Wie der Funke auf der IAA überspringt: Deutsche Visionen vom Elektroauto
VON BRIGITTE SCHOLTES - zuletzt aktualisiert: 17.09.2009 - 09:09Frankfurt (RP). Die Entwicklungsvorstände von sieben großen deutschen Autobauern präsentierten in Frankfurt gemeinsam ihre Vision für den Abschied vom Sprit. Aber bis zum günstigen Massenprodukt sind noch viele Jahre zu warten.
Die deutsche Autoindustrie will auf der 63. IAA ihre Innovationskraft unter Beweis stellen. Deshalb traten gestern erstmals die Entwicklungsvorstände der sieben deutschen Autohersteller – inklusive Ford und Opel – vor die Medien. "Wenn wir es ernst nehmen und uns unterhaken, dann haben wir die Chance, den Leitmarkt für Elektromobilität in Deutschland zu etablieren", sagte Daimler-Vorstand Thomas Weber, "wenn wir das nicht tun, fahren wir womöglich künftig nach Asien und müssen dort unsere Produkte an den Start rollen."
Elektromobilität treibt die Hersteller auf der IAA um, jedes Unternehmen präsentiert dazu ein Konzept, stellt Autos vor – die jedoch noch lange nicht marktreif sind. Diesen Vorwurf machte gestern auch die Deutsche Umwelthilfe (DUH) wieder der Branche: "Elektroautos sind ein Forschungsthema, aber wir werden noch viele Jahre brauchen, bis die Batterien bezahlbar sind und große Reichweite haben", sagte DUH-Bundesgeschäftsführer Jürgen Resch.
Die Verbraucher jedenfalls wären an sparsamen und klimafreundlichen Autos interessiert, haben auch der Bundesverband der Verbraucherzentralen und der Verkehrsclub Deutschland in einer Umfrage herausgefunden. 40 Prozent der Befragten würden sich demnach ein Auto mit geringerem Verbrauch kaufen, knapp 60 Prozent jedoch die derzeit angebotenen Sparautos für zu teuer halten.
Dass der Preis vor allem für Elektroautos noch zu hoch ist, gibt auch die Autoindustrie zu. Doch sie versucht den Eindruck zu erwecken, dass sie mit großen Schritten vorankommt – etwa beim Stecker, über den man die Batterien in den Elektrofahrzeugen aufladen kann. So haben sich die deutschen Hersteller auf einen gemeinsamen Standard geeinigt, sagt Thomas Weber von Daimler, gute Chancen bestünden, dass man dieses Konzept auch in Europa durchsetzen könnte und auch weltweit.
Gemeinsam will man auch bei der Entwicklung der Batterien vorgehen: Jedes Unternehmen will zwar individuell forschen, am Ende aber soll auch hier ein gemeinsamer Standard stehen. Bis dahin aber ist noch ein weiter Weg: Zum einen sind die Lithium-Ionen-Batterien noch sehr teuer, sie sind schwer, deshalb müssen die Produzenten an anderer Stelle Gewicht einsparen – durch Leichtbauweise –, und die Reichweite ist noch zu gering.
Und nicht zuletzt gilt es auch, eine entsprechende Infrastruktur für die Aufladung zu schaffen. Zudem sei es nicht einfach, da mit den verschiedenen Energieanbietern in Deutschland zu einer Lösung zu kommen, sagte Opel-Chef Hans Demant. Von den Energieanbietern hänge es natürlich auch ab, wie umweltfreundlich Elektroautos sein könnten, sagt Michael Dick, Vorstand Technische Entwicklung von Audi. Denn dazu müsse der Anteil an regenerativen Energien in deren Angebot entsprechend hoch sein.
Die Autohersteller setzen jedoch nicht nur auf Elektromobilität zur Umweltschonung: Anderes wichtiges Thema auf der IAA ist die Weiterentwicklung der Brennstoffzelle.
- RP ONLINE
- Kontakt
- AGB
- DATENSCHUTZ
- Impressum







