IAA-Geheimtipp Trabant nT: Vom DDR-Stinker zum Saubermann
VON MANFRED KÜHNAPPEL UND SEBASTIAN QUILLMANN - zuletzt aktualisiert: 16.09.2009 - 10:20Frankfurt (RPO). Klassiker aus der früheren DDR sind im Trend auf der IAA. Nicht nur die Sportwagen-Marke Melkus, auch der gute alte Trabi ist zurückgekehrt. Um in Serie zu gehen, bräuchte die Studie Trabant nT allerdings einen Investor.
Drei Männer, ein Konzept. Hinter dem Trabant nT, der auf der IAA vom 1:10-Modell von vor zwei Jahen zu voller himmelblauer Größe angewachsen ist, steckt ein Konsortium. Alle drei glauben fest an ihre Vision und hoffen während der Automesse auf Geldgeber, um den "New Trabant" ab 2012 in Serie rollen zu lassen.
Mit dem Trabi aus DDR-Zeiten, der von 1957 bis 1991 in Zwickau gebaut wurde, verbindet sich unwillkürlich die Vorstellung vom stinkenden Zweitakter, der die Luft der DDR mindestens ebenso verpestete wie die Braunkohle-Kraftwerke. "Genau von diesem Image wollten wir weg, als wir uns für einen reinen Elektrobetrieb entschieden", erklärt Ronald Gerschewski, Geschäftsführer der IndiKar Individual Karosseriebau. Seine Ingenieure bauten aus dem Modell des Dietenhofener Miniaturbauers Herpa eine vorzeigbare Studie. Herpa-Chef Klaus Schindler sitzt auch jetzt wieder mit im Boot. Der dritte im Bunde ist der ehemalige VW-Designer Nils Poschwatta.
VW-Designer Poschwatta
Der 32-Jährige Poschwatta entwarf das Retro-Styling. Ein mutiger Mann, der als Familienvater ein sichere Position im Volkswagen-Konzern aufgab, um freiberuflich den Trabi nT zu erschaffen. Seine Motivation entsprang seiner DDR-Vergangenheit: "Mein Eltern haben immer Trabant gefahren. Das hat mich geprägt", sagt der gebürtige Schweriner, der den Mauerfall im Alter von 12 Jahren erlebte.
Stolz steht Poschwatta am vergleichsweise bescheidenen Stand, an dem das Publikum aber immer wieder neugierig stehen bleibt. Haben wir den nicht schon mal irgendwo gesehen? "Wurde der nicht früher in Russland gebaut?", fragt ein junger Besucher und verrät damit seine Unkenntnis in Sachen deutsch-deutscher Geschichte. Der P 601, dem der neue Wagen unverkennbar ähnelt, war stets ein sächsisches Produkt. Anders als der IAA-Frischling Citroen DS beispielsweise verleugnet der neue Trabant seinen Ahnen nicht.
Freundliches Trabi-Gesicht
Poschwatta, der bei VW den Innenraum der Studie Iroc sowie des Nachfolgers Scirocco entwarf, hat "die grafischen Elemente, die prägnant waren, übernommen und modernisiert", wie er sagt. Die Linie im Kühlergrill oder die Heckscheinwerfer sind fast klassisch geraten. Freundlich blickt der Trabi jetzt drein. Praktisch übernommen wurden die vertikalen mit den Blinkern besetzten Rückleuchten.
Seinen Vortrieb gewinnt der 3,95 Meter lange und 1,69 Meter breite Wagen aus einem 47 kW/64 PS starken Elektromotor, dessen Lithium-Ionen-Batterien eine Höchstgeschwindigkeit von 130 km/h und eine Reichweite von 160 Kilometern gewähren, bevor das Fahrzeug für acht Stunden wieder an einer 230-Volt-Steckdose aufgeladen werden muss. Ein Aktionsradius, die den neuen Trabi eher zum Stadt-Auto macht.
Investor gesucht
Auf dem Dach befinden sich Solarzellen. Sie sollen die Klimanlage speisen, damit der Batterie möglichst wenig Energie verloren geht. Aus dem Ex-Stinker Trabi ist nicht nur ein Saubermann geworden, sondern er hat im Innenraum auch einen Sprung um Lichtjahre gemacht.
Am ersten Messetag gab es viele Interessenten, aber noch niemanden, der dem Trabi die nötigen Finanzspritze verpasste: "Den Durchbruch habe ich auch nicht sogleich erwartet. Wir haben Zeit", blieb Ronald Gerschewski gelassen. Findet sich ein Investor, könnte der Trabant nT als Serienproduktion für unter 20.000 Euro zu haben sein, schätzt Gerschewski. Der Preis wäre attraktiv, der Markt für vollwertige Elektroautos beginnt in Deutschland derzeit bei etwa 30.000 Euro.
Nils Poschwatta ist sicher, auf die richtigen Pferdestärken gesetzt zu haben: "Ich habe vielleicht alles auf eine Karte gesetzt. Doch das Risiko halte ich für überschaubar. Ich glaube an das Projekt und daran, dass mir die Firma irgendwann meine Zukunft sichert."
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