Letztes Teilstück eingeweiht: A 31: Bahn frei von Bottrop bis Emden
zuletzt aktualisiert: 19.12.2004 - 16:20Schüttorf (rpo). Dass in Ostfriesland jetzt schon Weihnachtsstimmung herrscht, gehört nicht etwa in die Rubrik Ostfriesenwitze. Vielmehr haben die Nordeutschen allen Grund zum vorzeitigen Feiern: Mit dem vorzeitigen Lückenschluss der Autobahn 31 ging einer der sehnlichsten Wünsche der Region in Erfüllung.
Niedersachsens Ministerpräsident Christian Wulff (CDU) gab die A 31 am Sonntag bei Schüttorf in der Grafschaft Bentheim endgültig für den Verkehr frei. Mit dem neuen Autobahnkreuz von A 30 und A 31 wurde zugleich das letzte noch fehlende Teilstück eingeweiht.
Seit dem Nachmittag rollt der Verkehr ohne Unterbrechungen auf der insgesamt rund 250 Kilometer langen Strecke, die von Bottrop bis ins niedersächsische Emden reicht. "Die A 31 ist das bedeutendste Verkehrsprojekt im deutsch-niederländischen Raum", sagte Wulff bei der Eröffnungsfeier in Schüttorf. "Und sie ist einmalig in der ganzen Republik", ergänzte Angelika Mertens (SPD), parlamentarische Staatssekretärin im Bundesverkehrsministerium. Sie vertrat ihren Minister Manfred Stolpe (SPD), der dem Festakt ohne Angabe von Gründen ferngeblieben war.
Einzigartig
Die Einzigartigkeit der A 31 liegt in ihrem Finanzierungsmodell und der Beteiligung der niederländischen Nachbarn. Vor sechs Jahren klaffte zwischen Geeste im Emsland und Ochtrup im Münsterland noch eine 42 Kilometer lange Lücke. Aufgrund der klammen Haushaltslage des Bundes und der Aufwendungen für den Aufbau Ost hätte sie frühestens im Jahr 2010 geschlossen werden können. So lange wollte die Region aber nicht warten und finanzierte ihre Autobahn selber.
In einem beispiellosen Kraftakt wurden 54 Millionen Euro aufgetrieben. Allein 8,3 Millionen Euro steuerten 1600 Unternehmer und unzählige Privatpersonen bei. 11,9 Millionen Euro kamen aus den Niederlanden. Das Land Niedersachsen beteiligte sich ebenfalls - mit 61 Millionen Euro. Somit stammt mehr als die Hälfte der Gesamtkosten von 215 Millionen Euro nicht vom Bund.
Der Festakt am neuen "Schüttorfer Kreuz" begann vor Hunderten von Schaulustigen mit einem bunten Umzug von vier Musikgruppen. Fahnenträger, die überdimensionale Stoffvögel schwenkten, symbolisierten das Motto "Freier Flug von Nord nach Süd." Lautstarker Höhepunkt des Zeremoniells waren zwei Salutschüsse, die der Zündmeister des Bentheimer Landwehr-Bataillons aus historischen Kanonen abgab. Gottes Segen für eine allzeit gute Fahrt steuerten Vertreter der lutherischen, der reformierten und der katholischen Kirche bei.
Sentimentale Gefühle
Zugleich gaben sich mit einem Liebesschwur zwei ehemalige "A-31-Geschädigte" vor den Augen von Wulff das Eheversprechen. Marco aus Nettetal in Nordrhein-Westfalen und Claudia aus dem emsländischen Papenburg sind seit sechs Jahren ein Paar, hatten jedoch noch nicht geheiratet, weil sie ihren Gästen die beschwerliche Anreise ersparen wollten. "Wir heiraten erst, wenn die A 31 fertig ist", hatten die beiden festgelegt. Gesagt, getan: Noch auf der Autobahn fragte Marco seine Claudia: "Möchtest Du mich heiraten?". Und die Auserwählte sagte "Ja".
Bei derlei Herzlichkeiten bekam auch Rolf Trauernicht sentimentale Gefühle. "Weihnachten ist vorweggenommen worden", sagte der Unternehmer aus dem ostfriesischen Großefehn. Der 80-Jährige gilt als geistiger Vater des privatwirtschaftlich mitfinanzierten Lückenschlusses. Er hatte gemeinsam mit dem emsländischen Landrat Hermann Bröring (CDU) alle Beteiligten unter einen Hut bekommen und unermüdlich Geld eingesammelt.
- RP ONLINE
- Kontakt
- AGB
- DATENSCHUTZ
- Impressum







