Einen Mini zu fahren, gilt als todschick. Kaum zu glauben, dass der Kultzwerg in diesem Jahr seinen 50. Geburtstag feiert.
In der Zeit seiner Entstehung war der Mini zunächst gar nicht so beliebt. Hier eine der ersten Skizze seines Konstrukteurs Sir Alexander Arnold Constantine "Alec" Issigoinis aus den 50er Jahren.
Bei diesem Modell handelt es sich um eine Vorserie des Austin Mini von 1958.
Es war nicht viel anders als heute: In den 50er Jahren machten den Briten steigende Spritpreise zu schaffen. Der British Motor Corporation (BMC) in Longbridge wurde daher der Auftrag erteilt, kostengünstig einen neuen Kleinwagen zu konstruieren.
Seinerzeit befand sich wenig Geld in den Kassen der Hersteller. Die Konstruktion eines Neuwagens durfte daher keine Unsummen verschlingen.
Entsprechend spartanisch, aber schon typisch, war der erste Innenraum des Mini eingerichtet. Auf ein herkömmliches Armaturenbrett wurde verzichtet - es gab eine Ablage und in der Mitte einen Tacho. Als Türöffner dienten zunächst schlichte Seilzüge.
Dennoch: Der Mini war von Beginn an wegweisend und vom Prinzip her einzigartig. Seine Merkmale prägen bis heute das Konstruktionsprinzip des Großteils aller Fahrzeuge von der Kleinwagen- bis hin zur Kompaktklasse.
Die Konstrukteure wählten einen Frontantrieb. Und zwar keinen, bei dem der Motor wie üblich in Längsrichtung montiert wurde. Vielmehr drehte man ihn so, dass er quer vor der Fahrerkabine montiert werden konnte.
Selbst das Getriebe samt Differenzial wurde platzsparend unter dem Aggregat angebracht. Weil damit eigentlich alles beisammen war, um ein Auto anzutreiben, konnte der Rest komplett auf die Unterbringung von Passagieren ausgelegt werden. Mit seinen 37 PS fuhr der Kleine auch noch richtig gut.
Der Mini bekam kein Stufenheck mit großem Kofferraum. Vielmehr ermöglichte es das steile Heck, das Dach weit nach hinten zu ziehen und noch eine Rückbank unterzubringen. Große Gepäckstücke wurden bei Regen besser nicht transportiert.
Trotz seiner Kürze von gerade 3,50 Metern bot der Mini einen Innenraum, der dem einer 1,50 Meter längeren Standardlimousine jener Tage entsprach. Alles in allem eine geniale Erfindung von Alec Issigoinis (links), der dafür sogar zum Ritter geschlagen wurde.
Spätere Generationen waren luxuriöser mit Lüftungseinlässen am Armaturenbrett und Fensterhebern.
Erste Clubman-Versionen nutzte die britische Dame von Welt in den 60ern, um den Vierbeiner spazieren zu fahren. Offizieller Name damals: Morris Mini-Traveller.
In dieser Variante konnten dank der Flügeltüren auch sperrige Gegenstände verstaut werden - ganze Campingausrüstungen sogar.
Markant waren die kleinen Räder, die an jeder Ecke der Karosserie untergebracht wurden, um ebenfalls möglichst wenig Raum zu beanspruchen. Damit konnte der Brite die Dame seines Herzens schwer beeindrucken.
Der Mini wurde über die Jahre in zahlreichen Modellvarianten gebaut - anfang der 60er Jahre gab es den Mini zum Beispiel als Pickup.
1969 präsentierte sich der Brite als Van.
Berühmt wurde der Mini Moke, ein ursprünglich für die Armee entwickeltes Geländewägelchen. Die zwei charmanten Werbeträgerinnen sehen allerdings wenig militärisch aus.
Erstaunlich, dass der Mini in seiner Anfangszeit gar kein großer Verkaufserfolg war. Seine Popularität steigerte sich erst, als er in den 60ern ins Renngeschäft einstieg.
Ein gewisser John Cooper traute dem Zwerg eine große sportliche Karriere zu. Cooper überredete den damaligen Firmenchef zu einer Kleinserie eines sportlichen Ablegers. Für jedes Auto sollte Cooper zwei britische Pfund kassieren.
Niemand ahnte damals, dass der 1961 erschienene Mini Cooper einmal das Image des ganzen Autos prägen sollte. 1964 gewann er erstmals die ruhmreiche Rallye Monte Carlo. Heute steht das Siegerfahrzeug von Paddy Hopkirk, Timo Mäkinen und Rauno Aaltonen im Museum.
Es gibt immer noch Autofans, die glauben, dass der Mini schon immer eigentlich Mini Cooper hieß. Timo Mäkinen wiederholte 1965 mit seinem neuen Begleiter Paul Easter das Kunststück des Monte-Sieges.
Die Erschöpfung ist Timo Mäkinen deutlich anzusehen.
Das ist das Armaturenbrett des Mini Cooper S, mit dem Paddy Hopkirk mit seinem Beifahrer Crellin die Österreich-Rallye 1966 gewann.
Nach und nach wandelte sich das Image des Mini vom seltsamen Gefährt zu einer Stilikone, die sich parallel in Rallyes behauptete.
So gesehen fiel es attraktiven Engländerinnen nicht mehr schwer, sich mit dem Gefährt zu schmücken. Hier spricht der Name schon für sich: Die beiden posieren neben einem Morris Mini-Traveller Super-de-Luxe. Der Schönling war ab 1962 im Programm.
Anfang der 70er Jahre sahen Mini Clubman, Mini 1275 GT und Mini Clubman Estate so aus.
Spätestens in dieser Zeit eroberte er auch die Herzen der Frauen außerhalb der Insel.
Der Kleinwagen machte sogar Filmkarriere, wurde als rollender Komparse in unzähligen Streifen eingesetzt
Auch in Deutschland wurde er zum Frauenliebling.
In England hatte es der Mini längst in die feine Gesellschaft geschafft: Kensington und Chelsea (siehe Straßenschild) gelten nicht gerade als Londoner Armenviertel. Lord Snowdon, Gemahl von Prinzessin Margaret, brachte selbst Queen Elizabeth dazu, für eine Probefahrt im Mini Platz zu nehmen.
Mehr als 40 Jahre lief der Kleinwagen von den Bändern.
Erst im Jahr 2000 war nach 5.387.862 Exemplaren Schluss - für eine Weile jedenfalls.
Das sind vier Modelle der sogenannten Mini Final Edition aus dem Jahr 2000.
Eigentlich war es nur folgerichtig, dass eines Tages jemand auf die Idee kommen würde, ein Auto mit dem diesem Charme wieder in die Schauräume der Händler zu stellen.
Zufall? Mini-Erfinder Alec Issigoinis ist der Großonkel des ehemaligen BMW-Chefs Pischetsrieder. Ob diese Tatsache Einfluss darauf hatte, dass ausgerechnet BMW die Marke Mini schon 2001 wieder aufleben ließ, darüber wurde fleißig spekuliert.
Jedenfalls schaffte der deutsche Autobauer aus München das scheinbar Unmögliche, ein gänzlich neues Auto mit der gleichen Faszination zu bauen.
40 Jahre nach dem ersten Rallye-Sieg machten Original und Neuauflage 2004 einen kleinen Ausflug über die Dächer von Monte Carlo.
Die Sieger von 1964 feierten ein Wiedersehen: Paddy Hopkirk, Rauno Aaltonen und Timo Mäkinen (von links).
Ein Londoner Stadtbild zum Einrahmen: Herzlichen Glückwunsch, Mini!