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abwrackprämie verschrottung schrottplatz panorama TMN 2009-0114
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Streit um Auto-Subvention: Abwrackprämie eine Mogelpackung?

zuletzt aktualisiert: 14.01.2009 - 17:17

Düsseldorf (RPO). Abwrackprämie und CO2-Steuer sollen helfen, dass der Konjunkturmotor in Deutschland nicht völlig abstirbt. In Frankreich trägt sie Früchte. Hierzulande bricht nicht die gesamte Autobranche in Jubelstimmung aus. BMW beispielsweise jammert weiter. Warum eigentlich?

Ist die Verschrottungsprämie womöglich eine Mogelpackung? Immerhin kann es durchaus Fälle geben, in denen der Wert des Altautos bei den Verkaufsverhandlungen eine gewichtige finanzielle Rolle spielt, so dass der vermeintliche Vorteil der 2500 Euro unter dem Strich auf ein paar hundert Euro zusammenschmilzt. 

Die Erwartungen der Autoindustrie an das Konjunkturpaket der Koalition sind von Hersteller zu Hersteller sehr unterschiedlich. In Frankreich hat die "Schrottprämie" den Autobauern Zuwachsraten im zweistelligen Prozentbereich beschert. Volumenhersteller mit ihren billigeren Fahrzeugen erwarten von den 2500 Euro Abwrackprämie hierzulande ebenfalls einen Absatzschub. Doch Premiumhersteller sehen das anders.

Für BMW habe die Prämie eine geringere Wirkung als für die Volumenhersteller, erklärte BMW-Sprecher Andreas Klugescheid. Der Besitzer eines neun Jahre alten Autos gehe erfahrungsgemäß nicht zu einem Premiumhersteller und kaufe sich einen Neuwagen. Außerdem machten die 2500 Euro bei einem teureren Wagen weniger aus.

Für Geschäftswagen und Export wirkungslos

Hinzu komme: Premiumhersteller verkauften häufig Geschäftswagen. Diese seien üblicherweise erst drei bis fünf Jahre alt, wenn ein neuer Wagen gekauft werde. In diesem Segment wirke sich die Abwrackprämie deswegen gar nicht aus. Zudem lebe die deutsche Autoindustrie zum größten Teil vom Export. Dort helfe die Abwrackprämie ebenfalls nicht.

Wenig positiv steht der auch Gesamtverband Autoteile-Handel (GVA) der Verschrottungsprämie gegenüber: "Mit der Umweltprämie wird das Geld zum Fenster rausgeworfen", schmipfte GVA-Vorsitzender Hartmut Röhl in der Branchenzeitung "Automobilwoche". Es sei nicht dienlich, fahrtüchtige Autos aus dem Verkehr zu ziehen. "Sinnvoller wäre es, Rechnungen für die Wartung älterer Fahrzeuge für Privatleute steuerlich absetzbar zu machen", sagte er. Dies beuge zudem Schwarzarbeit vor.

"Umweltpolitisch fatal"

Während Autoclubs wie der ADAC oder ACE die Beschlüsse dennoch begrüßten, kritisierte der Automobilclub von Deutschland (AvD), dass die Abwrackprämie die Mehrheit der deutschen Autofahrer nicht erreichten, da ihre Autos jünger als neun Jahre seien. Zudem könnten sich viele Familien trotz Abwrackprämie kaum ein neues Auto leisten.

Aus ökologischer Sicht bemängelt der Bund für Umwelt- und Naturschutz (BUND) fehlende Impulse für nachhaltiges Wirtschaften und Klimaschutz. Auch der Verkehrsclub Deutschland (VCD) nennt die Abwrackprämie für Altautos "umweltpolitisch fatal". Begründung: Es sei nicht zwangsweise umweltfreundlicher, einen Neuwagen zu kaufen statt einen Gebrauchtwagen weiter zu fahren. Denn die sogenannte Umweltprämie sei an keinerlei Umweltkriterien geknüpft. Auch der Kauf von Spritschluckern werde auf diese Weise vom Staat subventioniert.

Opel erwartet kräftigen Schub

Opel dagegen verspricht sich viel von der Prämie. Das Unternehmen schätzt, dass sie auf dem deutschen Automarkt zu einem Absatzschub von 200.000 Fahrzeugen führt. Bei einem Preis von 25.000 Euro entspreche die Prämie einem guten Rabatt, sagte ein Sprecher. Zudem habe Opel bei den über neun Jahre alten Autos, die für die Abwrackprämie infrage kommen, einen höheren Marktanteil als derzeit bei Neuwagen.

Berechnungen der Wirtschaftsberater PricewaterhouseCoopers (PwC) hatten immerhin ergeben, dass allein dank der Verschrottungsprämie von 2500 Euro in diesem Jahr sogar bis zu 300.000 Neuwagen verkauft werden könnten. In Deutschland sind Fahrzeuge im Schnitt 8,5 Jahre alt.

Wissmann frohlockt

Verbandsboss Matthias Wissmann frohlockte: Mit dem Konjunkturpaket stelle die Regierung "ihre Fähigkeit zu zielorientiertem Handeln sichtbar unter Beweis", so der Präsident des Verbandes der Automobilindustrie (VDA). Die Umweltprämie könne die Autokonjunktur entscheidend stärken. Zudem schaffe die Koalition mit dem Kreditprogramm einen Ausweg aus der drohenden Kreditklemme.

Auch der gestaffelten CO2-Steuer ab 1. Juli blickt Wissmann freudig entgegen: "Zusammen mit der bereits beschlossenen Aussetzung der Kfz-Steuer für Euro 4- und Euro 5-Fahrzeuge ist jetzt die Zeit für den Verbraucher gekommen, die Steuervorteile und die günstigen Autopreise zu nutzen."

Citroen mit Verkaufsplus

In Frankreich, wo die Prämie bereits Ende 2008 eingeführt wurde, erwartet Citroen nach dem Plus von 20 Prozent im Dezember für Januar ähnlich gute Zahlen. Bei Renault lagen die Bestellungen im Dezember sogar um 40 Prozent höher, als sie ohne die Prämie ausgefallen wären. "Die Maßnahme ermöglicht uns, die Krise abzufedern", erklärte Renaultgeschäftsführer Patrick Pelata. Die Regierung schätzt den Effekt auf 100.000 zusätzliche Autoverkäufe in einem Jahr.

Gegenüber der deutschen Prämie von 2500 Euro fällt der französische Zuschlag mit 1000 Euro verhältnismäßig gering aus. Er wird gezahlt, wenn der Käufer einen mindestens zehn Jahre alten Wagen verschrotten lässt und das Neufahrzeug einen geringen CO2-Ausstoß hat. Die Anschaffung leichter Nutzfahrzeuge wird mit dem selben Betrag gefördert.

Quelle: AP

 
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