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Infiniti M35h Hersteller 2011-0614 Panorama
  Foto: Hersteller

Der neue Infiniti M35h: Der Konkurrenz eine Hybrid-Länge voraus

VON BENJAMIN BESSINGER - zuletzt aktualisiert: 19.06.2011 - 19:52

Düsseldorf (RPO). Der japanische Autobauer Infiniti stattet seine gehobene M-Serie erstmals mit einem Hybridantrieb aus. Dafür spannt die Nissan-Schwester einen 3,5 Liter großen Benziner mit 225 kW/306 PS und einen Stromer mit 50 kW/68 PS zusammen. Die deutsche Konkurrenz hat nur das Nachsehen.

Während Mercedes bei der E-Klasse, BMW beim Fünfer und Audi beim A6 der Kundschaft nur die Wahl zwischen Benzinern und Dieseln lässt, gibt es bei Infiniti ab September den ersten Hybridantrieb der Nobelmarke - eine Kombination aus V6-Motor und E-Maschine.

Dafür spannen die Japaner einen 3,5 Liter großen Benziner mit 225 kW/306 PS und einen Stromer mit 50 kW/68 PS zusammen, der aus einem Lithium-Ionen-Akku im Kofferraum gespeist wird. Das ergibt eine Systemleistung von 364 PS und ein maximales Drehmoment, das sich auf weit über 500 Nm summiert.

In 5,5 Sekunden auf Tempo 100

Kein Wunder also, dass es einen tief in die weichen Ledersessel presst, wenn man kräftig aufs Gas tritt. Dann arbeiten beide Motoren zusammen und katapultieren den M35h in 5,5 Sekunden auf Tempo 100. Damit ist er nicht nur bis zu 1,4 Sekunden schneller als seine konventionell angetriebenen Baureihen-Brüder, sondern auch der schnellste Hybrid am Markt.

Selbst der gerade vorgestellte Porsche Panamera S Hybrid braucht eine halbe Sekunde länger. Nur bei Vollgas muss er sich dem sauberen Sportwagen geschlagen geben: der Infiniti ist politisch korrekt bei 250 km/h abgeregelt.

Viel Wert auf Fahrspaß

Trotzdem haben die Japaner viel Wert auf den Fahrspaß gelegt und deshalb großen Aufwand getrieben: Damit zum Beispiel die Lenkung jederzeit funktioniert und trotzdem eine präzise Rückmeldung garantiert ist, fährt der M35h weder mit einer elektrischen noch mit einer hydraulischen Lenkung. Eine elektrische Pumpe erzeugt den Druck für die Hydraulik und lässt beim Parforce-Ritt über eine kurvige Landstraße manch teigige Elektrolenkung vergessen.

Doch der M35h ist nicht nur der schnellste Infiniti im Modellprogramm. Er ist natürlich auch der sauberste: Weil der E-Antrieb durch seinen Hilfseinsatz die Verbrauchsspitzen des Benziners kappt und den Wagen bei moderater Fahrweise bis zu zwei Kilometer alleine antreiben kann, drückt er den Verbrauch gegenüber dem V6-Modell um runde 30 Prozent: Nur noch 7,0 Liter und 162 g/km stehen deshalb im Datenblatt.

Feinfühliger Gasfuß für E-Antrieb

Allerdings braucht man schon einen sehr feinfühligen Gasfuß, wenn man den Wagen elektrisch bewegen will. Zwar gibt es wie für den Benziner eigens einen Eco-Modus, der Bleifüße erziehen soll. Und eine Infografik zwischen Tacho und Drehzahlmesser zeigt, wie stark man beschleunigen kann, ohne den Benziner zu wecken.

Doch so richtig lange stromern kann man mit dem Luxusliner nicht. Wer beim Ampelstart keinen Stau provozieren und beim Fahren halbwegs Spaß haben will, der kommt deshalb nur wenige Meter ohne den Benziner voran. Auf der Autobahn klappt das Zusammenspiel viel besser als im Stadtverkehr: Dort reicht es schon, den Fuß vom Gas zu nehmen, damit sich der Verbrenner abmeldet und der Luxusliner zum großen Gleiter wird, der im Schubbetrieb voran segelt.

Manko ist kleiner Kofferraum

Dass man in einem Hybrid-Modell fährt, merkt man sonst kaum. Klar, es gibt ein paar zusätzliche Schaubilder im Bordcomputer, die Anzeigen zwischen Tacho und Drehzahlmesser wurden neu programmiert, und als Sonderfarbe gibt es ein Weiß, dass so rein sein soll wie das Auto. Doch das einzige echte Erkennungsmerkmal zeigt sich bei einem Blick in den Kofferraum, der durch den Akku ein wenig Platz einbüßt. Statt 500 Liter wie beim Benziner und 450 wie beim Diesel stehen nun nur noch 350 Liter zur Verfügung.

Für Infiniti ist der Hybrid nicht nur ein politisches Signal, sondern ein wichtiges Verkaufsargument. Nicht umsonst wollen die Japaner damit auf einen Anteil von fast 40 Prozent kommen. Damit das gelingen kann, haben sie ihn attraktiv eingepreist: Während man etwa beim Panamera einen Hybridaufschlag von 8000 Euro auf den in der Leistung vergleichbaren Acht- und sogar 22.000 Euro auf den Sechszylinder bezahlen muss, sind die Japaner sehr zurückhaltend: Mit einem Grundpreis von 56.600 Euro kostet der Hybrid nur 1500 Euro mehr als der Diesel und 3100 Euro mehr als der V6-Benziner.

Zwar geht Infiniti mit dem M35h tatsächlich in Vorlage und muss sich fürs erste nur mit dem arg angestaubten Lexus GS reiben. Doch lange werden die Japanern den Vorsprung nicht halten können. Schon im nächsten Jahr soll es auch A6, Fünfer und E-Klasse als Teilzeitstromer geben.

Quelle: SP-X

 
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