Rekord-Rabatte: Auto-Schnäppchen sind oft keine
VON SILKE FREDRICH - zuletzt aktualisiert: 29.10.2008 - 11:05Düsseldorf (RP). Autohändler versuchen der Absatzkrise mit Rabatten von bis zu 30 Prozent und günstigen Finanzierungen zu begegnen. Hinzu gesellen sich Zugaben wie Tankgutscheine. Doch nicht jedes vermeintliche Auto-Schnäppchen ist auch eins.
Rabatte um die 15 Prozent sind in diesen Wochen durchaus gängig, laut einem Sprecher des ADAC sind sogar Nachlässe bis zu 30 Prozent möglich. Auf Nachfrage unserer Redaktion bestätigten Hersteller wie Opel, VW, Skoda, Toyota und Audi, dass sie über besondere Rabattaktionen versuchen, die Modelle doch noch an den Kunden zu bringen.
„Die Kaufzurückhaltung der Verbraucher ist deutlich spürbar“, sagte eine Toyota-Sprecherin. Das Unternehmen habe ohnehin einen schweren Stand. Das Ausbleiben neuer Modelle mache es zudem schwierig, Kunden überhaupt in die Ausstellungen der Händler zu locken.
Die tschechische VW-Tochter Skoda setzt weniger auf Rabatte als auf Sonderausstattungspakete und günstige Finanzierungen.
Ähnlich bei Opel. Der Hersteller bietet Finanzierungen zu einem Zinssatz von 0,9 Prozent auf fast alle Fahrzeuge. Bei Peugeot lockt ein Jahr kostenloses Tanken beim Neuwagenkauf. Vereinzelt setzen Händler auch auf Beigaben wie Laptops oder Zusatzversicherungen zu vermeintlich günstigeren Konditionen.
ADAC warnt vor Eile
Der ADAC räumt zwar ein, dass sich ein Autokauf auf Grund der Zugaben lohnen kann, warnt aber gleichzeitig vor übertriebener Eile. „In erster Linie kauft man ein Auto, weil man es gerade braucht, und nicht, weil es besonders günstig ist“, sagte ein Sprecher unserer Redaktion. Zudem müsse der Käufer zwischen guten und schlechten Rabatten unterscheiden. „Wenn es heißt, dass ein Käufer 20 Prozent spart, bedeutet das nicht automatisch einen Rabatt auf den Listenpreis“.
Der Nachlass könne auch eine Summe X darstellen, die sich durch Einzelwerte einer höherwertigen Ausstattung, dem kostenlosen Einbau einer Autogas-Anlage oder einem zusätzlichen Satz Winterreifen zusammensetzen. Wichtig sei deshalb, vorher genau auszurechnen, was einem persönlich am meisten nützt. Mitunter sei es günstiger, sein Altfahrzeug zu einem möglichst hohen Wert in Zahlung zu geben, statt vermeintlich günstige Versicherungen abzuschließen, die man nicht zwingend benötigt.
Vorsicht bei Tankgutscheinen
Vorsicht sei zudem bei Zugaben wie Tankgutscheinen geboten: „Meist steht im Kleingedruckten, dass die Tankmenge einen Wert von 3000 Euro nicht überschreiten darf. Oder er gilt nur bis zu einem bestimmten Literpreis“. Somit lohnt sich ein Gutschein für Wenigfahrer, wenn der Benzinpreis stetig weiter steigt. Wer hingegen viel fährt bei einem derzeit fallenden Literpreis, hat nichts von dem schön klingenden Rabatt.
Dass Händler neben Rabatten auf Listenpreise verstärkt auf Zugaben setzen, hält der ADAC-Experte für schlichte Kalkulation. „Wer aufrechnet, hat vielleicht am Ende einen Rabatt von 15 oder mehr Prozent erzielt. Jedoch kosten diese Zugaben den Händler weniger als ein Nachlass auf den Listenpreis des Fahrzeugs“.
Höhere Nachlässe bei Premium-Marken
Auch in der Premium-Klasse macht sich die rückläufige Nachfrage bemerkbar. Offiziell will sich bei BMW und Mercedeshändlern aber niemand „zu vertriebsstrategischen Maßnahmen“ äußern. Aus Unternehmenskreisen verlautet aber, dass auch hier höhere Nachlässe als sonst üblich gewährt werden und viele Händler bereits jetzt am unteren Ende angelangt seien. Die Rekord-Rabatte seien für die Branche insgesamt sehr ungesund und würden im kommenden Jahr dazu führen, dass etliche Händler endgültig aufgeben müssten.
Der Kampf um Kunden hat auch den Gebrauchtwagenmarkt erreicht. Hier dürften Preise in den kommenden Monaten um bis zu zehn Prozent fallen.
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