Süß, weich und klebrig
VON BIRGIT WANNINGER UND WERNER GABRIEL (FOTOS) - zuletzt aktualisiert: 16.07.2008Eine Gruppe selbst ernannter Kenner traf sich zum kulinarischen Treff auf der Größten Kirmes am Rhein. Diese Mal testeten die Experten einen Klassiker des Rummels und ließen ihn sich auf der Zunge zergehen: Zuckerwatte.
Düsseldorf Die einen gehen auf die Kirmes, um Achterbahn oder Riesenrad zu fahren. Andere wiederum brauchen ihren Backfisch oder ihre gebrannten Mandeln. Und immer wieder sieht man auf der Kirmes große und kleine Besucher an einem riesigen Teil schlecken, das ihnen das Gesicht verdeckt: Zuckerwatte.
„Zuckerwatte ist nichts anderes als Zucker“, meint Düsseldorfs Chocolatier Richard Heinemann und ist überzeugt: Da gibt es doch keinen Unterschied. Mitnichten. Die Rheinische Post macht den ultimativen Test. Na, sagen wir: fast ultimativen Test. Kirmesarchitekt Thomas König und RP-Redakteurin Birgit Wanninger suchten die Buden aus, die den besten Ruf für Zuckerwatte haben. Mit ihnen testeten: Sternekoch Holger Berens, vom Restaurant Berens am Kai, Inge Bruch, Grande Dame der Kirmes, und Chocolatier Richard Heinemann. Berens hat seit Ewigkeiten keine Zuckerwatte mehr gegessen. „Ich glaube als Kind“, sagt er, und Bruch, stimmt ihm zu. „Bei mir ist das noch länger her“, meint sie und lacht.
Büdchen, an denen nur Zuckerwatte gedreht wird, gibt es auf der Düsseldorfer Kirmes nicht mehr. Viele Stände mit Süßwaren besitzen zusätzlich ein Gerät, um Zuckerwatte herzustellen. Doch um es gleich vorwegzunehmen, der Kleinste machte das Rennen. Josef Winter verkauft in seinem winzigen Büdchen unweit der Alpina Bahn mit seiner Frau vorwiegend Zuckerwatte, außerdem gibt es noch Popcorn und gebrannte Mandeln. Für Inge Bruch stand sofort fest: der gewinnt – so sauber wie der Stand ist. Berens und Heinemann waren beeindruckt von der Vielfalt an Geschmacksrichtungen: Cola, Vanille, Apfel, Waldmeister, Kirsche, Himbeere und Erdbeere. Das Team hat sie fast alle probiert. Mit dem Ergebnis: Selbst Waldmeister schmeckt nicht künstlich, Kirsche und Erdbeere besitzen echten Fruchtgeschmack. Und der Kirmesarchitekt war begeistert: „Schon die kleinen Portionen sind riesig.“
Ganz anders die Atmosphäre bei Hansen. Da quält sich die Bedienung zum Zuckerwattedrehen, nimmt ein Holzstäbchen in die Hand und knabbert mit der zweiten weiter an ihrer Erdbeere. Das gibt Minuspunkte. Außerdem ist der Geschmack der Zuckerwatte nur künstlich. „Mit Erdbeere, wie angekündigt, hat das nichts zu tun“, sagt Holger Berens und riecht noch mal an der Zuckerwatte.
Bei Over sind in der strahlend weißen Watte Klümpchen. „Aber sie duftet gut“, meint König. „Aussehen alleine reicht nicht“, erklärt Richard Heinemann und zupft an der Watte. „Klebt“, sagt er. Genau in der Mitte liegen Aussehen und Geschmack bei dem hübschen Stand von Dierichs. Im Gegensatz zu den meisten seiner Mitbewerber setzt er auf puren Zucker, ohne Geschmackszutaten. Auch das kann Punkte bringen, den Experten schmeckt es.
„Und sein Wagen sieht wirklich sehr hübsch aus“, meint Bruch, die Frau fürs Auge. Hin und weg ist sie beim Zweitplatzierten Kaufmann, der Optik und Präsentation wegen. Heinemann und Berens überzeugt der Geschmack. Diesmal ist es Himbeere. Leicht und locker ist die Zuckerwatte, aber Thomas König findet dort die Kokos-Chips am besten. Richard Heinemann möchte nur noch ein Fischbrötchen essen, Weinliebhaber Berens sehnt sich nach einem Bier und Inge Bruch benötigt mehr Servietten.
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