Chevrolet Hatchback: Die kurze US-Blüte eines Frauenlieblings
VON WOLFRAM NICKEL - zuletzt aktualisiert: 11.07.2011 - 15:57Düsseldorf (RPO). Große Limousinen, gewaltige Pickups, geräumige Vans und starke V8-Sportcoupés – wie kaum eine andere Marke ist Chevrolet ein Inbegriff für üppig dimensionierte amerikanische Massenmodelle. Dennoch steht die global viertgrößte Marke sogar auf ihrem Heimatmarkt zugleich für Kompaktklasse- und Kleinwagenreihen mit Heckklappe.
Die Ära der sogenannten Hatchbacks, also sportlicher Schrägheckmodelle mit großer Gepäckklappe, begann im September 1970 mit der Einführung des Chevrolet Vega. Mit der neuen Karosserieform reagierten die "Big Four" General Motors (GM), Ford, Chrysler und American Motors Corporation (AMC) auf die Bedrohung aus Japan und Europa, von wo zahlreiche Heckklappenmodelle kamen, um an Exporterfolg des kultigen Käfers anzuknüpfen.
Mit sportlichem Schrägheck und großer Heckklappe beflügelte der Vega nicht nur die Chevrolet-Absatzzahlen, sondern stieg zum Leitbild seiner Klasse auf. Ebenso wie der rasch nachgeschobene Pinto Runabout von Ford und der kuriose Gnom Gremlin von AMC eroberte der Hatchback-Chevrolet vor allem die Herzen der Frauen. Über 1,2 Millionen Vega mit Schrägheck wurden bis 1977 verkauft - trotz teils mieser Qualität.
Auch eine Nummer kleiner funktionierte das Rezept. Auf Basis des GM-Weltautos "T-Car" präsentierte Chevrolet 1975 die Chevette, ein Schwestermodell des Opel Kadett City. 1979 und 1980 errangen die kleinen Zwei- und Viertürer sogar die Pole Position in den amerikanischen "Small Car"-Verkaufscharts.
Der bescheidene Auftritt sollte aber bald zum Problem werden. Denn angeführt vom Golf GTI hetzte damals eine wilde Meute aus fast schon überstarken Kompaktautos europäischer und japanischer Herkunft über die Highways der amerikanischen Ost- und Westküste.
Citation, Cavalier und Corsica lauteten dagegen die Chevrolet-Zugänge in der Fraktion des schicken Schräghecks, allesamt biedere Limousinen ohne jegliche sportliche Ambitionen oder entsprechendes Image. Die Quittung für die verfehlte Familienpolitik folgte umgehend: Die Hatchbacks verkamen bei Chevrolet zu Nischenmodellen, während die verwandten Stufenheck- und Kombiversionen gefragt waren wie eh und je.
Auch der 2004 in Neuauflage lancierte Mittelklassebestseller Malibu konnte kein Hatchbackrevival bewirken, als fünftüriger Malibu Maxx mit verunglücktem Kombiheck blieb er ungeliebtes Kind mit vorzeitigem Produktionsende.
Erst in den letzten Jahren erfahren die Hatchbacks bei Chevrolet eine Renaissance. Dies vor allem in den kleineren Klassen, die nach der Übernahme des koreanischen Herstellers Daewoo mit sogenannten Weltautos besetzt werden.
So ist der Sonic, die US-Version des Aveo, seit 2009 auch mit Heckklappe lieferbar - und verkauft sich auf Anhieb in größeren Stückzahlen als die Stufenheckversion. Eine Entwicklung, die der gerade erneuerte Aveo fortsetzen soll. Sogar der Cruze wird entgegen früheren Planungen nicht nur in Europa mit schickem Schrägheck starten.
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