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VW L1 Ein-Liter-Auto panorama AP 2009-0916
  Foto: AP
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Experte zum Ein-Liter-Auto: VW muss auf Toyota aufpassen

VON MANFRED KÜHNAPPEL - zuletzt aktualisiert: 16.09.2009 - 13:48

Frankfurt (RPO). Spritsparer oder Supersportwagen? Schwer einzuschätzen, welchen Markstein die IAA 2009 in Frankfurt setzen wird. Unsere Redaktion sprach auf der Automobilmesse in Frankfurt mit dem Experten Ferdinand Dudenhöffer von der Uni Duisburg-Essen.

Verurteilt die Abwrackprämie: Professor Dudenhöffer.  Foto: RPO, Manfred Kühnappel
Verurteilt die Abwrackprämie: Professor Dudenhöffer. Foto: RPO, Manfred Kühnappel

Hat VW mit dem Ein-Liter-Auto wirklich den Coup der IAA gelandet?

Dudenhöffer: Volkswagen kann es mit dem Ein-Liter-Auto schaffen. Andererseits ist VW insgesamt noch sehr auf konventionelle Technik ausgerichtet und hat vergleichsweise wenig Hybrid-Erfahrung. Da muss man abwarten, wie Toyota in den nächsten Jahren unterwegs ist. Es könnte sein, dass die Japaner ihre Hybridtechnik weiter optimieren. VW ist dagegen sehr diesellastig, hat kein wirklich effektives Abgasreinigungssytem. Wenn die Euro-6-Norm kommt, wird es für VW eng.

Sichert der neue Opel Astra die Zukunft von Opel?

Dudenhöffer: Allein vermutlich nicht, aber er passt in die neue Modellstruktur der Marke. Wichtig ist, dass sich Opel mit Magna und GAZ gut aufstellen und damit für die Zukunft rüsten kann.

Spritsparer oder Supersportwagen? Zeigt die IAA nun ihr grünes Gesicht oder ihre alte Hubraum-Fratze?

Dudenhöffer: Die IAA ist sehr grün, aber das war sie früher auch schon. Entscheidend ist nicht, was gezeigt, sondern was umgesetzt wird. Hier sehe ich BMW auf einem sehr guten Weg und bei den anderen Herstellern noch Nachholbedarf.

Finden Sie nicht, dass sich sehr viele Autobauer auf dieser IAA die Wirklichkeit schön reden?

Dudenhöffer: Einen Großteil der Krise haben wir schon hinter uns. Die Märkte in China, Amerika und Russland erholen sich leicht. Das merken die Hersteller. Wo es im nächsten Jahr schwer wird, ist in Deutschland, das mit den Folgen der Abwrackprämie kämpfen wird. Dadurch wird der Absatz in ganz Europa gedämpft. Weltweit wird 2010 aber ein besseres Autojahr als 2009.

Die Überproduktionen sind deswegen aber nicht abgebaut.

Dudenhöffer: Überproduktionen sind so alt wie die Automobilindustrie selbst. Es wird immer Autobauer geben, die zu viele Einheiten herstellen und mangels Interesse nicht absetzen können. Und umgekehrt wird es immer Hersteller geben, die das Interesse nicht in ausreichendem Umfang bedienen können. Da sorgt der Markt für die Regulierung.

Heißt das, wir kommen an Zusammenbrüchen vorbei?

Dudenhöffer: Das habe ich nicht gesagt. In Westeuropa werden wir noch die ein oder andere Pleite erleben. Vor allem bei Zuliefern, die ins Schlingern geraten werden. Und sicher ist, dass wir bei den Arbeitsplätzen in der Automobilindustrie den Höhepunkt definitiv überschritten haben.

Wie drückt sich das in Zahlen aus?

Dudenhöffer: Von 750.000 Arbeitsplätzen werden 650.000 übrig bleiben. Nehmen Sie Opel stellvertretend als Beispiel. Die Produktion wandert in die Nachfrage-Länder ab. Also nach Russland oder China.

Wie ernst müssen wir die Autonation China nehmen?

Dudenhöffer: Saab und Volvo haben in ihrer Finanznot chinesische Partner gefunden. Das unterstreicht am besten, wie ernst wir die Chinesen nehmen müssen. Dort wächst die größte Automacht der Welt heran, die die USA beerben werden. Hersteller wie die unabhängige Marke Geely ist so stark aufgestellt, dass sie nach Volvo greifen kann. Wir dürfen aber auch Indien nicht vergessen. Tata kommt auf, hat sich Jaguar und Land Rover gekrallt und wird in den nächsten Jahren mitmischen.

Was ist für Sie die Überraschung der IAA?

Dudenhöffer: Ich werte als größte Überraschung, dass General Motors seine Opel-Entscheidung vor der IAA getroffen hat. Das war ganz wichtig für Opel. Jetzt können sich die Rüsselsheimer neu ausrichten und ganz auf seinen Partner Magna setzen. Neues Logo, neuer Werbespruch, neuer Astra - bei Opel weht ein frischer Wind.


 
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