VW Passat Variant 2.0 TDI im Test: Eine nahezu perfekte Automobil-Ikone
VON PETER ECK - zuletzt aktualisiert: 19.02.2011 - 13:13Düsseldorf (RPO). Volkswagen hat seine Brot-und-Butter-Fahrzeuge Golf und Passat zu einer fast beängstigenden Perfektion entwickelt. Überraschungen scheinen ausgeschlossen. Das macht Alltagstests in etwa so spannend wie eine Shopping-Tour durch die Wolfsburger Innenstadt. Trotzdem ließen wir uns für 14 Tage auf einen Passat Variant ein.
Wenn man mit einem Testwagen gleich am ersten Tag der Bekanntschaft 700 Kilometer fährt, ist dies in etwa so, als würde man mit seiner nagelneuen Freundin zwei Wochen Urlaub buchen. Man lernt sich sehr schnell wirklich kennen.
In unserem Fall waren es aber gleich die guten Seiten des Passat, mit denen wir konfrontiert wurden: das ausgewogene Fahrwerk, die langstreckentauglichen Sitze, die exakte Lenkung, der ergonomische Innenraum und der kräftige, nicht übermäßig durstige Diesel. Der 2,0-Liter-TDI arbeitet zwar nicht leise, leistet sich aber dafür keine Schwächen und blieb auch auf der Autobahn immer unter acht Litern.
Nicht neu und nicht interessant
Das ist alles nicht neu und daher nicht so interessant. Spannender sind da die optischen Veränderungen, die die VW-Designabteilung ihrem Bestseller im vergangenen Jahr zukommen ließ. Dabei wurden dem Passat auch die letzten Schnörkel ausgetrieben. Die Wolfsburger Mittelklasse wirkt innen und außen wie ein Fahrzeug, das sich seiner Verantwortung als deutsche Ikone sehr bewusst ist.
Da gibt es kein augenzwinkerndes Detail mehr, alles gehorcht einer strengen Linienführung, alles wirkt kühl und ein wenig unnahbar. Als würde der VW zu einem sagen: Du kannst mich benutzen, aber niemals besitzen. Eine Freundschaft, die eher von rationalen Erwägungen getragen wird als von emotionalem Feuer.
Vor allzu inniger Beziehung sind allein schon die Preise vor. Die sind ernüchternd. Mit unserer Motorisierung (125 kW/170 PS) kostet der Passat Kombi mindestens 34.825 Euro, in der besser ausgestatteten Highline-Version 37.275 Euro. Mit wesentlichen und empfehlenswerten Extras wie Xenon-Licht, Metallic-Lack, Navigation oder Seitenairbags für die hinteren Sitze lässt man die 40.000-Euro-Grenze ganz schnell und sehr deutlich hinter sich.
Über 40.000 Euro für einen Allerweltskombi - ja spinnen die denn in Wolfsburg? Natürlich nicht. Denn, wie es der einstige VW-Chef Bernd Pischetsrieder mal ausdrückte: Alle Preise sind Marktpreise. Und der Markt, also wir Kunden, zahlen ja. Auch wenn der Passat gerade als Variant seinen Fahrern natürlich besonders häufig als Dienstwagen zur Verfügung gestellt wird.
Im Unterhalt günstig
Und das wiederum hat seinen Grund. Denn abgesehen von der hohen Grundinvestition ist das Auto im Unterhalt recht günstig. Die Verarbeitungsqualität wirkt hochwertig und in seiner Eigenschaft als Kombi kann er mit bis zu 1730 Litern Laderaumvolumen ebenfalls überzeugen.
Er ist halt ein Auto der Vernunft, insofern so typisch deutsch wie ein Eisbein mit Sauerkraut oder die Nationalmannschaft. Mit der hat der Passat zudem gemein, dass er von Generation zu Generation und von Überarbeitung zu Überarbeitung immer besser wird. Also doch ein perfektes Auto?
Jammern wir mal auf hohem Niveau: Der Passat ist teuer, zumal in der Kombi-Version Variant. Außerdem ist sein Design derart kalt und zurückhaltend, dass es die Grenze zur Langeweile ganz hart streift. Dass man den Wolfsburger auf unseren Straßen zudem alle naselang antrifft, ist zwar nicht seine Schuld, macht ihn aber auch nicht spannender. Das Fahrzeug ist eben kein Gesicht in der Menge, es ist die Menge. Ach ja: Und objektiv ist der Passat zwar kein perfektes, aber ein sehr gutes Auto.
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