Alltzeit-Hoch von 2008 wackelt: ADAC warnt vor Rekord-Spritpreis
VON NICOLAS BERTHOLD - zuletzt aktualisiert: 14.04.2011 - 12:33Düsseldorf (RPO). Die Osterferien nahen und wie jedes Jahr erhöhen die Ölkonzerne die Preise. Benzin und Diesel sind bereits jetzt auf Rekordkurs und derzeit 11,2 Prozent teurer als 2010. Der ADAC rechnet an den Osterfeiertagen mit einem neuen Spitzenwert. Aber schon diesen Freitag soll Sprit deutlich teurer werden, warnt der ADAC im Gespräch mit unserer Redaktion.
Es passiert alle Jahre wieder – oder besser gesagt: jedes Jahr zu Ostern. Wenn es für die Autofahrer in den Urlaub geht, dreht die Mineralölwirtschaft mächtig an der Preisschraube. Das Benzin an den Tankstellen wird teurer. In diesem Jahr wird der Besuch an der Zapfsäule finanziell noch schmerzhafter sein. Experten gehen davon aus, dass der bereits hohe Preis für Kraftstoff zu Beginn der Reisewelle noch einmal überboten werden dürfte.
Die Tatsache, dass sich der Sprit regelmäßig kurz vor Ferienbeginn verteuert, nehmen die Autofahrer zähneknirschend als marktüblichen Kreislauf hin. In diesem Jahr aber könnte der Blick auf die Zapfsäule den Frustrationsgrad aus dem Vorjahr deutlich übertreffen. Schon jetzt ist der Benzinpreis im landesweiten Durchschnitt auf Rekordfahrt.
Allzeithoch in greifbarer Nähe
Der ADAC meldet, dass der Liter Super E10 1,581 Euro kostet und damit 1,9 Cent mehr als vor einer Woche. Das Allzeithoch aus dem Sommer 2008 ist in greifbarer Nähe: Super Benzin ist nur noch 0,4 Cent entfernt. Der Preis für Diesel stieg um 2,3 Cent und liegt bei 1,473 Euro je Liter.
Kurz vor Ostern ist also davon auszugehen, dass der übliche „Urlaubs-Aufschlag“ der Ölkonzerne von zwei bis drei Cent dem Sprit-Preis einen neuen Spitzenwert bescheren wird. „Autofahrer sollten sich vor der Abreise genau überlegen, wann sie tanken. Für Freitag rechnen wir damit, dass der Preis deutlich steigen wird und wir eine neue Rekordmarke erreichen“, erklärt ADAC-Sprecher Andreas Hölzel unserer Redaktion. 1,585 Euro pro Liter Super Benzin gilt es hierfür zu knacken.
Gründonnerstag am teuersten
Zum Wochenbeginn wird laut Experte der Preis wieder sinken. Allerdings nur vorübergehend. „Sonntags und montags ist der Kraftstoff in der Regel am günstigsten.“ An den Osterfeiertagen wird die Preiskurve aber wieder nach oben zeigen. Hölzel: „Besonders teuer ist der Gründonnerstag. An diesem Tag sind die meisten Menschen unterwegs – und das wissen die Unternehmen.“
Gründe für den dramatischen Anstieg des Kraftstoffs gibt es genug. Und so dürfte die Mineralölwirtschaft auch 2011 ein Gewinnplus einstreichen – trotz E10-Debakel und drohender Strafzahlungen bei Nicht-Erreichen der von der Bundesregierung festgesetzten Bioquote. Was genau sind also die Gründe für den Höhenflug von Benzin und Diesel?
Gründe für hohen Benzinpreis
Der Rohölpreis Seit Jahren steigt der Preis für Rohöl kontinuierlich an. Und damit auf lange Sicht gesehen auch der Preis für Kraftstoff. Die Krise im nordafrikanischen Raum hat ihren Teil dazu beigetragen, dass die Märkte zunehmend nervöser reagieren. Seit Wochen fehlen dem Weltmarkt bereits die üblicherweise in Libyen geförderten Ölmengen, weil in dem Land Kämpfe um die Macht toben. „Der Rohölpreis ist mit aktuell 123 Dollar pro Barrel auf einem sehr hohen Niveau“, bestätigt Hölzel. „Und der bestimmt maßgeblich das Preisniveau an der Zapfsäule.“ In den kommenden Monaten und Jahren erwarten Experten einen weiteren Aufwärtstrend.
Das E10-Chaos Die Einführung des neuen Biosprits E10 ist für die Bundesregierung ein kommunikatives Debakel und für die Mineralölkonzerne ein Verlustgeschäft. Die Mehrheit der Autofahrer verzichtet auf E10 und tankt seit Wochen das herkömmliche Super Benzin. Da diese Sorte vielerorts nicht mehr angeboten werden kann, verkaufen die Unternehmen das eigentlich höherwertige Super Plus als Super Benzin – zum Preis von Super Plus.
Drohende Strafzahlung eingerechnet
„Die derzeitige Verwirrung, für die Politik und Mineralölwirtschaft verantwortlich sind, geht nicht spurlos am Verbraucher vorbei“, sagt Hölzel. „Die Preispolitik der Branche ist nicht mehr nachzuvollziehen. Diesel ist viel zu teuer und zwischen altem Super und Super Plus müssten eigentlich acht Cent Preisdifferenz liegen.“ Beide Sorten liegen teilweise gleich auf.
Die Bio-Quote Die Mineralölbranche ist verpflichtet, ab diesem Jahr eine Quote von 6,25 Prozent an Biosprit mit dem herkömmlichen Treibstoff zu verkaufen. Da nicht genügend Autofahrer von Super E5 auf E10 umgestiegen sind, werden die Tankstellen und Ölbranche zur Kasse gebeten. Strafzahlungen in dreistelliger Millionenhöhe drohen. "Daher müssen die Tankstellen vorsorgen und bei der momentanen Preiskalkulation eine mögliche Strafe einplanen", erklärte Jürgen Ziegner vom Zentralverband des Tankstellengewerbes vor kurzem.
Frühjahr und Ostern Die Industrie hatte in den vergangenen Jahren mehrfach erklärt, dass im Frühjahr aus zwei Gründen die Benzinpreise steigen. Im Frühjahr würden die USA regelmäßig Benzin aus dem europäischen Markt absaugen, weil die Raffineriekapazität dort nicht ausreiche. Außerdem fangen die europäischen Autofahrer wieder an, nach dem Winter mehr zu fahren. Die höhere Nachfrage lasse die Preise steigen.
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