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Starke Verschmutzungen verursachen Unfälle und Kosten: Autobahnen bald Müllkippen?

zuletzt aktualisiert: 06.08.2004 - 14:59

Stuttgart/Münster (rpo). Die deutschen Autobahnen verkommen immer mehr zu einem gefährlichen Schrottplatz, warnt der in Stuttgart beheimatete Auto Club Europa (ACE) am Freitag. Der Müll bestehe neben illegal Entsorgtem auch aus verlorener Ladung und abgefallenen Autoteilen.

Die Abfälle würden insgesamt pro Jahr ca. 8.000 Tonnen Gewicht ergeben. Das ergäbe einen Güterzug von über zehn Kilometer Länge. Dazu kommen aber noch die rund 40.000, überwiegend verschlissenen, Autoreifen. Auf einen Kilometer Strecke entfallen in einem Jahr durchschnittlich 13 Reifen oder Räder.

Hauptkommissar Rainer Bernickel von der Autobahnpolizei Münster warnte den Angaben zufolge vor einer dramatischen Beeinträchtigung der Verkehrssicherheit. Allein bei Unfällen infolge verlorener oder mangelhaft gesicherter Ladung seien 2003 in Deutschland 19 Menschen ums Leben gekommen und 1.070 verletzt worden. Bei 1.101 solchen Unfällen entstand hoher Sachschaden.

Für die 11.750 Autobahnkilometer in Deutschland sind laut ACE 185 Autobahnmeistereien zuständig. Laut einem Forschungsbericht der Technischen Universität Darmstadt würden sich die jährlichen Kosten für Reinigung auf 105 Millionen Euro belaufen. Das wären im Schnitt 9.000 Euro pro Autobahnkilometer.

Zur Nachlässigkeit vieler Fahrer beim Festmachen von Ladung komme der miserable Zustand vieler Fahrbahnen, klagte ACE-Sprecher Rainer Hillgärtner am Freitag in Münster. Vor allem bei älteren Fahrzeugen lockerten sich auf den Holperpisten zwangsläufig Autoteile.

Waschmaschinen, Autoteile, Giftstoffe und Schlangen entsorgt

Den Löwenanteil bei den verlorenen Autoteilen machen die Radkappen aus. Aber grundsätzlich sind alle Teile eines Kraftfahrzeugs zu finden: Kotflügel, Stoßstangen, Auspuffrohre, Tankdeckel, Antennen, Autotüren, Aschenbecher, Zierleisten, Anhängerkupplungen, Bremskeile, Feuerlöscher, Abdeckplanen, Ketten, Eimer, Besen, Schläuche, Fässer und Stangen.

Einen weiteren riesigen Posten macht auch das Weggeworfene aus. Allein die baden-württembergische Autobahnmeisterei Herrenberg sammelte vergangenes Jahr eineinhalb Tonnen alte Autobatterien ein, dazu 20 Kühlschränke und zehn Waschmaschinen.

Die Autobahnmeisterei Amelsbüren im Münsterland fand 2003 auf 90 Kilometer Strecke sieben Tonnen Altreifen. Die Autobahnmeisterei Chemnitz entdeckte 2003 in ihrem Bereich zehn Polstergarnituren und fünf Kühlschränke.

Auch Exotisches sei bei den Funden. Bei Siegsdorf in Bayern lag eine dreieinhalb Meter lange Boa tot am Rand der Autobahn; noch am Leben war eine fünf Meter lange Python-Schlange in einem Müllcontainer auf einer Autobahnraststätte bei Ludwigsburg.

Häufig bekommen es die Autobahnmeistereien auch mit giftigen Flüssigkeiten und Altöl zu tun.

Unfallgefahr durch Fahrräder auf Autodächern

Eine Reihe von Unfällen wurde laut Bernickel dadurch verursacht, dass auf Autodächern transportierte Fahrräder herunterfielen. Noch viel häufiger lösen sich von solchen Fahrrädern Einzelteile wie Luftpumpen, Reflektoren und Kindersitze, die als gefährliche Geschosse die Windschutzscheiben nachfolgender Autos zertrümmern können. Außerdem erhöhen Fahrräder auf dem Autodach den Benzinverbrauch dramatisch.

Allein die Autobahnpolizei Münster muss jährlich über 3.000 Mal ausrücken, um Gegenstände von Fahrbahnen zu entfernen.  

Der Verursacher haftet für den Schaden. Bei Fahrlässigkeit könne die Haftpflichtversicherung unter Umständen die Zahlung verweigern, warnte der Leiter der Niederlassung Münster des Sachverständigenunternehmens DEKRA, Manfred Möller.

Quelle: ap

 
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