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Unambitioniert, glatt, steril
Amy Macdonald: A Curious Thing

Ihre erste Platte "This Is The Life" führte Amy Maconald ins Vorprogramm von Paul Weller. Chapeau! Weller bot sich daraufhin freundlichst samt Gitarre und Bass als Hilfskraft an. So entstand das Singer/Songwriter-Album "A Curious Thing" in dessen Studio 'Black Barn.' Von Mathias Denecke

Wie schon zahlreiche Texter vor ihr, referiert Amy Macdonald wild über Leben, Liebe und Vergangenheit - nur recht unambitioniert und einigermaßen innovationsarm. Die meist autobiografisch getränkten Texte entnimmt sie alten Notizbüchern mit festgehaltenen 'Ideen'. Vertont klingen diese abgegriffen und erregen allenfalls mit impliziten Verweisen auf Referenzbands Aufmerksamkeit.

Dramatisch klingt zumindest der Opener: "Don't Tell Me That It's Over" beginnt mit Stimmengewirr. Die Schottin schrammelt via Plectrum ihre Stahlseiten nieder, bevor der Sound in übermäßig halligem Refrain mit zäh streichenden Geigern überschwappt. Die musikalische Überladenheit und Überproduktion prägen den ganzen Langspieler entscheidend.

In "No Roots" hadert die Sängerin mit ihrem Startum: "Somewhere out there's a dream that's not forgotten / But this world is never stopping for me." Amy Macdonald reflektiert quarter-life-kriselnd mittels Mikro und Gitarre etwas wirr über ihre Eindrücke in der Musikwelt. Trotzdem die Rechnung erwartungsgemäß mager ausfällt, hält sie an der jetzigen Lebensform fest.

Auch ihr Ex wird zum Adressat, den Nullpunkt besingt die 22-Jährige dann in "This Pretty Face": "Don't care about hair, don't care about eyes / It's about what's inside." Der Text serviert dem Hörer auf dem Silbertablett die Schnittmenge ihres Zwists zwischen einem Studium der Sozialwissenschaften und dem Glamourleben.

Rettung erhofft man sich vorerst noch von Paul Weller. Kürzlich zu Recht vom NME als 'gottgleiches Genie' betitelt, gilt er eigentlich als Garant inspirierten Gitarrenspiels und Gesangs. Leider bleibt er hier mit zwei instrumentellen Backgroundbeiträgen sehr passiv.

Amy Macdonald selbst wirkt spätestens ab dem dritten Song irgendwie antriebslos, der Sound ist insgesamt zu glatt und zu steril. Ihre Stimme ist bei einer Akustikgitarre sicherlich besser aufgehoben als bei der hier aufgefahrenen Masse an Instrumenten.

(laut.de)
 
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