VW zeigt neuen Rekordhalter: Die Zukunft des Ein-Liter-Autos
VON MANFRED KÜHNAPPEL - zuletzt aktualisiert: 15.09.2009 - 13:28Frankfurt (RPO). Im Jahr 2002 fuhr Ferdinand Piech mit einem Ein-Liter-Auto zur VW-Hauptversammlung von Wolfsburg nach Hamburg. Am Dienstag erlebte der Aufsichtsratsvorsitzende wie seine Vision neu auflebte. So lange blieb der L1 ein frommer Wunsch. Erst sieben Jahre später wagt sich Volkswagen auf der IAA 2009 mit einer neuen Studie an die Öffentlichkeit.
Die Ankündigung zu einem neuen Ein-Liter-Auto erfolgte bereits vor zwei Jahren. Zunächst durch selbst Piech und dann durch den VW-Chef Martin Winterkorn. Auf der Weltstahlkonferenz 2007 in Berlin sprach Winterkorn vor 300 Managern von einem Auto, "das technische Standards setzen wird.“ Damals erklärte Winterkorn unserer Redaktion, der revolutionäre Ein-Zylinder-Einspritzdiesel mit 300 Kubikzentimetern Hubraum, bei dem Fahrer und Beifahrer hintereinander sitzen, solle noch vor 2010 zu kaufen sein.
Nun, da war Winterkorn wohl ein wenig voreilig. Seine Techniker haben nun bis 2009 gebraucht, um eine solche Studie überhaupt auf vier Räder zu stellen. Vor 2013 ist der Serienstart offenbar nicht geplant. Statt von einem Ein-Zylinder wird der Wagen nun von einem Zwei-Zylinder-Motor angetrieben, der strömungsbegünstigt bei nur 1,38 Liter Diesel verbrauchen soll.
Der L1 bekommt ABS und ESP mit ins Ausstattungspaket. Seine Höchstgeschwindigkeit beträgt nach Herstellerangaben 160 Stundenkilometer. Von Null auf 100 Stundenkilometer benötigt die Zigarre 14,3 Sekunden.
Zehn Liter Benzin für 750 Kilometer
Ein Hightech-TDI paart sich mit einem 14 PS starken Elektro-Antrieb. Damit erreicht der CO2-Ausstoß des L1 die neue Bestmarke von 36 g/km. Damit, so stellte Volkswagen am Dienstag klar, wird die Studie zum sparsamsten Auto der Welt. Mit zehn Litern Kraftstoff kommt der L1 auf einen Aktionsradius von 750 Kilometern.
Das Concept Car heißt nicht nur L1 wie der Prototyp, es ähnelt darüber hinaus wie der Ahne von 2002 auch einer Zigarre. Die Front-Scheinwerfer blicken aus einem schmalen Schlitz, der von der einen zur anderen Seite des Fahrzeugs verläuft. Im übrigen ist es inklusive der Hinterräder vollverkleidet. Nur die Leichtlaufräder vorne sind frei, damit sie lenkbar bleiben. Dadurch erreicht der L1 einen cw-Wert von nur 0,195.
Was den Stahlmanagern bei Winterkorns Paukenschlag 2007 den Schweiß auf die Stirn trieb, ist Wirklichkeit geworden: Die Karosserie besteht komplett aus einem carbonfaserverstärktem Kunstoff. Insgesamt wiegt der L1 nur 380 Kilogramm und damit gemessen am Polo (1067 Kilogramm) ein komplettes Fliegengewicht. Einsteigen müssen die hintereinander sitzenden Fahrer und Beifahrer über eine nach oben schwenkende Seitentür.
Technologieträger für Serienmodelle
Das alles ist nur sinnvoll, wenn das Gefährt nicht wieder in Vergessenheit gerät. Das will VW diesmal garantieren. In Wahrheit habe man nie aufgehört, daran zu arbeiten, teilte VW-Vorstandsmitglied Hackenberg gestern trotzig mit. Mittlerweile hätten sich die Entwicklungs-Voraussetzungen einfach wieder gebessert: "Wenn wir solche visionären Konzepte zeigen, tun wir das nicht aus reiner Selbstbeschäftigung", erklärte Hackenberg.
"Unsere Absicht ist, die gewonnen Erkenntnisse bei der Technologie so schnell wie möglich in unsere Volumenmodelle erfließen zu lassen", äußerst sich Hackenberg eher zurückhaltend zu den Aussichten eines L1-Serienmodells. Sollte der L1 als Serienfahrzeug erscheinen, werde er seinen Nischencharakter behalten. Deswegen ist eine Ausweitung etwa auf einen Dreisitzer nach jetzigem Stand nicht geplant. Es handele sich schon jetzt um ein Liebhaber-Auto, so Hackenberg: "Wer sich ein solches Fahrzeug wünscht, dokumentiert, dass er mit weniger auskommen möchte.
Zum Preis macht Volkswagen offiziell gar keine Angaben. Hinter vorgehaltener Hand ist im VW-Konzern aber klar, dass es dieses Fahrzeug niemals zum Preis unterhalb eines VW Golf geben könnte. So viel zu den Aussichten der Studie, erschwingliche Wirklichkeit zu werden.
e-up ab 2013
In Serie geht dagegen das neue sparsamste Polo-Modell, das VW ebenfalls vorstellte, der Polo Blue Motion mit 3,3 Liter Verbrauch und 87 Gramm CO2-Ausstoß. Hackenberg sprach von "der Rückkehr des 3-Liter-Autos". Auch die Modelle Golf und Passat bekommen neue besonders sparsame Varianten, sagte Hackenberg. Bereits am Vorabend hatte VW den Entwurf des ersten Elektroautos e-up vorgestellt, das 2013 in Serie gehen soll.
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