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Fahrbericht des "Last-Kraftwagen": Der Audi RS 4 Avant im Test

VON PETER ECK - zuletzt aktualisiert: 22.01.2013 - 09:13

Köln (RPO). Den RS 4 Avant meint man schon ewig zu kennen. Tatsächlich steht die dritte Generation aber erst seit letztem Herbst in den Audi-Showrooms. Wir baten den Über-Kombi zum Test und waren überrascht: Vom realen Verbrauch, vom Endpreis mit Extras aber auch von den Fahrleistungen und dem Fahrspaß.

Wer benötigt im automobilen Alltag heute noch acht Zylinder und 450 PS? Offensichtlich nicht sehr viele Menschen, aber wohl auch nicht ganz wenige. Denn die Sportabteilungen der Hersteller haben gut zu tun. Vor allem in Asien, Nordamerika und Osteuropa werden die AMGs und Ms aus Deutschland von den neuen Reichen gerne geordert. Oder eben ein RS-Modell, die seriensportliche Krönung der Audi-Baureihen.

Wir steigen also in einen RS 4 Avant. Da der Kombi sowieso als sportliches Lifestyle-Gerät gilt, hat Audi auf eine RS 4 Limousine gleich verzichtet. Wer mit dem Viertürer schnell unterwegs sein will, muss sich mit einem S4, sechs Zylindern und 333 PS begnügen. Bei BMW ist es übrigens genau umgekehrt. Beim 3er Touring ist schon bei 258 PS aus sechs Zylindern Schluss. Wer V8-Leistung will, muss derzeit zum Cabrio oder Coupe greifen und erhält 420 Pferde. Bei Mercedes wiederum hat man die Wahl: T-Modell (Kombi), Limousine und Coupe der C-Klasse gibt es als AMG-Version mit strammen 457 PS.

Vorbildliche Qualität

Aber zurück zum Audi. Der RS 4 Avant ist erst seit Herbst letzten Jahren erhältlich, über vier Jahre nach dem Marktstart des Kombis und sogar fünf Jahr nach Start der Limousine. Ob das der Grund ist, dass einem das Interieur schon ein wenig angestaubt vorkommt? Wobei die Qualität der Materialien und deren Verarbeitung immer noch vorbildlich sind. Aber im Vergleich etwa zum drei Jahre jüngeren Audi A6 merkt man in Sachen Modernität schon einen deutlichen Unterschied.

Aber der Achtzylinder ist eine Fahrmaschine. Und wer die 331 kW/450 PS des Kombis auch nur annähernd nutzen will sowie sich außerhalb von Ortschaften, Landstraßen und tempolimitierten Autobahnen bewegt – also auf den noch wenigen Bundesautobahnabschnitten ohne Tempobegrenzung – hat sowieso keinen Blick mehr für den Innenraum. Der 4,2-Liter-Benziner treibt das Mittelklasse-Fahrzeug derart nachdrücklich nach vorne, dass man gerade noch einen kurzen Blick auf den Tachometer hinbekommt.

Bei gemächlicherer Gangart geht es dagegen nicht um Vmax, sondern um Genuss. Wie lange – so fragt man sich unwillkürlich – wird einem angesichts von CO2-Grenzwerten und stetig auf die 2-Euro-Marke zuwandernden Spritpreisen (hier wird Super Plus verlangt) noch das Brabbeln eine Achtzylinders begegnen?

Motorenkonzept auf Drehzahl ausgelegt

Es gibt allerdings Situationen, in denen auch ein RS 4 Avant keinen Spaß macht. Die eine, Sie werden es erraten, findet an der Zapfsäule respektive an der Tankstellenkasse statt. Denn obwohl wir kaum Zeit und Verkehrsraum für längere schnelle Ausfahrten fanden, rechnete der Bordcomputer unseren Durchschnittsverbrauch doch auf über 15 Liter hoch. Wer sich für dieses Fahrzeug entscheidet, sollte sich im Übrigen klar darüber sein, dass das Motorenkonzept auf Drehzahl ausgelegt ist. Zwar steht fast immer sehr viel Drehmoment und Power zur Verfügung, das Drehmomentmaximum setzt aber erst bei 4.000 U/min ein, für Autofahrer die vorher starke Diesel gefahren sind oder Benziner mit Turbounterstützung, könnte das eine unwillkommene Überraschung sein. Der RS 4 Avant will Drehzahlen und das – so viel sei zugegeben – kann im Alltag schon mal nerven.

Im Vergleich zum normalen Avant ist der RS 4 durch Anbauteile 2 Zentimeter länger (4,72 Meter), 2,4 Zentimeter breiter (1,85 Meter), vor allem aber wurde die Karosserie um zwei Zentimeter tiefer gelegt, womit die obere Dachlinie bei 1,42 Meter endet. Das ist bei theoretischen Geschwindigkeiten von 250 km/h bzw. als Option auch bis 280 km/h nicht nur eine Notwendigkeit, sondern verleiht dem Fahrzeug auch jene dynamische Optik, die der Käufer für sein Geld als Unterscheidung zu den bürgerlichen Pendants auch erwartet.

Ab 76.600 Euro

Womit wir bei einem weiteren heiklen Thema wären, eben dem Geld. Mit 76.600 Euro steht dieser Last-Kraftwagen in der Liste. Trotz relativ guter Serienausstattung hat es Audi geschafft, unserem Testwagen weitere Extras im Wert von rund 17.000 Euro einzubauen. Die Liste der teuren Optionen reicht vom Perleffekt-Lack über ein recht kompromissloses Sportfahrwerk und digitalen Radioempfang bis hin zu eigentlich erwartbaren Selbstverständlichkeiten wie einem Schienensystem mit Fixierset für den Kofferraum, Seitenairbags hinten oder einer Komfortklimaautomatik. Und selbst die bei unseren Testwagen vorhandene Heraufsetzung der Höchstgeschwindigkeit von 250 auf 280 km/h lässt sich Audi mit 1.260 Euro bezahlen.

Für den Testwagenpreis von knapp 93.600 Euro bekommt man zum Beispiel auch schon einen (schlechter ausgestatteten) Porsche 911. Hätte ich das Geld und die Wahl, ich wäre mir meiner Entscheidung nicht ganz sicher.

Quelle: SP-X/sgo/anch/csi
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