Zunehmend wertvollere Wagen verschrottet: Abwrackprämie: Panik unter Autofahrern
zuletzt aktualisiert: 01.04.2009 - 15:16Frankfurt/Main (RPO). Nach Angaben der Entsorger sind immer häufiger Autos, die abgewrackt werden sollen, eigentlich noch mehr wert als 2500 Euro. Bei vielen Autofahrern bricht offenbar Torschlusspanik aus. Das sagte eine Verbandssprecherin einer Tageszeitung.
"Unsere Autoverwerter sagen uns, dass sie zunehmend sehr gute Autos bekommen, bei denen es einem weh tut, sie zu verschrotten", erklärte die Sprecherin des Bundesverbands Sekundärrohstoffe und Entsorgung (bvse) der "Saarbrücker Zeitung".
Bei vielen Autofahrern sei offensichtlich Panik ausgebrochen, sagte Ulrich Leuning, Geschäftsführer der Bundesvereinigung deutscher Stahlrecycling und Entsorgungsunternehmen (BDSV), dem Blatt: Nur, um noch die 2500 Euro zu bekommen, würden Fahrzeuge inzwischen zur Verschrottung gegeben, obwohl damit noch gute Erlöse zu erzielen seien.
Unterdessen ist das bisher geplante Geld für die Abwrackprämie nach einem Ansturm der Autokäufer aufgebraucht. Bis am Mittwochmittag gingen insgesamt rund 894.000 Anträge ein, wie ein Sprecher des Bundesamts für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (Bafa) der Nachrichtenagentur AP sagte. Die bisherige Obergrenze von 600.000 Prämien ist damit weit überschritten.
Regierungssprecher: Fördertopf wird aufgefüllt
Die Bundesregierung versicherte aber, dass der Fördertopf aufgefüllt werde. "Jeder Antrag wird bearbeitet und es gilt die Zusage, dass im Jahr 2009 die Umweltprämie bezahlt wird", sagte der stellvertretende Regierungssprecher Thomas Steg in Berlin. Niemand müsse Angst haben, dass Anträge nicht mehr bearbeitet würden.
"Wir werden uns demnächst im Kabinett damit beschäftigen, dann wird es eine parlamentarische Beratung geben und die zusätzlichen Mittel werden dann im parlamentarischen Verfahren beschlossen und bereitgestellt", sagte Steg.
Allein seit der Einführung des Reservierungssystems am Montag stellten dem Bafa-Sprecher zufolge rund 453.000 Autokäufer einen Antrag. Dazu verzeichnete das Amt bis Mittwochmittag etwa 441.000 Anträge nach dem alten Verfahren. Damit sind innerhalb von nicht einmal drei Tagen mehr Reservierungen eingegangen als in der alten Form seit Mitte Januar, obwohl die neue Internetseite zunächst zusammengebrochen war.
Weiter Reservierungen möglich
Am Mittwoch bekamen Antragssteller den Hinweis, dass über ihre Reservierung vorläufig nicht entschieden werden könne. Die rechtlichen Rahmenbedingungen für die zugesagte Ausweitung der Förderung müssten erst noch festgelegt werden, erklärte der Bafa-Sprecher. Die Behörde werde aber weiterhin Reservierungen annehmen. Allerdings müssten sich die Autokäufer auf entsprechende Wartezeiten einstellen.
Die neue Internetseite zur Beantragung war am Montag zusammengebrochen. Außerdem gab es Datenpannen, weil E-Mails doppelt verschickt und Daten unverschlüsselt versandt wurden. Am Mittwoch erschien nach wie vor häufig nur der Hinweis, dass die Anfrage im Moment nicht bearbeitet werden könne. "Es gibt sicher Einzelfälle, in denen es nicht funktioniert", sagte eine Bafa-Sprecherin. Die hohe Zahl eingegangener Anträge zeige aber, dass das System grundsätzlich laufe.
Neue Fälle von Datenpannen sind der Sprecherin zufolge nicht bekanntgeworden. Am Montag waren etwa 200 Antragstellern die Datensätze anderer Autokäufer in einer Bestätigungsmail zugegangen.
ADAC: "Frechheit und Zumutung"
Der ADAC kritisierte das Chaos bei der Abwrackprämie als schlechten Aprilscherz. Die technischen Probleme bei der Reservierung im Internet hätten für Wut und Ärger bei den Antragstellern gesorgt. "Es ist eine Frechheit und eine Zumutung, wie mit den Menschen umgegangen wird", sagte ADAC-Präsident Peter Meyer in München.
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