(RP) Das Ein-Liter-Auto von Volkswagen wird in Serie gehen. Das kündigte VW-Chef Martin Winterkorn gestern auf der Weltstahlkonferenz in Berlin an. „Das wird kein Verkaufsschlager“, räumte er vor den 300 wichtigsten Stahlmanagern der Welt ein, „aber wir glauben, dass es technische Standards setzen wird.“
Bislang gibt es das Spar-Auto lediglich als Konzept: Ein Ein-Zylinder-Einspritzdiesel mit 300 Kubikzentimetern Hubraum, bei dem Fahrer und Beifahrer hintereinander sitzen. Das Auto soll vor 2010 zu kaufen sein. Das sagte der VW-Chef unserer Zeitung. Der Vorstandsvorsitzende des größten europäischen Automobilkonzerns fügte allerdings hinzu, bis dahin könne der Wagen auch ein 1,5-Liter-Auto geworden sein. Die Höchstgeschwindigkeit soll bei etwa 120 Stundenkilometern liegen. Das Auto wäre sowohl in Sachen Verbrauch als auch in Sachen CO2-Emissionen Umweltschutz-Weltmeister.
Das neue Fahrzeug wird bei den Stahl-Bossen nicht auf ungeteilte Freude stoßen. Denn zumindest im jetzigen Konzept-Status besteht die Karosse aus Gewichtsgründen noch ausschließlich aus Kunststoff. Der Rahmen wird vornehmlich aus dem Metall Magnesium gebaut.
Neuer Werkstoff-Wettbewerb
Damit wird Stahl im Automobilbau schon zum zweiten Mal in einen systematischen Werkstoff-Wettbewerb gezwungen. In den 1980er Jahren ärgerte der frühere Audi-Chef Winterkorn die Stahllieferanten schon einmal. Damals begann der heutige VW-Lenker überraschend damit, Autokarossen aus Aluminium zu fertigen.
Erst unter dem Druck dieses „Alu-Schocks“ entwickelten deutsche Hersteller wie Salzgitter oder ThyssenKrupp dann die heute im Automobilbau üblichen Hochleistungs-Stähle, die zugleich fest, beständig, gut verformbar und leicht sind. Die Aluminium-Karosse blieb auf Ausnahmen und einzelne Fahrzeugteile wie etwa Felgen beschränkt.
Dieses Kapitel der Werkstoff-Geschichte fasste Winterkorn gestern so zusammen: „Ich glaube, die Automobilindustrie hat der Stahlindustrie da auf die Sprünge geholfen.“ Und so klang es für die Stahlmanager wie ein Echo aus den 1980er Jahren, als der wichtigste deutsche Automanager schon wieder forderte: „Die Stahlbranche muss schneller werden.“
Mischung aus Metall und Kunststoff
Denn bei den Autos von morgen sei selbst modernster Hochleistungs-Stahl nur die eine Seite. Die neue Herausforderung bestehe in der Mischung unterschiedlicher Materialien wie anderer Metalle oder Kunststoffe. Diese neue Mixtur sei die Voraussetzung für ein geringeres Fahrzeuggewicht. Und erst das macht umweltfreundlichere Autos mit einem deutlich niedrigeren Benzinverbrauch erst möglich.
Moderne Werkstoffe wie etwa Mangan könnten im Auto aber noch gar nicht eingesetzt werden, klagte Winterkorn. Sie ließen sich einstweilen mit herkömmlichen Stählen noch gar nicht verbinden. Der VW-Chef sieht hier einen wichtigen Nachteil des einst übermächtigen Werktstoffs.
„Wir müssen eine Lösung finden“, sagte er mit Blick auf das Ein-Liter-Auto, „bitte helfen Sie uns, dass da möglichst viel Stahl drin sein wird.“ Schließlich sei es seinerzeit beim Audi TT am Ende auch gelungen, Stahl und Aluminium in einem Auto zu verbinden.
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Quelle: RP