieher immer öfters krank habe ich das Gefühl. Folge von Überlastung? Ich weiß es nicht, bei uns müssen zur Zeit jedenfalls schon Mütter einspringen, weil zu wenig Personal da ist."
Foto: AP
N. Kleine, per Mail"Wir sind sehr enttäuscht von den Erziehern, dass von uns als Eltern verlangt wird von heute auf Morgen eine alternative Betreuung zu organisieren.
Wir sind beruflich von unserer Familie 250 km entfernt und haben nicht "mal eben" eine andere Möglichkeit.
Streiken ist sicher eine wichtige Sache. Aber bitte nicht auf Kosten von andern Arbeitsplätzen!
Ich bin selbst in Kurzarbeit... Wenn ich noch zusätzliche Tage fehle geht mir einiges an Geld verloren.
Wir zahlen einen so hohen Kiga Beitrag, da möchte ich mir auch auf die Betreuung verlassen können, ohne das ich in der Weltgeschichte herufahren muß und mein Kind in Hände gebe die mir ggf. nicht symphatisch sind oder meinem Kind nicht gefallen."
Foto: AP
S. Wittmann, per Mail"Obwohl ich keine Kinder habe, bin ich trotzdem direkt von diesem Streik betroffen: Kolleginnen, die ihre Kinder nicht in den Kindergarten bringen können, haben sich frei genommen, so dass Personalmangel besteht. Was zur Folge hat, dass wir Anderen an unseren freien Tagen arbeiten müssen bzw. die Arbeit der Mütter mitverrichten.(...)
In meinen Augen handeln die Erzieherinnen egoistisch,da sie alle hart arbeitenden Menschen mit ihrem Streik strafen."
Foto: AP
esselle"Die Moderatoren der morningshow meines Lieblingssenders swr 3 Michael Verbitzki und Sascha Zeuss haben den Kita-Notstand heute bravourös auf ihre eigene Art und Weise gelöst und die Kids mit ins Studio gebracht. Gelungene Alternative."
Foto: AP
K.Bergmann, per Mail"Die Erzieherinnen haben einen Vertrag über die zu leistende Arbeit, die Arbeitszeit und den Lohn abgeschlossen. Legen sie nun die Arbeit nieder, weil sie plötzlich nicht mehr mit dem einverstanden sind, was sie vorher unterschrieben haben, handelt es sich in meinen Augen um nichts anderes als Vertragsbruch. Diese Streikenden können sich das nur leisten, da sie entweder städtische Angestellte sind oder in Grossbetrieben arbeiten. In privaten Kleinbetrieben würden sie kurzerhand entlassen!"
Foto: AP
C. Gudat-Kuhnke, per Mail"Dieser Streik war längst überfällig.
Jeder der das Klischee der kaffeetrinkenden, schwatzenden Erzieherin propagiert, sollte in den Kitas hospitieren oder besser seine ehrenamtlichen Ambitionen dort ausleben.
Schade dass bei den Pressemitteilungen die Sozialarbeiter, die ebenfalls aus den selben Gründen streiken (Arbeitsüberlastung, schlechte Arbeitsbedingungen, physische und psychische Grenzwertbelastungen etc.), unter den Tisch fallen.
Bezirksozialarbeiter die bis zu 135 Familien mit über 500 Kinder angemessen betreuen müssen mit Einzelschicksalen, die an psychische Grenzen gehen können."
Foto: AP
Wir suchen auch Ihre persönliche Meinung! Erstellen Sie im
OPINIO-Portal einen eigenen Beitrag zum Thema oder schreiben Sie uns eine E-Mail
an diese Adresse!