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  Foto: United Pictures
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Opels Hoffnungträger: Sieben gute Gründe für den Astra

VON MANFRED KÜHNAPPEL UND GUIDO RIJKHOEK - zuletzt aktualisiert: 17.09.2009 - 13:08

Frankfurt (RPO). An keinem anderen Messestand der IAA liegen Autos und nach wie vor offene Zukunftsfragen so dicht beieinander wie bei Opel. Dabei gehört beides zusammen: Ohne einen Erfolg des neuen Astra kann die Traditionsmarke gleich alle Hoffnungen fahren lassen.

Was macht das Kompaktmodell zum Hoffnungsträger? Er steckt voller Technik des erfolgreichen größeren Bruders Insignia. Erstmals bietet dieses Segment: Ein modernes Kamerasystem „Front-Eye“, das der Verkehrsschilderkennung und als Spurhalteassistent dient. Weiterhin ein Scheinwerfersystem, das sich an Wetterverhältnisse und Fahrsituation anpasst.

Und drittens ist der Wagen mit dem Fahrwerk FlexRide ausgerüstet, das die Ingenieure ebenfalls aus dem Insignia übernommen haben. Sie sorgt für eine elektronische Dämpferregelung in zwei Stufen und ein optimiertes Sicherheitsniveau.

Diese mehr als 2500 Euro teuren Extras sind im Grundpreis von 15.900 Euro indes nicht enthalten. Mit dem Basismodell wollen die Rüsselsheimer einen neuen Angriff auf den ewigen Rivalen VW Golf starten, der ohne jede Sonderausstattung auf 16.650 Euro kommt. Ein 1,4-Liter-Benziner Astra mit 87 PS tritt dann gegen den 80 PS starken 1,4-Liter-Benziner aus Wolfsburg an. Mindestens sieben gute Gründe lassen sich unter dem Strich als Argument für den neuen Astra anführen. 

Verkauft der Astra mit einem aufgehübschten Logo und dem neuen Werbespruch „Wir leben Autos“, der das altbackene „Entdecke Opel“ ablöst. Dennoch gerieten der Astra und das Elektroauto Ampera nach der halbstündigen Premiere schnell zur Nebensache. Fast schon überraschend hatte die US-Mutter General Motors noch vor der IAA den Verkauf an Magna abgesegnet. „Aus Sicht der Marketing-Abteilung kann ich sagen, dass uns allen ein dicker Stein vom Herzen gefallen ist“, schilderte ein Mitarbeiter in Frankfurt die Stimmung.

Die neuen starken Herren saßen bei der Präsentation in der ersten Reihe. Die Aufmerksamkeit richtete sich auf das österreichisch-russische Duo, Sberbank-Chef German Gref und Magna-Boss Siegfried Wolf, die bei Opel bald das Sagen haben werden. Sie wurden nach der Präsentation mit Fragen bombardiert.

Welcher Arbeitsplatz an den deutschen Standorten gesichert ist, steht noch lange nicht fest. Der neue Astra wird vorerst nur im britischen Werk Ellesmere Port und im polnischen Gliwice produziert. Strahlend streckten polnische Journalisten dem Opel-Chef Hans Demant ihre Mikrofone entgegen: „Ich weiß, dass die Kollegen in Gliwice gute Arbeit leisten“, betonte Demant.

Der Astra-Standort Bochum dagegen steht auf der Kippe, soll womöglich mit dem Zafira abgespeist werden. Dem Werk im belgischen Antwerpen droht die Schließung. Deutsche Journalisten wollten wissen, welche Perspektive Bochum habe, wenn das dortige Opel-Werk die Produktionsaufträge für den Astra verliere, wie es der Magna-Plan vorsieht. Auch nach Auswirkungen auf die deutschen Zulieferer wird gefragt. Werden sie jetzt Opel-Aufträge in großem Stil an Magna verlieren?

Magna-Vorstandschef Wolf gibt zumindest auf die letzte Frage eine eindeutige Antwort. "Opel muss am freien Markt einkaufen können", betont der Österreicher. Das kanadische Zulieferunternehmen habe künftig keinen Status als bevorzugter Lieferant: "Opel muss die Produkte bekommen, die für ein tolles Fahrzeug das Beste sind." Das schließe nicht aus, dass auch Magna Teile für Opel-Fahrzeuge liefere.

Gegen die Kritik aus Europa und der deutschen Konkurrenz wehrte sich Opel-Aufsichtsratsboss Carl-Peter Forster vehement: "Wenn Opel weggefallen wäre, wäre die Automobilindustrie in Deutschland schwächer und nicht stärker geworden", grollt Forster: "Daran möchte ich auch alle anderen Hersteller nochmals erinnern." Die übrigen Produzenten wüssten, dass Opel im mitteleuropäischen Automobilverbund eine wichtige Rolle spiele: "Es gehört dazu, dass man uns eine Chance gibt."

Forster erhielt am Donnerstag volle Rückendeckung durch Bundeskanzlerin Angela Merkel, die bei der offiziellen IAA-Eröffnung die Staatshilfen für Opel verteidigte. "Wenn wir nicht eingegriffen hätten in der Stunde der Insolvenz mit einem Überbrückungskredit, wären viele andere europäische Länder auch ins Trudeln gekommen", sagte Merkel am Stand von Opel. Anschließend setzte sie sich demonstrativ in den neuen Astra.

Quelle: AP/RPO

 
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