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Neuer Renault Twizy im Test: Kleines Elektroauto mit großem Flirtfaktor

VON LEONORE ESSER - zuletzt aktualisiert: 17.07.2012 - 13:22

Düsseldorf (RP). Renault hat mit dem kleinen Zweisitzer Twizy ein Elektro-Auto für die Stadt entwickelt. Wir haben den fensterlosen Pkw getestet - und damit für viel Aufsehen gesorgt.

Die äußeren Bedingungen bei der ersten Testfahrt sind nicht gerade ideal: Es regnet Bindfäden und das Thermometer zeigt 14 Grad. Für ein normales Auto mit Fenstern in den Türen und einer Lüftung wäre das kein Problem. Aber der kleine Twizy von Renault ist eben alles andere als normal.

Das kleine zweisitzige Elektro-Auto hat weder Fenster noch eine Heizung. Stattdessen aber spektakuläre Flügeltüren, die sich nicht wie beim Mercedes SLS zur Seite aufklappen, sondern sich raumsparend eng an der Karosse nach oben schwingen lassen. Vor dem Regen schützen zwar auch die nicht, sie haben dennoch einen Vorteil: Nachbars Autotür bleibt unversehrt.

Vor dem Einsteigen macht sich auf dem ungepolsterten Hartschalensitz eine kleine Regenpfütze breit, deshalb gehören Wisch- und Kopftuch, das die Frisur in Form hält, zur Grundausstattung eines Twizy-Fahrers. Warum Renault auf die Fenster verzichtet? Für eine Zulassung brauchen geschlossene Autos eine Lüftung. Bei nur 2,33 Metern Länge und 1,22 Metern Breite gab?s im Twizy dafür schlichtweg keinen Platz.

Es kann losgehen: Mit dem Schlüssel im Zündschloss startet der Motor und gibt keinen Ton von sich. Läuft er schon oder noch nicht? Ein Blick auf die Anzeige im Cockpit verrät: Der Twizy ist fahrbereit. Bei vollgeladenem Lithium-Ionen-Akku hat der Elektroflitzer eine Reichweite von 80 Kilometern - bei moderater Fahrweise.

Für die 14 Kilometer lange Strecke von Ratingen bis zum Parkplatz der Rheinischen Post reicht das. Ich gebe Gas und höre nichts - lautlos wie eine Raumkapsel bewegt sich das Auto vorwärts. Ein Blick aufs Display zeigt: Ich bin mit 50 Stundenkilometern unterwegs, für Geräusche sorgen nur der Fahrtwind und das Abrollen der Reifen.

Zieht die Karosserie die Blicke auf sich, so ist die Innenraumgestaltung eher robust und auf das Notwendigste reduziert: Es gibt kein Radio, und der Kofferraum hat die Größe eines Hartschalenkoffers. Auch das Platzangebot für den Beifahrer, der hinten sitzt, bleibt ziemlich dürftig.

Der kleine Flitzer kommt relativ schnell auf Touren und erreicht in 6,1 Sekunden 45 km/h - bei 80 ist dann Schluss. Und das ist auch gut so. Denn der fast ungefederte Twizy hoppelt von Bodenwelle zu Bodenwelle - nichts für Menschen mit Bandscheibenproblemen und auch nichts für die Fahrt über die Autobahn, obwohl das E-Mobil dafür zugelassen ist. Doch wenn die großen Lkw zum Überholvorgang ansetzten, kann einem in der nahezu ungeschützten Fahrzelle mulmig werden.

Seine Stärken spielt der Twizy eindeutig in der Stadt aus. Dank kleinem Wendekreis von 6,80 Metern und einer sehr übersichtlichen Größe passt er nicht nur in die kleinste Parklücke, sondern ist auch in engen Straßen extrem wendig und kann auf mehrspurigen Straßen mit den großen Spritschluckern mithalten. Das sorgt für Freude - nicht nur beim Fahrer. Der Twizy ist ein Flirtmeister. Wo immer wir auftauchen, ernten wir ein Lächeln und staunende Gesichter.

Beim Stopp an der roten Ampel fährt ein Audi-Fahrer die Seitenscheibe hinunter: "Cool! Wie schnell fährt der Kleine?" Beim nächsten Parkstopp versammelt sich gleich ein Männertrio um das ungewöhnliche Gefährt. "Ist das ein E-Mobil?" "Ja." "Wie lange dauert das Aufladen?" "3,5 Stunden." "Was kostet solch ein Auto?" "Je nach Modell ab 6990 Euro - plus monatliche Akku-Miete, die je nach Vertrags-Laufzeit zwischen 50 und 60 Euro liegt. Dazu kommen die Stromkosten." "Was macht man im Winter?" "Am besten dick anziehen."

Aber ernsthaft: Ein City-Stromer ohne Fenster dürfte für unsere Breitengrade nur schwer verkäuflich sein. Der passt schon eher auf die Balearen. "Was macht man, wenn man auf freier Strecke liegenbleibt?" Der E-Mobil-Fahrer muss seine Routen gut planen und wissen, wo man das Auto es zwischendurch wieder aufladen kann. Gestrandete Twizy-Piloten schleppt die Werksunterstützung "Z.E. Assistance" für Renault-Elektroautos im Notfall zur nächsten Ladestation.

Der Verbrauch richtet sich wie bei Autos mit Verbrennungsmotoren nach dem Energieaufwand: Gibt man auf Landstraßen Gas, dann bauen sich die Balken auf der Batterie-Ladeanzeige in einem ähnlich rasanten Tempo ab. Doch bei Fahrten durch die Stadt sammelt das E-Mobil neue Kraft. Beim Rollen und Bremsen lädt sich der Elektromotor immer wieder auf.

Fazit: Der Test mit dem Twizy hat Spaß gemacht - dennoch ist das Auto ohne Fenster und Heizung nicht wirklich alltagstauglich. Große Einkäufe lassen sich damit mangels Platzangebot auch nicht erledigen. Doch der entscheidende Punkt ist die fehlende Infrastruktur. Ein Elektro-Auto können bisher nur diejenigen fahren, die eine Garage mit Stromanschluss besitzen. Stadtbewohner, für die das Auto ideal ist, sind auf Ladesäulen angewiesen. Nur, wo stehen die?

Quelle: RP/nbe/das/sap
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