kalaydo.de Anzeigen stellen auto immobilien kleinanzeigen tiere ferienwohnungen inserieren
  RP Providing |  RP Shop |  PremiumCard |  RP Reise
         
  Newsletter |  RSS |  Mobil |  Apps
Abo & Service | Anzeigen | ePaper | Schulprojekte  
 
       
 
  Gast
Maybach Zeppelin 1930 Tradition Maybach 62 2002
  Foto: Hersteller
Kommentare ()

90 Jahre Maybach-Tradition: Das Beste ist nicht genug

VON WOLFRAM NICKEL - zuletzt aktualisiert: 23.12.2011 - 13:11

Köln (RPO). Bescheiden war nur die Berliner Messepremiere für die ersten Maybach-Modelle vor 90 Jahren. Die luxuriösen Fahrzeuge standen eng aufgereiht unter einem schlichten Firmenschild; das musste genügen. Dabei sollte die Marke Maybach doch von Beginn an für Automobile mit einer technischen Finesse und Exklusivität stehen, wie sie die Welt noch nicht gesehen hatte.

Genau das stellte der Unternehmensgründer und geniale Ingenieur Karl Maybach von Anfang an klar. Als ihn der Vorstand des Verband der Deutschen Motorfahrzeuge-Industrie im Jahr 1921 spöttisch fragte, ob er den billigsten Wagen des bevorstehenden Berliner Salons bringen werde, antwortete Maybach selbstsicher und stolz: "Nein, den teuersten!".

Damit knüpfte Karl Maybach an die Karriere seines Vaters Wilhelm Maybach an. Dieser hatte 1886 gemeinsam mit Gottlieb Daimler das weltweit erste vierrädrige Patent-Automobil in Fahrt gebracht und 1901 den Ahnherrn aller Mercedes gebaut. Gegenüber dem Geschäftsmann Emil Jellinek, der dieses erste moderne Automobil der Geschichte initiiert und nach seiner Tochter benannt hatte, äußerte Wilhelm Maybach selbstbewusst: "Ich und Sie sind die Erfinder des Mercedes-Wagens". Bestätigt wurde Wilhelm Maybach in dieser Einschätzung, als ihn Frankreich mit dem Titel "Roi des constructeurs" - König der Konstrukteure - adelte.

Info

Ausgewählte Produktionszahlen:

Maybach W 1 (1919): 1 Prototyp
Maybach W 3 (ab 1921): 305 Einheiten
Maybach W 5 (ab 1926): 248 Einheiten
Maybach DS 7 und DS 8 Zeppelin (ab 1930): 183 Einheiten
Maybach DSH (ab 1930): 34 Einheiten
Maybach W 6 (ab 1931): 90 Einheiten
Maybach SW 35 bzw. SW 38 (ab 1935 bzw. 1936): 707 Einheiten
Maybach SW 42 (ab 1939): 133 Einheiten
Maybach 57/62 (ab 2002): ca. 3.000 Einheiten

Vierradbremsen mit Bremsausgleich

Wilhelms Sohn Karl wiederum wollte 20 Jahre später mit seinen Maybach-Modellen der automobilen Königsklasse die ultimative Krone aufsetzen, nachdem seit 1919 erste Versuchswagen und –motoren entstanden waren. Das Automobil, mit dem das Unternehmen Maybach-Motorenbau 1921 auf der Berliner Automobilausstellung überraschte, war der Typ W 3 (Wagen 3). Als erstes deutsches Serienauto verfügte der W 3 über Vierradbremsen mit Bremsausgleich. Vor allem aber wurde er beworben als "Maybach-Wagen ohne Schaltung“. Möglich machte dies die Drehmomentstärke des 5,7-Liter-Sechszylinders in Kombination mit einem angeblockten Umlaufrädergetriebe mit sogenannter Wechselkupplung.   

Tatsächlich wurde das Maybach-Markenzeichen des doppelten M (für Maybach-Motorenbau) schnell zum Synonym für Perfektion und Präzision, vor allem aber auch für selbstbewusste Preise. Legendär waren die exklusiven Repräsentationsfahrzeuge, die in direkter Konkurrenz zur Stuttgarter Staatslimousine "Großer Mercedes Typ 770" standen: die bis zu 5,50 Meter langen Maybach 12/DS 7/DS 8 Zeppelin mit dem ersten serienmäßigen V-Zwölfzylindermotor für Pkw. Mitten in der Weltwirtschaftskrise lancierte Karl Maybach in den Jahren 1929 bis 1931 diese Motorenfamilie mit damals beeindruckenden Kennwerten von 6,9 bis 7,9 Liter Hubraum und bis zu 147 kW/200 PS Leistung.

