Analyse zum Brüderle-Vorschlag: Aldi-Benzin hätte es in Deutschland schwer
VON DANA SCHÜLBE - zuletzt aktualisiert: 17.01.2011 - 11:51Berlin (RPO). Die Spritpreise steigen scheinbar unausweichlich, aber der Wirtschaftsminister sieht einen Ausweg. Rainer Brüderle (FDP) ermuntert Discounter, den Ölkonzernen Konkurrenz zu machen – so wie in Österreich der Supermarktriese Hofer. Doch ob so etwas in Deutschland funktionieren würde, ist fraglich. Denn die Voraussetzungen in unserem Nachbarland sind andere.
"Preise bilden sich am besten immer noch durch Wettbewerb. Wenn das Angebot steigt, sinkt der Preis", erklärt Brüderle in der "Bild"-Zeitung und nutzte damit eine ökonomische Binsenweisheit. Brüderle selbst würde sich nach eigenen Worten jedenfalls über jeden zusätzlichen Wettbewerber freuen.
In Österreich heißt die Konkurrenz der großen Mineralölkonzerne Hofer. Auf ausgesuchten Parkplätzen der Aldi-Tochter wird seit Sommer 2009 Benzin verkauft. Und dies an ganz normalen Tankstellen. Der Supermarkt-Kunde steuert eine der Zapfsäulen an, die ohne Personal betrieben werden und bezahlt mit Bank- oder Kreditkarte.
Gestartet ist das Vorhaben in der Testphase mit drei Tankstellen im Raum Salzburg. Inzwischen hat der Betreiber, die FE-Trading GmbH, laut eigenen Angaben das Netz auf knapp 30 Tankstellen ausgebaut. Und mit Sonderaktionen wie an Weihnachten lockt sie die Kunden an. Damals wurden an den Zapfsäulen gerade einmal 99 Cent pro Liter Benzin verlangt.
Preiskampf in der Startphase
Schon in der Startphase wurde durch die neuen Zapfsäulen in der Region Salzburg ein regelrechter Preiskampf ausgerufen. Die Marken-Tankstellen und die Hofer-Zapfsäulen unterboten sich gegenseitig mit Preisen – ein Effekt der allerdings bald wieder abflaute.
Damals äußerte sich eine Sprecherin des deutschen Mineralölverbandes gegenüber unserer Redaktion skeptisch, ob so etwas in Deutschland funktionieren könnte und glaubte an einen österreichischen Werbegag. Denn laut Kartellrecht sei es nicht erlaubt, Sprit unter dem Einkaufspreis zu verkaufen.
Sollte es in Deutschland zur Verwirklichung solcher Pläne kommen, wäre die Nachfrage in der Anfangszeit sicher enorm. Die Frage ist nur, wie lange ein Discounter tatsächlich die Preise niedrig halten kann. Denn in Deutschland gibt es wesentlich höhere Mineralölsteuern als in Österreich. Und die Politik dreht seit Jahren kräftig weiter an der Preisschraube.
Dennoch merkt der Autofahrer jede Veränderung an der Zapfsäule in seinem Geldbeutel, auch wenn der Staat gerade nicht agiert. Denn an den Feiertagen oder zu Ferienbeginn schießen die Spritpreise hierzulande schnell in die Höhe. Und der Unmut auf die Mineralölkonzerne wächst.
Freie Tankstellen als Alternative
Doch schon jetzt kann sich der Autofahrer Alternativen suchen. Es gibt zahlreiche freie Tankstellen, bei denen der Sprit immer ein wenig unter dem der großen Marken-Anbieter liegt.
Und auch die Supermarkt-Idee, die Brüderle nun aufbringt, ist in der Bundesrepublik nicht neu. Denn große Supermärkte wie etwa Globus, Metro oder auch Kaufland haben bereits eigene Tankstellen auf ihren Parkplätzen. Genutzt wird das von den Supermarkt-Kunden durchaus. Extreme Preisunterschiede sind aber auch dort nicht zu erwarten.
Zudem haben die Marken-Betreiber noch immer einen entscheidenden Vorteil – und das sind die Standorte. Ob Innenstadt, Landstraße oder Autobahn – überall sind sie präsent. Und meist eben dort, wo sie der Autofahrer, vor allem der Pendler benötigt. Um da mitzuhalten, müssten die Supermärkte mitziehen.
Um dem ständigen Preisauftrieb an den Tankstellen zu begegnen, scheinen Untersuchungen des Bundeskartellamtes zielführender. Denn so kann aufgeklärt werden, ob es Preisabsprachen unter den großen Konzernen gibt. Und dann liegt es vor allem an der Politik, entsprechend zu handeln.
- RP ONLINE
- Kontakt
- AGB
- DATENSCHUTZ
- Impressum







