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Experten erwarten: 300.000 Neuwagen dank Abwrackprämie

zuletzt aktualisiert: 13.01.2009 - 10:53

Berlin (RPO). Die Verschrottungsprämie von 2500 Euro kann nach Experten-Berechnungen zu rund 300.000 mehr verkauften Pkw in diesem Jahr führen. Die Zustimmung zu dieser Maßnahme ist groß, wenn auch nicht einhellig.

Belohnung fürs Verschrotten: Der Staat zahlt Altautobesitzern nun eine Umweltprämie in Höhe von 2500 Euro.  Foto: tmn
Belohnung fürs Verschrotten: Der Staat zahlt Altautobesitzern nun eine Umweltprämie in Höhe von 2500 Euro. Foto: tmn

Die Wirtschaftsprüfer von PricewaterhouseCoopers (PwC) gehen aufgrund der 2500 Euro Abwrackprämie für ein mindestens neun Jahre altes Auto von einem starken Nachfrageimpuls aus. Das erklärte PwC-Sprecher Harald Kayser. Die Prämie sei auch deshalb sinnvoll, weil der Pkw-Bestand in Deutschland so alt sei wie noch nie.

Durchschnittsalter 8,5 Jahre

Das Durchschnittsalter liege derzeit bei 8,5 Jahren, berichtete Kayser. Rund 3,8 Millionen Fahrzeuge seien sogar 16 bis 25 Jahre seit ihrer Erstzulassung unterwegs, fügte der PwC-Experte hinzu.

Die Autoindustrie steckt in einer ihrer schwersten Krisen. Fast niemand will sich derzeit einen Neuwagen kaufen. Die Verbraucher halten lieber das Geld beisammen und fahren ihr altes Auto weiter. Union und SPD einigten sich nun darauf, Altautobesitzern eine einmalige "Umweltprämie" in Höhe von 2500 Euro zu zahlen, wenn sie ihr bisheriges, mindestens neun Jahre altes Fahrzeug verschrotten lassen.

Im Gegenzug muss der Besitzer einen Neu- oder Jahreswagen kaufen und diesen noch in diesem Jahr zulassen. Für diese Art von Absatzförderung will die große Koalition im Rahmen ihres zweiten Konjunkturpaketes 1,5 Milliarden Euro bereitstellen.

Das bereits seit Wochen diskutierte Vorhaben trifft auf breite Zustimmung. In seltener Einigkeit erhoffen sich Politik, Verbände, Hersteller, Gewerkschaften und Automobilclubs davon eine Ankurbelung des darbenden Neuwagengeschäfts. Die Prämie wäre ein weiterer Anreiz neben der schon von der Bundesregierung beschlossenen befristeten Steuerbefreiung für Neuzulassungen. Daran hatten die meisten Experten kein gutes Haar gelassen. 

ADAC stimmt zu

Neben den Wirtschaftsprüfern von PwC befürwortet auch der ADAC in München, die Verschrottung von Altautos zu fördern. Der Club verspricht sich eine Modernisierung und Erneuerung der Fahrzeugflotte: "Der Pkw-Bestand wird schneller von älteren und aus Umweltgesichtspunkten schlechteren Fahrzeugen befreit", sagt Ulrich Klaus Becker, ADAC-Vizepräsident für Verkehr. "Profitieren würde neben der Autoindustrie vor allem der Personenkreis, der den größten Teil an alten Pkw besitzt und sich aus wirtschaftlichen Gründen bislang kein neueres Fahrzeug leisten konnte."

Der ADAC schlägt jedoch vor, eine Abwrackprämie nur Besitzern von Pkw zu gewähren, "die bestenfalls die Euro-1-Abgasnorm erfüllen". Auch bei der Stilllegung "von nachträglich auf Euro-2 aufgerüsteten Autos" sollte die Prämie gezahlt werden. Dazu müsse sichergestellt sein, dass die Autos mindestens ein halbes Jahr in Deutschland zugelassen waren und dauerhaft aus dem deutschen Pkw-Bestand entfernt werden.

VCD: "Eine Luftnummer"

Dagegen bleibt der Verkehrsclub Deutschland (VCD) skeptisch, was eine Abwrackprämie tatsächlich bewirkt. Zwar sei es aus Umweltsicht durchaus zu begrüßen, wenn etwa alte Dieselstinker, für die es keinen Partikelfilter zum Nachrüsten gibt, endgültig stillgelegt werden, sagt VCD-Sprecher Gerd Lottsiepen in Berlin. Bei alten Benzinern komme es darauf an, ob der Neuwagen, der gekauft wird, sparsamer ist. Denn in der gesamten Ökobilanz sei der Gebrauch des Fahrzeugs entscheidend. Auf ihn entfielen 80 bis 90 Prozent der Umweltbelastungen, auf die Produktion lediglich 10 bis 20 Prozent.

Doch die Hoffnungen auf wirtschaftliche Besserung, die an eine Abwrackprämie geknüpft werden, teilt Lottsiepen keineswegs: "Es heißt ja immer, dass dadurch neue Autos gekauft werden. Doch wer ein zwölf Jahre altes Auto fährt, gehört ja nicht zu den Betuchtesten." Und wer eine Abwrackprämie bekäme, wäre laut Lottsiepen daher finanziell immer noch nicht in der Lage, sich einen Neuwagen zu kaufen.

Zusätzlich zu den 2500 Euro Prämie müssten ja noch 10.000 bis 20.000 Euro für den Rest aufgebracht werden. Lottsiepen hält das Gerede von der Abwrackprämie daher für "akute Scheinaktivität" und "eine absolute Luftnummer".

Quelle: tmn

 
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