Die konstruktive Basis für das Kraftwerk legten Maybach-Luftschiffmotoren aus dem Zeppelinbau. Dort engagierten sich Wilhelm und Karl Maybach seit 1909 mit ihrer Luftfahrzeug-Motorenbau Gesellschaft, die mit dem Luftschiff-Unternehmen des Graf Ferdinand von Zeppelin kooperierte. Die Geräuscharmut und Geschmeidigkeit der potenten Zwölfzylinder im Auto, Modell Zeppelin, begeisterte die Kritiker der Fachpresse damals ebenso wie die Kunden. Bemerkenswert war der relativ beachtliche Verkaufserfolg der Zeppelin-Typen DS 7 (DS steht für Doppel-Sechs) und DS 8: Insgesamt wurden 183 Einheiten verkauft, während Daimler-Benz nur 119 "Große Mercedes" absetzte.

Gekrönte Häupter und Maharadschas

Auch sonst brachten es die Maybach-Automobile dank innovativer Technik und individueller Karosserien renommierter Spezialisten wie Spohn (Ravensburg), Kellner (Berlin), Gläser (Dresden), Auer (Stuttgart) und Erdmann & Rossi (Berlin) unter Kennern schnell zu einem außergewöhnlichen Nimbus, der neben Filmstars und Industriellen auch gekrönte Häupter und Maharadschas begeisterte. Wie bei fast allen anderen Luxusmarken aus diesem sogenannten "Goldenen Zeitalter des Automobils" war jeder Maybach ein individuell komponiertes Kunstwerk, bei dem nur die Phantasie und die Finanzkraft der Käufer die Grenzen des Machbaren setzten.

Kostspieligster Maybach wurde eine Limousine mit Gold- und Rubinornamenten, für die 1928 nicht weniger als 186.000 Reichsmark berechnet wurden – dies entsprach in etwa dem Kaufpreis von fünf Supersportwagen des neuen Typs Mercedes-Benz SSK oder 125 Einheiten des legendären Kleinwagens BMW Dixie. Insgesamt entstanden bis zur kriegsbedingten Produktionseinstellung im Jahr 1942 kaum mehr als 1.800 Maybach-Fahrzeuge. Und dennoch: Trotz aller technischen Finesse, für die dem Unternehmer und Konstrukteur Karl Maybach das Beste nie genug war, errang die Marke nicht den unvergänglichen Mythos mancher Wettbewerber.

Vielleicht lag es einfach daran, dass sich in jenen Jahren zwischen den Weltkriegen zu viele Luxus-Marken um die Gunst der Reichen und Schönen und vor allem der Mächtigen bemühten. Allein in Deutschland kämpften Maybach, Mercedes und Horch um Käufer aus dem Club der Millionäre, hinzu kamen über 20 Prestigemarken aus anderen Ländern. Nie war automobiler Luxus glanzvoller, nie war die Welt kostspieliger Marken größer.

Trotzdem nahm die Erfolgskurve nicht weniger Unternehmen einen kometenhaften Verlauf. Auf eine oft nur kurze Periode des Glanzes folgte der Absturz in Konkurs oder Untergang. Selten entstand aus dem Sternenstaub später ein neuer strahlender Himmelskörper, der wieder als Fixstern am Firmament der Luxusmarken leuchtete. Für die Automobilmarke Maybach endete die nur 20 Jahre währende Geschichte mit dem Auslaufen des Typs SW 42 mit innovativer Einzelradaufhängung und 103-kW/140-PS-Motor mitten im Zweiten Weltkrieg.

Nach Kriegsende wurde bei der Maybach-Motorenbau die Fahrzeugsparte als unlukrativer Zweig der Produktionspalette nicht wieder belebt. Der Großdieselhersteller für Schiff und Bahn fusionierte 1966 mit der Mercedes-Benz Motorenbau zur Maybach Mercedes-Benz-Motorenbau. Drei Jahre später wurde das Unternehmen in Motoren- und Turbinen-Union Friedrichshafen (MTU) umbenannt. Damit war der Name Maybach scheinbar endgültig Historie.

Dann die Überraschung: Wenige Wochen bevor Konzernlenker Ferdinand Piech für die Volkswagen-Markenwelt Bentley und vorübergehend auch Rolls-Royce übernehmen konnte, wollte Mercedes-Benz im Jahr 1997 die Automobilgeschichte von Maybach wieder zum Leben erwecken. Dazu debütierte auf der Tokyo Motor Show die Mercedes-Benz-Studie Maybach. Fünf Jahre danach wurde Maybach mit den Repräsentationslimousinen 57 und 62 als eigenständige Marke revitalisiert.

