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Jaguar Klassiker Genfer Autosalon Hersteller Panorama 2011-0307
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Meilensteine des Genfer Autosalons: Die großen Jaguar-Jahre nach dem Krieg

VON MANFRED JERZEMBEK - zuletzt aktualisiert: 08.03.2011 - 09:30

Düsseldorf (RPO). Nicht wenige der klangvollen Marken der Automobilgeschichte sind das Werk charismatischer Pioniere, Männern mit Durchsetzungsfähigkeit. Enzo Ferrari gehört zu ihnen, Ferruccio Lamborghini, Ferdinand Porsche, aber auch die treibende Kraft hinter Jaguar: Sir William Lyons. Auf dem Genfer Autosalon wurde 1961 erstmals der E-Type präsentiert.

Geboren am 4. September 1901 in Blackpool, jährt sich der Ehrentag des Jaguar-Gründers in diesem Jahr zum 110. Mal. Bereits am 15. März begeht Jaguar das 50-jährige Jubiläum des wohl bedeutendsten Modells der Firmengeschichte: an jenem Frühjahrstag des Jahres 1961 wurde in Genf beim dortigen Automobilsalon erstmals der E-Type präsentiert.

Was der 300 SL-Flügeltürer in der ersten Hälfte der 50er Jahre schaffte, wiederholte der E-Type sieben Jahre später: er symbolisierte den formvollendeten Luxussportwagen schlechthin. Mit seinem vom Aerodynamik-Spezialisten Malcolm Sayer inspirierten makellosen Design und der überlangen Motorhaube als Blickfang etablierte der „E“ ein automobiles Schönheitsideal.

Aus Standard Swallow wird Jaguar

Doch die glanzvolle Nachkriegshistorie der Marke beginnt früher: Hatte Lyons in den dreißiger Jahren mit dem sportlichen Modell SS 100 erste bedeutende Erfolge, kam das Unternehmen nach dem Zweiten Weltkrieg richtig in Schwung, als er seine Marke SS (aus Standard Swallow hervorgegangen) im März 1945 in Jaguar umbenannte - um 1948 mit der Vorstellung des schwungvoll-ästhetischen XK 120 ein erstes Ausrufezeichen britischer Autobaukunst zu setzen.

Tatsächlich war dieser XK 120 am 27. Oktober 1948 das große Gesprächsthema bei der London Motor Show in Earls Court. Der vertikal-schmale und von den Scheinwerfern markant eingerahmte Kühlergrill sowie die nicht enden wollenden Kotflügel mit ihrem wellenförmigen Schwung über der Hinterachse verliehen der Seitenansicht des neuen britischen Reihensechszylinder-Sportwagens die gewünschte Dynamik.

Mit 200 km/h über Belgiens Straßen

Die Modellbezeichnung 120 wurde wegen der angestrebten Höchstgeschwindigkeit von 120 Meilen (über 190 km/h) gewählt - im Mai 1949 schaffte ein XK 120 auf einer belgischen Autobahn es sogar, die 200 km/h-Marke zu knacken. Wie später beim E-Type war dieses Basis-Design des XK 120 so perfekt, dass es in den Modellen XK 140 und XK 150 nur noch sanft verfeinert werden musste und kaum „alterte“.

Der moderne Reihensechszylinder mit Leichtmetall-Zylinderkopf und zwei obenliegenden Nockenwellen, ab 1948 als „XK-Motor“ bekannt, trug ebenfalls wesentlich zum sportlichen Ruf der Marke bei. Zwischen 1949 und 1961 wurden insgesamt 30.500 XK-Modelle gebaut. Erst der vom Le Mans-Sieger D-Type (charakteristisch mit der hohen Single-Heckflosse von 1956/1957) in Grundzügen abgeleitete E-Type beendete die Karriere dieser drei XK-Baureihen.

Britische Eigenart

Dieser E-Type, 1961 in Genf als Coupé vorgestellt, wurde mit seinem 3,8 Liter-Reihensechszylinder (265 PS, 240 km/h Höchstgeschwindigkeit) bis August 1964 produziert, ebenso der Roadster. Beide Varianten dieser besonders puristischen Series 1-Epoche überzeugten stilistisch durch die aerodynamisch unter einer chromumrandeten Plexiglasabdeckung integrierten Frontscheinwerfer, während die zunächst verwendeten drei Scheibenwischer eher als britische Eigenart durchgingen.

Drittes herausragendes Design-Beispiel der prägenden Jaguar-Jahre ist die XJ 6-Limousine von 1968. Mit diesem Entwurf bestätigte der bis 1972 die Unternehmensgeschicke direkt bestimmende Sir William Lyons den Ruf von Jaguar, Limousinen sportlicher Machart zu lancieren.

Ungeahnte Brillanz im Jahre 1968

Was bereits bei der Mk. 2-Limousine von 1959 gelang, und in der Formensprache über die Mk. X und 420 G der größeren Baureihen fortgesetzt wurde, kam beim XJ6 des Series 1-Entwurfs von 1968 in ungeahnter Brillanz zur Geltung: die Proportionen und Details, die dem viertürigen Jaguar erneut ein Alleinstellungsmerkmal im internationalen Automobilbau sicherten. Wie bei XK und E-Type besaß auch der XJ Design-Gene für eine lange Modellgeschichte, die mit vielen Entwicklungsschritten und Neuinterpretationen erst vor zwei Jahren mit dem von Ian Callum stilistisch verantworteten neuen XJ endete.

Am 26. September 1968 wurde der XJ6 im Royal Lancaster Hotel in London vorgestellt, ehe er tags darauf beim Pariser Automobilsalon vor großem Publikum debütierte. In der populären 4,2 Liter-Version leistete die gestreckt wirkende Limousine 186 PS, dieser Series 1 wurde bis September 1973 gebaut. Im März 1972 dann die Zäsur: Sir William Lyons verabschiedete sich in den Ruhestand, und mit ihm endet die Ära des inhabergeführten Unternehmens.

Epochaler Entwurf

Zunächst der E-Type und später die XJ Limousine kamen mit V12-Motorisierung, es gab sogar ein Coupé. Im Rückblick bleibt der Series 1-XJ der Meilenstein der Limousinen-Historie nicht nur bei Jaguar, sondern der im Automobilbau so spannenden sechziger Jahre insgesamt.

Mit den damals entwickelten Konzepten ließ sich die wirtschaftlich wechselvolle Entwicklung der siebziger und achtziger Jahre durchstehen. Auf den E-Type folgte erst 1975 mit dem XJ-S ein großes Coupé mit diskussionswürdigem Design. Was einmal mehr die Erfahrung bestätigte: auf epochale Entwürfe folgen nicht selten eine kreative Atempause.

Quelle: SP-X

 
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