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Eine Erfolgsstory: 25 Jahre Airbag: Der Lebensretter

VON RAINER KURLEMANN - zuletzt aktualisiert: 26.09.2005 - 09:28

Düsseldorf (RP). Auch wenn die meisten ihn nie benötigen, möchte der Fahrer auf die zusätzliche Sicherheit nicht mehr verzichten. Airbags gehören heute serienmäßig zum Auto. Der rettende Luftsack feiert seinen 25. Geburtstag.

Es bleibt nur eine Zehntelsekunde, vielleicht sogar weniger. Dann schlägt der Kopf nach dem Zusammenprall auf das Lenkrad auf. Selbst im Stadtverkehr, bei Tempo 50, kann der Fahrer beim Frontalunfall nicht mehr reagieren. Fährt er schneller, erst recht nicht. Doch im Auto ereignet sich eine gezielte Explosion: Der Airbag bläst sich auf - der Kopf landet geschützt im Luftsack. Glück gehabt.

Dieser Lebensretter feiert in diesen Tagen Jubiläum: 1980 präsentierte Mercedes in Deutschland den ersten Fahrer-Airbag - als Extra für die S-Klasse für stolze 1.500 DM. 25 Jahre später ist der Airbag eine Erfolgsgeschichte. 100 Millionen Stück werden jährlich allein in Europa montiert. "Ein Auto ohne Airbag lässt sich heute nicht mehr verkaufen", sagt Ulrich Seiffert, Professor für Verkehrstechnik. Der Kunde verlangt nach dem zusätzlichen Sicherheitssystem - allerdings erst seitdem der Luftsack auf der Fahrerseite für jedermann ohne Aufschlag serienmäßig zu haben ist. Das war Anfang der 90er Jahre, im VW Golf. Zuvor zählte das Schutzkissen nur in der Oberklasse zur Standardausrüstung.

Mittlerweile üblich

Fahrer- und Beifahrer-Airbag sind mittlerweile üblich, Seitenairbags auf dem Vormarsch und bald platzen die Luftkissen selbst in Kleinwagen beim Unfall auch aus dem Dach. Bis zu acht Sensoren steuern die komplizierte Regelungstechnik. Sie reagieren auf plötzliche Geschwindigkeitsänderungen, darauf wenn das Auto auf ein Hindernis prallt. Darauf welche Kräfte auf das Auto wirken. Ein Mini-Computer wertet diese Signale aus, und entscheidet blitzschnell, ob der Airbag gezündet wird.

Das Zündsignal lässt erst einige Milligramm Sprengstoff explodieren. Das zündet die zweite Stufe: häufig einfaches Schwarzpulver. Dessen Hitze setzt einen wahren Sturm in Gang. Fast mit Orkan-Windstärke jagen binnen zwei Hunderstel Sekunden bis zu 170 Liter Gas in den Luftsack, der sich prall gefüllt dem fliegenden Körper des Fahrers oder Beifahrers entgegen wirft.

Harmloses Gas

Das Gas selbst ist harmlos: Stickstoff, der Hauptbestandteil der Luft. In mehr als 30 Jahren Entwicklungsarbeit haben die Ingenieure zwei Wege entwickelt, die 170 Liter Gas auf möglichst wenig Platz im Auto zu verringern. Spezielle Kunststoffe produzieren große Mengen Stickstoff, wenn sie durch eine chemische Zündung zum Zerfall angeregt werden. Oder das Gas stammt aus der Hybridtechnik: dann wird eine kleine Druckgasflasche plötzlich geöffnet. "Beide Verfahren sind gleichermaßen im Einsatz", sagt Seiffert. Die Autohersteller entscheiden sich meistens nach Preis und Gewicht, welcher Methode sie den Vorrang geben.

Denn zuverlässig sind sie alle. Der schlechte Ruf, den der Airbag sich Mitte der 90er Jahre erwarb, schwappte aus den USA nach Europa. Dort wurden einige Menschen vom Luftsack regelrecht erschlagen. Kinder starben auf dem Beifahrersitz, weil sie den heftigen Aufprall des Luftkissens am Kopf wie einen brutalen Faustschlag empfanden. Denn in Amerika muss ein Airbag mehr können als in Europa. Während bei uns der Airbag so ausgelegt ist, dass er zusammen mit dem Sicherheitsgurt die Insassen schützen soll, verlangen die US-Gesetze, dass ein Airbag auch die volle Wucht eines nicht angeschnallten Fahrers abfängt. Das erfordert eine noch schnellere Reaktion des Luftsacks und vor allem größere Gasmengen. Die können dann schon gefährlich werden.

Zusätzliche Sensoren

Den Airbag besser auf die Unfallsituation anzupassen, darin sieht Seiffert die größte Herausforderung für die kommenden Jahre. Das sollen vor allem zusätzliche Sensoren tun. Denn wenn die Elektronik das Gewicht des Fahrers, die Aufprallgeschwindigkeit und die Art des Zusammenpralls genau erkennt, kann sie die benötige Luftmenge besser dosieren: Das Unfallopfer wird möglichst effektiv und sanft abgefangen. Airbags erhöhen die Chance, einen Unfall zu überleben, um 30 Prozent.

Quelle: Rheinische Post

 
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