Ein Traum, der sich nie realisierte

Bis zu 1.000 Einheiten pro Jahr wollte Jürgen E. Schrempp, der Chef der damaligen DaimlerChrysler AG, vom exorbitant teuren Konzernflaggschiff, das übrigens auf der profanen Mercedes-Benz S-Klasse basierte, weltweit verkaufen. Ein Traum, der sich nie realisierte. Bekanntheit und Strahlkraft der Marke Maybach hatten sich in den vergangenen Jahrzehnten verflüchtigt und konnten auch nicht zurückgewonnen werden durch spektakuläre Fahrzeugpremieren etwa auf dem legendären Oceanliner Queen Elizabeth II oder extraschnelle Coupéstudien, wie den exzentrischen Exelero.

Zuletzt wurden in der eigens errichteten Manufaktur jährlich nur noch etwa 200 Einheiten der mindestens 405.000 Euro teuren Limousinen gebaut. Wenn 2013 das letzte Exemplar mit der Typenziffer 57 oder 62 aus den Hallen der Maybach-Manufaktur rollt, steht eine neue Generation der Mercedes-Benz S-Klasse in Pullman-Ausführung in den Startlöchern, um die Thronfolge zu übernehmen und die automobile Extraklasse nicht gänzlich den Marken Bentley und Rolls-Royce zu überlassen. So wie vor 60 Jahren, als der Mercedes-Benz 300 "Adenauer“ die Maybach-Limousinen beerbte. Das Beste an Luxus ist eben nur genug, wenn die Rentabilität stimmt.

Quelle: sp-x/sgo/csi/chk

 
weitere Artikel
 
 
Links zu diesem Artikel
 

 
Schreiben Sie jetzt Ihre Meinung:

       
Anzeige:

Aktuell bei RP Online
In Düsseldorf ist Sprit vergleichsweise günstig

Benzinpreise in 20 deutschen Städten

In Düsseldorf ist Sprit vergleichsweise günstig

Wie die aktuelle ADAC Untersuchung der Kraftstoffpreise an Markentankstellen in 20 deutschen Städten ergeben hat, ist Benzin wieder günstige ... mehr 

Statistisches Bundesamt

Deutscher Autoexport-Rekord nach China

Die deutsche Autoindustrie hat im vergangenen Jahr mit 308.000 Autos so viele Wagen nach China exportiert wie noch nie zuvor. Gegenüber dem ... mehr 

mehr Auto
Aus der Region

Luxuskarrossen in NRW frisiert

Großrazzia gegen Autoschieberbande

Alte Straßenbahnen werden ausrangiert

Abschied von der gelben Bahn

Videos

Video

Grefrather Eisbahn wird zur Filmkulisse

Die Schlittschuhläufer laufen eine Runde nach der anderen. Auf der Außenbahn des Grefrather Eisstadions ist dieses Mal alles etwas anders . ... mehr 

Supporting Thomas Cycling the World

Das Team um Thomas Großerichter ist groß - von der Organisation über die Ernährungsberatung bis zur Finanzierung hat ... mehr 

Bilderserien zu Auto
Mai 2012: Das kostet der Sprit in 20 Städten
Mai 2012: Das kostet der Sprit in 20 Städten
Mai 2012: Das kostet der Sprit in 20 Städten mehr 
 
Mai 2012: Das kostet der Sprit in 20 Städten
Mai 2012: Das kostet der Sprit in 20 Städten
Mai 2012: Das kostet der Sprit in 20 Städten
mehr 
2012: Die dritte Generation des Audi A3
2012: Die dritte Generation des Audi A3
Audi gibt seit 16 Jahren als Premium-Hersteller ..
mehr 
Top 20: Das sind die stärksten Automarken 2012
Top 20: Das sind die stärksten Automarken 2012
Die Autos mit dem geringsten Verbrauch und den ..
mehr 
VW's Rallye-Polo als Straßenversion
VW's Rallye-Polo als Straßenversion
Parallel zum Start in der WRC-Meisterschaft ..
mehr 
40 Jahre Tradition: Hyundais Kompaktklasse
40 Jahre Tradition: Hyundais Kompaktklasse
Heute setzt Hyundai ernsthaft zum Angriff auf ..
mehr 
2012: Das ist der neue Mercedes GLK
2012: Das ist der neue Mercedes GLK
Obwohl die wenigsten Nutzer eines SUV je ins ..
mehr 
Die Fahrrad-Modelle der Autobauer
Die Fahrrad-Modelle der Autobauer
Wir zeigen Ihnen die Fahrräder der Autobauer.
mehr 
Das ist der Peugeot 308 CC
Das ist der Peugeot 308 CC
Jetzt beginnt die Cabrio-Zeit. Die Auswahl an ..
mehr 
 
Anzeige:
MEHR

40 Jahre Ford Granada

Sechs Zylinder für alle

Eigentlich sollte der Ford Granada die Marke in die automobile Oberklasse befördern. Das gelang nicht ganz. Die großen Limousinen und Kombis mit den Sechszylindermotoren waren trotzdem ein voller Erfolg – bis die Ölkrise kam. mehr

 
Autohersteller von A bis V