50 Jahre NSU Prinz: Der Prinz von Neckarsulm feiert Geburtstag
VON WOLFRAM NICKEL - zuletzt aktualisiert: 16.05.2011 - 07:59Düsseldorf (RPO). Der NSU Prinz war bis Anfang der 1970er Jahre das Markenzeichen für die sportlich-schicke Ausprägung von Kleinwagen und extraschnellen Kompaktklassefahrzeugen. Vor genau 50 Jahren präsentierte der Neckarsulmer Fahrzeughersteller mit dem Prinz 4 das erste Mitglied der Modellfamilie mit Heckmotor.
Während der Zweizylinder-Prinz am Ende seiner Karriere als damals einziger deutscher Kleinwagen produziert wurde, errangen die größeren NSU Typen 110 und 1200 Achtungserfolge im Segment von Käfer und Kadett. Unter den magischen Typencodes TT und TTS konnte es der Prinz sogar mit ultimativen Kraftzwergen wie dem Mini Cooper aufnehmen.
Die kleinen Hochleistungssportler TT und TTS waren auf Rundstreckenrenntrophäen abonniert. Eine Sensation war der 1963 präsentierte NSU Wankel Spider mit dem weltweit ersten Einscheiben-Wankelmotor. Noch wichtiger war jedoch der bis 1970 entwickelte Prinz-Nachfolger Typ 66 mit Frontantrieb und Schrägheck sowie Heckklappe.
NSU-Fusion mit Audi
Nachdem NSU 1969 durch die Fusion mit Audi zur VW-Tochter Audi-NSU mutiert war, wurde der NSU Typ 66 als Initiator des Audi 50 nach Ingolstadt transferiert. Premiere feierte der erste moderne Audi-Kleinwagen allerdings erst 1974, ein Jahr später folgte das Wolfsburger Zwillingsmodell, der VW Polo – die Wiederentdeckung des Kleinwagens durch die deutschen Hersteller.
Dabei waren es die kleinen Klassen, die in den 1950er Jahren die Nachkriegsrepublik motorisierten. Auch NSU, der damals weltgrößte Motorradhersteller, setzte deshalb ab 1957 auf die Produktion eines familientauglichen Kleinwagens, der mit zeittypischem Heckmotorkonzept, aber sportlicher Ausrichtung eine neue Marktnische erobern sollte.
Sportliche Prinz I bis Prinz III
Tatsächlich attestierte die Fachpresse schon den ersten kleinen NSU-Baureihen der Typen Prinz I bis Prinz III ein sportliches Temperament aufgrund ihrer vergleichsweise lebhaften, bis zu 22 kW/30 PS entwickelnden Zweizylinder-Triebwerke.
Erster Imageträger wurde ab 1958 der Sport-Prinz. Mit ihm folgte NSU dem Vorbild des VW Karmann-Ghia, der die zuverlässige und erschwingliche Technik des Käfers in spektakulär-schnelle Formen verpackte. Für Aufsehen sorgte der Sport-Prinz allerdings erst ab 1963 in Spider-Form mit dem weltweit ersten Serien-Kreiskolbenmotor.
Lorbeeren bei Bergrennen
Mit seinem immerhin 37 kW/50 PS freisetzenden Wankelaggregat erntete er bei Bergrennen und auf Rundstrecken zahlreiche Lorbeeren. Hohe Preise und mangelnde Zuverlässigkeit verhinderten jedoch vordere Plätze in den Zulassungsstatistiken.
„Fahre Prinz und du bist König“ lautete das Werbemotto zur Markteinführung des Nachfolgers mit innovativer schraubengefederter Hinterachse. Eher Kaiser als König wurden die Käufer der Kraftmaschinen TT und TTS. Benannt waren die extraschnellen Miniracer nach der Tourist Trophy (TT) auf der Isle of Man, dem härtesten Motorradrennen der Welt.
Schnellster Serien-Kleinwagen
1965 brachte NSU den bis dahin schnellsten deutschen Serien-Kleinwagen aller Zeiten, den Prinz 1000 TT. Als Basis diente dem sportlichen TT der zwei Jahre zuvor präsentierte NSU 1000 C, ein Prinz mit verlängerter Frontpartie und einem um 21 Zentimeter längeren Radstand.
Noch eindrucksvoller präsentierte sich nur der 1967 eingeführte NSU TTS mit 51 kW/70 PS Leistung und auffälligem Ölkühler unter der vorderen Stoßstange. Ganz nach dem Vorbild der heißblütigen italienischen Heckmotorsportler von Abarth zeigten sich TT und TTS gerne mit leicht aufgestellter hinterer Haube, die wie ein Heckspoiler wirkte und gleichzeitig die Wärmeableitung des Motors verbessern sollte.
TTS schlug Porsche im Sprint
Und tatsächlich waren die kleinen Überflieger auf Autobahnen schneller als gestandene Mittelklassemodelle wie Opel Rekord oder Ford 17 M, bei Sprinttests aus dem Stand auf Tempo 80 zeigte der TTS sogar dem Porsche 912 die aufgestellte hintere Haube. Im Renneinsatz fuhren TT und TTS denn auch Trophäen in Serie ein.
Während die NSU TT und TTS mit Heckmotor heute nur noch im historischen Motorsport auf die Pole Position fahren, platziert Audi die legendären Typenkürzel TT und TTS mit Sportcoupés und Roadstern auf vordere Plätze in den entsprechenden Rubriken der Zulassungsstatistiken.
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