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Tiere im Winterschlaf

VON FRANK UFEN - zuletzt aktualisiert: 27.11.2007

Viele Säugetiere versuchen in der kalten Jahreszeit, mit möglichst wenig Energie auszukommen.

Auch Lebewesen, von denen man es eher nicht erwartet hätte – Kolibris etwa und Primaten auf Madagaskar.

Düsseldorf Ob Haselmäuse, Siebenschläfer, Igel, Hamster oder Murmeltiere – wenn die kalte Jahreszeit anbricht und das Nahrungsangebot immer knapper wird, ziehen sich viele Säugetiere in einen Unterschlupf zurück, um Winterschlaf zu halten. Dann wird der Stoffwechsel so weit heruntergeschraubt, dass der Körper mit äußerst wenig Energie auskommt.

Aber das ist nicht alles, was beim Winterschlaf passiert. Um noch mehr Energie einzusparen, widerfährt es etwa Murmeltieren, dass ihre Leber und ihre Nieren um rund 30 Prozent und ihren Magen-Darm-Trakt um 50 Prozent schrumpfen. Dies fand der Wiener Biologe Thomas Ruf heraus.

In einen winterschlaf-ähnlichen Zustand fallen sogar Kolibris und einige andere exotische Vogelarten. Dann gibt es die Reptilien und Amphibien und andere wechselwarme Tiere, die Monate im Zustand der Kältestarre verbringen können. Und schließlich gibt es noch das Phänomen des Sommerschlafs. Ihn halten Krokodile und Schlangen und bei uns die Weinbergschnecken in Perioden großer Hitze und Dürre.

Die Fachwelt stand Kopf, als sie erkannte, was die Hamburger Zoologin Kathrin H. Dausmann entdeckt hatte: einen Primaten, der nicht weniger als sieben Monate winterschlafend verbringt – und das bei tropischen Temperaturen von über 30 Grad Celsius. Hierbei handelt es sich um den Fettschwanzmaki, einen auf Madagaskar ansässigen Halbaffen. Dieses nur etwa 15 Zentimeter lange und 130 Gramm schwere Tier, das eher wie ein Eichhörnchen aussieht, ist auf ein nachtaktives Leben spezialisiert und dafür mit riesigen dunklen Augen ausgerüstet. Auf Madagaskar mangelt es während der kühleren Trockenzeit an Wasser und Nahrung. Die Fettschwanzmakis fressen sich deshalb dicke Fettpolster an, verkriechen sich in einer Baumhöhle und schalten ihren Stoffwechsel auf Sparflamme.

Wie schaffen es eigentlich Hirsche und Rehe, die strengen Winter im Hochgebirge zu überstehen? Auch sie halten eine Art Winterschlaf – allerdings immer nur nachts und immer nur einige Stunden täglich. Dabei sinkt ihre Körpertemperatur um fast 20 Grad Celsius, und ihr Herz schlägt statt 80 bloß noch 40 Mal in der Minute. In dieser Zeit verharren sie völlig reglos im Dickicht, oder sie bewegen sich allenfalls im Zeitlupentempo vorwärts. Durch diesen stundenweisen Winterschlaf sparen Hirsche und Rehe viel Energie. Die Sache hat aber einen Haken: Solange die Tiere im Dämmerschlaf sind, sind sie ihren Raubfeinden wehrlos ausgesetzt. Dies hat der Wiener Biologe Walter Arnold vielfach beobachtet.

Die Forscher hatten Hirschen ein winziges Messgerät unter die Haut implantiert, das ihre Körpertemperatur, ihren Pulsschlag und ihre Herzfrequenz den ganzen Winter hindurch registrierte. Arnold vermutet, dass jedes Säugetier der gemäßigten Breiten das Talent zum Winterschlaf mitbringt – sogar der Mensch. „Es gibt Hinweise, dass wir das auch können oder zumindest einmal konnten, nämlich als Säuglinge! Wir wissen, dass kleine Kinder extreme Kälteschocks viel eher überleben als Erwachsene.“

Zu den Vorzügen des Winterschlafs gehört , dass er wie eine Verjüngungskur wirkt und die Lebenserwartung erhöht. So kann die Weißzahnspitzmaus, die viel Zeit im Dämmerschlaf verbringt, vier bis sechs Jahre alt werden. Die mit ihr eng verwandte Rotzahnspitzmaus hingegen, die rastlos aktiv ist, lebt nur zwei bis drei Jahre. Daraus lässt sich schließen, dass Menschen langsamer altern würden, wenn man sie in einen künstlichen Winterschlaf versetzen könnte.

Gerade ist Molekularbiologen der Universität von Texas ein Durchbruch gelungen. Die Forscher haben Mäusen hohe Dosen der Substanz 5-Adenosin-Monophosphat injiziert und die Tiere so in Winterschlaf gelegt. Die Forscher hoffen, dass diese Substanz bei übergewichtigen Menschen eingesetzt werden könnte, damit sie wie Bären oder Murmeltiere ihre Fettdepots im Schlaf verbrennen.

Quelle: RP

 
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