Jubiläum eines Klassikers: Die europäische Erfolgsstory des Volvo 850
VON WOLFRAM NICKEL - zuletzt aktualisiert: 18.07.2011 - 08:01Köln (RPO). Nach einer langen und teuren Entwicklungsphase brachte Volvo 1991 den ersten 850 heraus. Design und Technik stammten aus Schweden, produziert wurde in Belgien. In kurzer Zeit gelang Volvo ein erfolgreicher Imagewandel.
Mit dem 850 wollte Volvo endgültig den großen Sprung nach vorn schaffen und weltweit zu Audi, BMW und Mercedes aufschließen. Ziele, die trotz des enormen Entwicklungsaufwands nur teilweise realisiert wurden.
So konnte der erste Mittelklasse-Volvo mit Vorderradantrieb, optionalem Allradantrieb und bis zu 184 kW/250 PS starken Fünfzylinder-Motoren zwar das einstige sportliche Markenimage wiederbeleben und mit Seitenaufprallschutz und Seitenairbags die Liste der schwedischen Sicherheitsinnovationen ergänzen.
Verdammt zum Erfolg
Außerdem handelte es sich um das größte Entwicklungsvorhaben in der Geschichte der Marke, zu dem sogar die Einrichtung eines neuen Werks im flandrischen Gent zählte. Nachdem Volvo 1990 erstmals in die roten Zahlen gerutscht war, musste der 850 ein Gewinner werden.
Als kurz danach auch noch die Verlobung mit Renault überraschend aufgelöst wurde, lastete noch mehr Erfolgsdruck auf der neuen nordischen Mittelklasse. Erwartungen, denen der 850 erst nach und nach gerecht wurde. Denn anfangs gab es den 850 GLT nur mit einem einzigen Motor und nur als Limousine.
Den endgültigen Durchbruch brachte erst zwei Jahre später der Kombi, der hierzulande zum gleichen Preis angeboten wurde wie die Limousine. Mit unverwechselbarer vertikaler Rückleuchtenreihe in der C-Säule als Erkennungszeichen und einem ganzen Portfolio leistungsstarker Fünfzylinder – als bis dahin einziger Kombi startete der 850 sogar erfolgreich bei Tourenwagenrennen der britischen BTCC-Serie – weckte der vielseitige Schwede nun die erhoffte Begehrlichkeit nicht nur bei Volvo-Stammkunden.
Neue leistungsstarke Motoren
Schon 1994 war jeder zweite in Deutschland verkaufte Volvo ein 850 und in Schweden belegte die Modellreihe sogar Platz eins der Zulassungsstatistik – im nationalbewussten Norden für ein Auto aus kontinentaleuropäischer Produktion ein bis dahin nicht für möglich gehaltenes Resultat.
Volvos Imagewandel zum Hersteller begehrenswerter Fahrmaschinen, die mehr transportierten als Familie und Freizeit, nahm Fahrt auf. 1995 umfasste die konsequent erweiterte 850-Palette bereits sechs Motoren, darunter den bis dahin stärksten skandinavischen Turbo aller Zeiten mit 176 kW/240 PS aus fünf Zylindern.
Auch der 850 AWD, der als erster schwedischer Großserien-Pkw mit Allradantrieb auf den Markt kam, sorgte für Aufsehen. Amerikanische Medien feierten ihn als reifenrauchende Rakete. Den angestrebten Rang eines weltweit anerkannten Premiumherstellers erreichte Volvo zwar so schnell nicht, der Anfang war aber gemacht.
Vor allem kamen die Schweden mit dem 850 in so kurzer Zeit auf noch nicht gekannte Stückzahlen. Nicht verhindern konnten der 850 und seine Ende 1997 eingeführten Facelift-Nachfolger S70/V70 jedoch, dass Volvo seine Unabhängigkeit verlor. Nach gescheiterten Allianz-Verhandlungen mit Renault wurde das Göteborger Unternehmen 1999 von Ford übernommen.
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