Genfer Autosalon öffnet seine Pforten: Polo oder Tata - wer wird der Star?
VON MANFRED KÜHNAPPEL - zuletzt aktualisiert: 02.03.2009 - 07:49Düsseldorf (RPO). Klein ist fein: Da ganz Deutschland die Abwrackprämie feiert, muss der in dieser Woche beginnende Genfer Autosalon notwendigerweise zu Festspielen der Kleinwagen werden. Die wohl wichtigste Premiere steuert VW bei: Die Wolfsburger zeigen die neue Generation des Polo. Fürchten muss er den Auftritt des indischen Billigautos Tata Nano.
Der als Drei- und Fünftürer geplante Kleinwagen Volkswagen Polo soll sportlicher als sein Vorgänger werden und Insassen mehr Platz bieten. Bei den Motoren werden unter anderem Spar-Diesel mit Start-Stopp-Technik erwartet, die den Verbrauch auf 3,5 Liter drücken (CO2-Ausstoß: 89 g/km).
Designentwürfe, die bislang ans Tageslicht drangen, zeigen den Polo als kleinen, diesmal kantigeren Bruder des Golf VI. Experten schätzen, dass sich der Preis in etwa bei 12.000 Euro auf dem Niveau des Vorgängers bewegen dürfte.
Kleinwagen also. Der Deutschen neues Lieblingsfahrzeug. Die Abwrackprämie sorgt dafür, dass all die neuen Aston Martin, Bentley, Rolls-Royce, Ferrari oder Maserati in der Phantasie der Autofahrer weiter weg sind, als je zuvor. Selbst Mercedes kommt mit seinem neuen Coupé der E-Klasse zu einem ungünstigen Zeitpunkt, ebenso wie BMW mit dem 5er GranTurismo oder die PS-starken Audis.
Schnelligkeit gefragt
Nachdem die Bundesregierung eine Aufstockung der Mittel für die Abwrackprämie am Freitag unmissverständlich abgelehnt hat, sinken die Chancen, einen der in Genf vorgestellten neuen Kleinen käuflich zu erwerben. Denn zwischen Premiere und Markteinführung liegen Wochen, wenn nicht gar Monate.
Anders ist es, wenn das Wunschmodell zügig in den Handel rollt. Beim VW Polo soll das so sein. Zeitnah nach der Frühlingsmesse will Volkswagen den Hoffnungsträger ins Rennen schicken. Besser ist das. Denn auch bei VW schob die Belegschaft zuletzt Kurzarbeit. Ein Abwrackschub wie bei Opel mit den vielen Kleinen wie Meriva, Agila oder Corsa oder dem neuen Insignia kann den Wolfsburgern nicht schaden.
Was kann das billigste Auto?
Ein Konkurrent könnte dem Polo die Schau stehlen: "Wir haben vor, auf dem Genfer Autosalon eine europäische Version des Tata Nano zu präsentieren, die alle europäischen Abgas- und Sicherheitsstandards erfüllt", kündigte der indische Konzernmogul Ratan Tata in der vorigen Woche selbstbewusst an.
Der Verkaufspreis der europäischen Version des billigsten Autos der Welt soll bei rund 5000 Euro liegen. Im April soll das billigste Auto der Welt in Indien starten, dort für umrechnet 1700 Euro. Experten werden garantiert peinlich genau beäugen, was da aus Indien auf uns zurollt. Optisch ähnelt der Tata dem Smart oder dem Fiat 500.
Aropos Fiat 500: Die kleine Kugel, die bereits Lifestyle-Status erreicht hat, streift am Genfer See ihre Hüllen ab. Anders als herkömmliche Cabrios versuchen es die Italiener beim Retroflitzer mit einem Rolldach wie beim Original aus dem Jahr 1957. Was der Spaß kostet, steht noch nicht fest. Schätzungen reichen von 12.000 bis 13.500 Euro.
Wer alles auf winzig macht
Wer macht noch auf winzig? Kia bringt einen Micro-Van im Format des Renault Modus oder Nissan Note mit. Suzuki stellt die Neuauflage seines Alto erstmals einem breiten Publikum vor. Skoda präsentiert die Serienversion des Yeti. Mit seinem neuen Kleinwagen Spark von Konzerntochter Chevrolet will der arg gebeutelte US-Riese General Motors Sympathiepunkte sammeln – sofern das in Europa noch möglich ist. Der Smart erscheint in einer von Carlsson getunten Version. Und Renault hat seinen Clio schon wieder überarbeitet.
Ein weiterer Schwerpunkt der Schau wird auf alternativen Antrieben liegen. Auf Elektroautos wie dem Opel Ampera oder dem iChange des Schweizer Tüftlers Rinspeed, aber auch auf Hybridmodellen wie dem neuen Toyota Prius oder dem Hybrid-Preisbrecher Honda Insight. Die 19.550 Euro für die Basisversion belegen, dass der Preiskampf auch bei den Öko-Autos längst begonnen hat.
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