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Obama-Tag in Berlin

VON MICHAEL BRÖCKER UND STEFANIE WINKELNKEMPER - zuletzt aktualisiert: 25.07.2008

Der US-Präsidentschaftskandidat sprach bei seinem Besuch über „Die Mauern von Berlin“ und pries die Hauptstadt als Symbol für Freiheit und Hoffnung. Seine Rede war der umjubelte Höhepunkt eines Tages, der alles zu bieten hatte – von Staatsempfängen bis zu Obama im T-Shirt.

Berlin Aus den Lautsprechern verhallen die letzten Takte von „Let’s dance“, Stille umhüllt nun die Siegessäule. Erste Obama-Sprechchöre werden laut, ein Hubschrauber kreist am Himmel. Das ist der Moment, auf den Berlin, Deutschland und Europa gewartet haben. Und da kommt er: Barack Obama. Über einen Steg läuft er zum Podest für seine Rede, strahlt, winkt und sagt „Thank you, thank you“ und nochmals „thank you“. Seine Rede ist der Höhepunkt eines bewegenden Tages, der so begann: 10.40 Uhr Die Wagenkolonne des US-Senators, designierter Kandidat der Demokratischen Partei im Präsidentschaftswahlkampf, fährt vom Flughafen Tegel direkt ins Kanzleramt. Vier tiefschwarze BMW, ein Mercedes und zwei schneeweiße Geländewagen. In einem sitzt Obama. Es ist ein amerikanischer Chevrolet Suburban 2500. Das bullige Gefährt frisst 154Liter Benzin auf 100 Kilometer. Gleich will Obama mit der Kanzlerin auch über Klimaschutz reden. 10.45 Uhr Obama steigt aus. Eine Schülergruppe aus Augsburg – sie darf ausgerechnet heute das Kanzleramt besuchen – kreischt.

11.25 Uhr Kurzes Foto für die Presse im siebten Stock des Kanzleramts. Merkel, petrol-farbenes Sakko, Obama, dunkler Anzug, hellblaue Krawatte. Lächeln. Shake-Hands. „Ich hoffe, wir haben ein gutes Gespräch“, sagt Merkel. „Schön, hier zu sein“, antwortet Obama. 11.30 Uhr Ein letztes Winken. Die beiden gehen in das Büro der Kanzlerin. 45 Minuten Weltpolitik hinter geschlossenen Türen. „Es war ein sehr offenes und in die Tiefe gehendes Gespräch in sehr guter Atmosphäre“, wird Merkels Sprecher später sagen. Die internationale Politik sei das dominierende Thema gewesen. Von den beiden Gesprächsteilnehmern selbst gibt es kein Wort. 12.21 Uhr Obamas Kolonne fährt durch das Regierungsviertel zum Hotel Adlon. Dort rechneten alle damit, dass Obama eine der gepanzerten Präsidenten-Suiten für 20 000 Euro pro Nacht mietet. Doch der Senator mit Zielrichtung Weißes Haus betritt eine „normale“ Adlon-Suite im dritten Stock. Von dort hat er einen herrlichen Ausblick auf das Brandenburger Tor, vor dem er auftreten wollte. Zum Mittagessen serviert das Adlon-Team dem Senator Salat und Pasta, „etwas Leichtes“, wie Hoteldirektor Stephan Interthal unserer Zeitung verrät. 13.00 Uhr Bombenalarm im Adlon. Ein eintreffendes Paket löst Panik aus. Sprengstoffexperten untersuchen mit Spürhunden das Päckchen und geben Entwarnung. In dem Päckchen befindet sich lediglich ein Buch für Barack Obama mit der Bitte um eine Widmung. 14.15 Uhr Der sehnige Senator, der im Wahlkampf bereits sechs Kilogramm verloren hat, wird in einem Nebentrakt des Adlon gesehen, wie er eine schmale Treppe herunter in Richtung Hinterausgang läuft. Neben ihm sechs US-Sicherheitsbeamte vom Secret Service und Susan Rice, seine außenpolitische Beraterin. Die Fahrt geht ins Außenministerium.

14.17 Uhr Handschlag mit Deutschlands oberstem Diplomaten Frank-Walter Steinmeier. Zwei Freunde, so scheint es. Obama lässt keine Gelegenheit aus, seinen Arm lässig um Steinmeier zu legen. Knapp 45 Minuten dauert ihr Gespräch – ähnlich lang wie mit Merkel – dann treten sie vor die Presse. Doch was ist das, Steinmeier und Obama laufen einfach weiter und streifen die Meute der Kameraleute ab. Stundenlang hatten diese ihre Technik aufgebaut, und nun halten Sicherheitsleute die Türen des Auswärtigen Amtes von außen zu. Die Journalisten sind gefangen, und Steinmeier winkt von der Freitreppe allein dem weißen Geländewagen nach.

16.00 Uhr Mit dem Goldenen Buch der Stadt läuft Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit ins Adlon. Aus Sicherheitsgründen verzichtet er auf den Spaziergang mit Obama durch das Brandenburger Tor. Stattdessen schreibt der Linkshänder einen ungewöhnlich langen Text in das Buch, in dem er Berlins historische Rolle würdigt.

16.31 Uhr Am Hintereingang des Hotels zieht der Portier die schweren, dunkelroten Vorhänge des Portals zu. So können die vielen Fans, die mit Obama-Büchern und Obama-T-Shirts auf den interessantesten Mensch des Tages warten, nicht sehen, wie dieser in grauem Shirt, schwarzer Laufhose und weißen Sportschuhen in die Limousine steigt. Die Kolonne fährt ihn ins nahe gelegene Nobelhotel Ritz Carlton am Potsdamer Platz. Dort betritt er den Fitnessraum.

19.21 Uhr Obama spricht an der Siegessäule. Mehr als 200 000 Menschen jubeln ihm zu. Er dankt „Mörkel“, „Stenmeier“ und „Woweritt“ für ihre Gastfreundschaft. Der Titel seiner Rede lautet „The Walls of Berlin“. Die Mauern von Berlin. Das ist sein Thema: Mauern in der Welt einreißen. Die Amerikaner könnten keinen besseren Partner haben als Europa, bekennt er. Applaus brandet auf, als er Sätze spricht wie: „Diese Stadt kennt den Traum von Freiheit“. Sein Traum ist die eine Welt. Ohne Nuklearwaffen, mit einem Ende des Irak-Kriegs und Truppen, auch „Eure Truppen“, für eine Lösung in Afghanistan.

22.00 Uhr Nach dem Abendessen will Obama nur noch eines, das hat er verraten: „Schlafen, einfach nur noch schlafen.“

Internet Video und mehr Bilder von Obamas Besucht unter www.rp-online.de/politik

Quelle: RP

 
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