Genfer Autosalon: Das sind die Auto-Trends in Genf
zuletzt aktualisiert: 02.03.2011 - 09:42Genf (RPO). Am Donnerstag startet der Genfer Autosalon, die drittgrößte Automobil-Messe weltweit. Die große Krise der Hersteller ist gerade mal zwei Jahre her, doch die Branche hat längst wieder auf Vollgas geschaltet. Dies ist zumindest der erste und bleibende Eindruck nach einem Rundgang durch die Hallen am Genfer See.
Wobei „Vollgas“ angesichts der Vielzahl präsentierter sogenannter „grüner“ Fahrzeuge fast schon wie ein zum Aussterben verurteilter Begriff anmutet. Kaum ein Hersteller, der nicht ein irgendwie geartetes Fahrzeug mit alternativem Antrieb präsentiert. Das kann ein Hybrid-Fahrzeug wie der Porsche Panamera S Hybrid sein, aber auch ein reines Elektrofahrzeug, dessen Reichweite immer häufiger durch einen Range-Extender-Verbrennungsmotor erweitert wird.
Einer Marke wie Toyota, die in Genf die fast schon serienreife Version des Yaris Hybrid präsentiert, glaubt man die Kompetenz dabei deutlich eher, als etwa der chinesischen Marke BYD, die gleich drei Elektrofahrzeuge präsentiert, deren angegebenen Leistungswerte aber natürlich nicht nachgeprüft werden können. Was auch noch auffällt: Auch Sportwagen erhalten als Studie immer häufiger einen E-Motor als Antrieb und bringen es damit zumindest theoretisch auf angemessene Fahrleistungen.
VWs spannende Bulli-Studie
Allerdings gibt es am Lac Léman auch jede Menge spannender oder zumindest neuer Modelle zu sehen, die noch ganz konventionell mit Benzin oder Diesel angetrieben werden. Vor allem die deutschen Hersteller fahren vorneweg. Ob Mercedes-Benz mit dem neuen SLK und der überarbeiteten C-Klasse, Volkswagen mit dem neuen Golf Cabrio und der spannenden Bulli-Studie oder Opel mit der Konzeptversion des kommenden Zafira - im französischsprachigen Genf wird in diesen Tagen zumindest automobil Deutsch gesprochen.
Die traditionell auf dem Ausstellungsgelände Palexpo stark vertretenen französischen und italienischen Marken sind in diesem Jahr ein wenig zurückhaltender. Peugeot hat den neuen 508 dabei und seinen Kompakten 308 überarbeitet, Citroen zeigt mit dem DS4 das optisch spannendere, sportlicher wirkende Pendant zum C4 - und baut die DS-Reihe so nach und nach zu einer kleinen Familie aus.
Renault zeigt Captur
Renault hat in diesem Jahr den interessantesten Stand unter den französischen Marken. So gibt die Studie Captur als Mischung aus Coupé, Roadster und SUV ebenso wie der R-Space einen Ausblick auf die künftige Design-Strategie, und das Elektrofahrzeug Zoe wird sogar schon im Sommer auf den Markt kommen.
An den Ständen des Fiat-Konzerns ragt ganz klar das Concept-Car Alfa Romeo 4C heraus, ein wunderschönes Sportcoupé, das optisch und in Sachen Leichtbau Anleihen beim 8C Competizione nimmt.
Toyota zeigt Yaris Hybrid
Lancia hat den neuen Ypsilon dabei sowie den Thema, der allerdings nur ein Chrysler 300 mit anderem Gesicht ist. Noch als Studie, aber sehr seriennah sind die beiden Fahrzeuge Flavia Concept und Flavia Concept Cabrio. Auch der neue Fiat Freemont ist ein verkappter Amerikaner, in den Staaten wird er als Dodge Journey verkauft.
Von den japanischen Marken hat diesmal Toyota das interessanteste Programm zu bieten. Auf dem Stand des weltgrößten Automobilherstellers findet sich die Hybrid-Version des kommenden Yaris. Zwar feiert der Kleinwagen erst auf der IAA Weltpremiere, doch das in Genf gezeigte Modell lässt sich zumindest als sehr seriennah bezeichnen.
FT-86 II weckt Emotionen
Ebenfalls einen Hybridantrieb besitzt der Prius+. Technisch handelt es sich um den aus Prius und Auris Hybrid bekannten Antrieb, hier jedoch in einer Van-Version mit einem um 50 Prozent auf 700 Liter vergrößerten Kofferraum.
Endlich zeigt Toyota neben seinen vielen Vernunftautos aber auch wieder Emotionen: Der FT-86 II ist zwar noch offiziell eine Konzeptstudie, soll aber ebenfalls schon sehr nahe am späteren Serienmodell sein. Ob das Fahrzeug dann wie sein Vorgänger Celica heißen wird, wollen die Japaner noch nicht verraten.
Auch bei Honda heißt das Zauberwort Hybrid, der Jazz erhält nach seiner allgemeinen Überarbeitung zusätzlich einen solchen Antrieb. Bei Nissan und Mazda ziehen dagegen eher Studien die Blicke auf sich: Im Sportwagen Esflow hat Nissan die Serien-Elektrotechnik des Leaf mit einem aufregenden Design verbunden, dagegen gibt der Mazda Minagi einen Ausblick auf ein künftiges Crossover-SUV und auf die kommende neue Formensprache der Marke.
Koreaner setzen auf Wachstum
Weiter auf Wachstum setzen auch die Koreaner, allen voran der Hyundai-Konzern. Dessen Marke Kia wartet in Genf gleich mit drei Neuheiten auf. Der im Mai auf den Markt kommende Kleinstwagen Picanto wird dynamischer und sparsamer, der neue Kleinwagen Rio folgt später, aber noch in diesem Jahr.
Hyundai hat neben dem dreitürigen Sportcoupé Veloster den i40 mitgebracht, die neue Mittelklasse-Baureihe der Koreaner, die den in Europa nicht sehr glücklichen Sonata ablöst.
Zum einen zeugen die vielen chromblitzenden und „grünen“ Neuheiten vom frisch erwachten Selbstbewusstsein und von hochfliegenden Plänen vieler Marken. Zum anderen hat der Kampf um die Zukunft, um Technologien, Ressourcen und Marktanteile schon längst begonnen. Das ist die andere Seite der großen Branchenparty in der Schweiz: Und die ist mindestens genauso interessant wie das Premierenfeuerwerk an den Ständen.
Die Neuvorstellungen der Automobilbauer sehen Sie bereits hier.
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