30 Jahre BMW 5er: Revolutionäre Technik in biederer Verpackung
zuletzt aktualisiert: 23.11.2011 - 14:59Köln (RPO). Von Turbodiesel bis Tarnkappenjäger: Die zweite Generation des BMW 5er überzeugte vor allem mit modernen Motoren, die scheinbar mühelos den Spagat zwischen sportlich und sparsam schafften. Nur beim Design gab sich die Limousine arg zurückhaltend.
Es war eine Zeit des Wandels. In der Pop-Musik kündete davon die "Neue Deutsche Welle", in der Politik forderte die gerade gegründete Partei der "Grünen" Veränderungen und auch im Kampf um die prestigeträchtige Pole Position in der automobilen Business Class wurden vor dreißig Jahren die Karten neu gemischt.
Mit der ersten Generation des 5ers hatte BMW bereits Achtungserfolge gegen die bis dahin dominierenden Mercedes 200 bis 280 E erzielt und den Audi 100 auf Distanz gehalten. Den Durchbruch versprachen sich die Münchner nun von der Neuauflage des 5ers.
Im Rückblick allerdings wirkt die Serie E 28 in der langen Reihe der BMW 5er-Generationen auf den ersten Blick wenig aufregend. Kein Wunder, unterschied sich doch die zweite Auflage der bayerischen Business Class nur bei genauerem Hinsehen von der abgelösten Baureihe E 12. Allein die voluminösere und kantige Heckgestaltung und eine modifizierte Front differenzierten die E-28-Limousinen deutlich vom Vorgänger.
Revolutionäre Technik
Tatsächlich aber verhüllte die als bieder kritisierte Karosserie revolutionäre Technik, mit denen die Bayerischen Motorenwerke ihrem Namen neuen Glanz vermitteln wollten. Mit Bordcomputer, Service-Intervallanzeige, "Energie-Control"-Kraftstoffverbrauchsanzeige und erweiteter "Check-Control" der Fahrzeugbetriebszustände trieb BMW die Einführung des elektronischen Zeitalters im Automobilbau voran.
Die erste Generation des 5ers galt sogar am Ende ihres Produktzyklus immer noch als Maßstab für dynamische Reiselimousinen. Für BMW Anlass, den ab 1978 konzipierten und im Sommer 1981 lancierten Nachfolger optisch eng am Vorgänger anzulehnen. Eine Strategie nicht ohne Risiko wie die nur wenig später vorgestellten aerodynamischen Konkurrenten von Audi (Typen 100/200 von 1982) und Mercedes (E-Klasse W124 von 1984) zeigten.
Den drohenden Absturz in den Verkaufszahlen mussten nun die eilig nachgeschobenen neuen Motoren verhindern, die Maßstäbe setzten in den Disziplinen Leistung – und damals völlig überraschend – auch in Sachen Ökonomie. Ausgerechnet BMW, sonst eher der Inbegriff PS-starker Bayern-Bomber, präsentierte passend zur politischen Diskussion um knappe Ölreserven sparsame und schadstoffärmere Triebwerke.
Deutlich wurde der Vorsprung vor allem beim ersten Turbodiesel, mit dem die bayerischen Motorenwerke ab 1983 davon stürmten. Der im österreichischen Steyr gefertigte Sechszylinder mit 210 kW/286 PS ließ bei Fahrleistungen und Geräuschkomfort die rau laufenden Wettbewerber weit hinter sich und präsentierte sich mit einem Normverbrauch von 7,1 Liter im ECE-Drittelmix und 5,2 Liter bei Tempo 90 als Sparmeister. Drehfreudig und agil wie ein Benziner war der 524td das richtige Auto, um sogar hartnäckige Dieselgegner durch Temperament und günstige Tankrechnungen zu überzeugen.
Werte auf Supersportwagen-Niveau
Die "Neue Deutsche Welle" forderte damals im Radio: Ich will Spaß, und BMW gab dazu weiter kräftig Gas. Ab 1985 sprintete der M5 in 6,4 Sekunden aus dem Stand auf Tempo 100 und weiter bis Tempo 245. Das waren Werte auf Supersportwagen-Niveau. Tatsächlich stammte der 3,5-Liter-Sechszylinder unter der Haube des M5 ursprünglich aus dem M1.
Obwohl sich BMW den Tarnkappenbomber teuer bezahlen ließ - 1985 kostete er 80.750, zwei Jahre später schon 86.600 Mark - wurden insgesamt 2.145 M5 gebaut. Verkaufsfördernd war offensichtlich auch der optisch zurückhaltende Auftritt. Ein Wolf im Schafspelz also, dessen unaufdringliches Bekenntnis zur Leistung die Fans noch heute so begeistert, dass er als einziger E 28 auch auf dem Youngtimermarkt ein kostspieliges Vergnügen geblieben ist.
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