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Volvo Amazon P120 1965 SP-X Archiv 2011-0527 Panorama
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55 Jahre Volvo Serie 120: Wie Volvos Amazonen die Welt eroberten

VON WOLFRAM NICKEL - zuletzt aktualisiert: 31.05.2011 - 08:27

Düsseldorf (RPO). Mit dem Amazon wurde Volvo zum Millionär. Die weltweit erfolgreiche Mittelklassebaureihe hob die Schweden in die erste Liga der Automobilhersteller. Zu verdanken war das auch seiner sprichwörtlichen Zuverlässigkeit.

Bei der Einführung des Amazon setzte Volvo auf eine so noch nie da gewesene Strategie. Neben den klassischen Absatzinstrumenten sollte der gezielte Vertrieb über Diplomaten, Soldaten und Touristen der Marke zu weltweiter Bekanntheit verhelfen.

Ein globales Erfolgskonzept, für das der vor genau 55 Jahren präsentierte Volvo Amazon einen Cocktail aus idealen Zutaten mixte: Zeitlos schöne Formen in damals aktueller Zweifarblackierung, sportlicher Schick, Variabilität und Eleganz und ein Interieur im Format der damaligen Mercedes S-Klasse. Dazu kamen legendäre Langlebigkeit und wegweisende Sicherheitsinnovationen.

Modische Schnelllebigkeit

Anderthalb Jahrzehnte wurde der Amazon verkauft - ein fast endlos scheinender Zeitraum in einer Epoche, die sonst von modischer Schnelllebigkeit bei Modellwechseln bestimmt war.

Entwickelt wurde der Typ P120/Amazon anfänglich als Nachfolger des bereits 1944 präsentierten PV 444. Schnell wurde aber deutlich, dass der P120/Amazon trotz gleichen Radstands optisch größer und eleganter ausfallen musste, um auch in exklusiveren Fahrzeugklassen und vor allem in Amerika bestehen zu können. Der elegante Viertürer setzte mit zuverlässigen Vierzylindern, starker Statur, mächtiger Front mit geteiltem Kühlergrill, zart angedeuteten Heckflossen, massiven Türen und neuartiger Sicherheitsarchitektur weltweit Zeichen.

In über 70 Länder exportiert

Als erster Schwede wurde der Amazon in über 70 Länder exportiert und sogar in neuen Werken in Belgien, Südafrika und Nordamerika montiert. Tatsächlich maß sich der viertürige Amazon auf den meisten Märkten mit der damals neuen sportiven Mittelklasse von Borgward Isabella, MG Magnette oder später der „Neuen Klasse“ von BMW. Punkten konnte er nicht zuletzt durch die solide Konstruktion und Sicherheitsinnovationen wie die weltweit ersten serienmäßigen Dreipunktsicherheitsgurte vorne und Befestigungspunkte für Zweipunkt-Sicherheitsgurte hinten.

Passend zum offiziellen Deutschlandstart der schwedischen Marke feierte 1958 der 63 kW/85 PS starke Amazon Sport auf dem Genfer Salon Premiere. Ihren verführerischen Namen durften die Amazonen hierzulande allerdings nicht tragen. Zweiradhersteller Kreidler hatte sich den Namen bereits für ein Moped schützen lassen. So blieb es offiziell bei den nüchternen Typkürzeln 121 (Einvergaser) und 122 (Zweivergaser) für die zwei- und viertürigen Limousinen und 220 für die Kombiversion.

Sportlicher Leistungsträger

Immer wieder wurden zudem Kleinserien oder limitierten Varianten aufgelegt. Etwa der im August 1966 vorgestellten Amazon/123 GT mit potentem 76 kW/103 PS-Kraftwerk. Mit dem auf rund 1500 Einheiten limitierten sportlichen Leistungsträger feierte die Amazon-Reihe ihren Karrierehöhepunkt. Noch seltener und von Liebhabern entsprechend begehrt ist der Volvo123 GT in zu jener Zeit besonders exklusiver metallic-blauer Lackierung, offiziell wurden nur 50 Einheiten in dieser Spezifikation ausgeliefert.

In der schwedischen Zulassungsstatistik besaß der Amazon ein Abonnement auf die Pole Position, in Amerika und auf anderen internationalen Märkten lagen die P120/220-Modelle in der Importrangliste der Mittelklasse auf vorderen Positionen. Keine Überraschung also, dass auch der ein millionste Volvo 1966 in Form eines Amazon vom Band lief. Zusätzlichen Schub erhielt die Baureihe durch die 1965 erfolgte Produktionseinstellung des PV 544. Nach dem Wegfall des preiswerteren „Buckel-Volvo“ wurde zunächst der zweitürige P121/Amazon Favorit mit frugaler Ausstattung eingeführt. Ein Erfolg wurde der Spar-Amazon jedoch nicht.

Das Ende im Jahr 1969

Vielleicht waren dies aber auch erste Anzeichen dafür, dass die umfangreiche Amazon-Baureihe ihren Zenit überschritten hatte. 1967 belegte der Amazon in den Verkaufscharts auf dem Heimatmarkt noch einmal Platz eins vor dem Volvo 140 und in den USA verkaufte Volvo 33.189 Einheiten.

Im August 1969 kam dann das endgültige Ende für den familienfreundlichen Amazon. Das letzte Exemplar mit der Produktionsnummer 667.323 fuhr am 3. Juli 1970 direkt vom Band ins Museum. Anschließend starteten die Amazonen, die zuerst Amerika eroberten und Volvo zu weltweiten Erfolgen führten, in ihre neue, scheinbar ewige Karriere als alltagstaugliche und unverwüstliche Klassiker.

Quelle: SP-X

 
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