Viele Züge kaputt: Bahn: Nahverkehr läuft "grottenschlecht"
zuletzt aktualisiert: 13.11.2003 - 14:48Essen (rpo). Wer in der Rhein-Ruhr-Region mit dem öffentlichen Nahverkehr unterwegs ist, hat einiges zu erleiden. Zugausfälle und Verspätungen sind an der Tagesordnung. Der Verkehrsverbund Rhein Ruhr (VRR) zeigt sich unzufrieden, die Deutsche Bahn übt offene Selbstkritik.
"Das ist eine Katastrophe, da muss man sich anders drauf einstellen", sagte Regionalsprecher Frank Gassen-Wendler am Donnerstag in Düsseldorf. Im Herbst war es trotz guten Wetters immer wieder zu Ausfällen gekommen. Am Donnerstag standen Pendler an Serviceschaltern Schlange, um Verspätungsbescheinigungen zu bekommen.
Einer der Höhepunkte dieser Tage war der Polizeischutz am Bahnhof von Kempen (Kreis Viersen). Die Beamten wurden aufgeboten, um Übergriffe erboster Pendler auf das Bahnpersonal zu verhindern. Nach massiver Verspätung und begrenzter Aufnahmekapazität eines Zuges hatten Fahrgäste am Tag zuvor nach Berichten der "Westdeutschen Zeitung" den Schaffner bedroht.
"Die Gesamtsituation im Schienenpersonen-Nahverkehr im VRR ist derzeit katastrophal und an einem historischen Tiefpunkt angekommen", erklärte VRR-Geschäftsführer Martin Husmann. Die Gründe seien für den Fahrgast nicht mehr nachvollziehbar. Trotz konkreter Maßnahmen von DB-Seite wie die Erhöhung der Werkstatt-Kapazitäten sei keine Besserung in Sicht.
Dies konnte die Bahn tatsächlich auch am Donnerstag nicht versprechen. Zwar bezeichnete Sprecher Gassen-Wendler die Leistung der Bahn als "grottenschlecht". Die Aussage "Da wird man noch tiefer in die Tasche greifen müssen.", bedeute jedoch nicht zwingend, dass es auch gemacht werde. Die Bahn habe in den vergangenen Jahren die Verkehrsleistung von 70 Millionen auf 100 Millionen Kilometer erhöht. Das rollende Material sei nicht so großzügig mitgewachsen. Ein neuer Zug koste immerhin vier Millionen Euro.
Der VRR forderte angesichts von bis zu 25 Ausfällen im Verbundbereich Verbesserungen von der Konzernspitze: Dazu gehörten die generelle Freigabe ICE/IC-Freigabe im Verkehrsverbund Rhein-Ruhr für alle Pendler - unabhängig vom Ticket,wenn der Nahverkehr mehr als 15 Minuten Verspätung hat. Außerdem fordert der VRR eine deutliche und spürbare Verbesserung der Kunden-Information sowie bundesweite Beschaffung von Ersatzfahrzeugen. Sollten die Forderungen nicht kurzfristig erfüllt werden, behalte sich der VRR vor, weitere Abzüge bei Zahlungen an die Bahn vorzunehmen.
Bei Verspätungen ins Taxi steigen
Der VRR bietet seinerseits seinen Fahrgästen im Zuge der Mobilitätsgarantie die Möglichkeit, bei Verspätungen von über 20 Minuten an der Einstiegshaltestelle ohne offensichtliche Fahrtalternative ein Taxi zu nutzen oder in einen IC/ICE einzusteigen. Nach Stellen eines Antrages mit Taxiquittung oder IC/ICE-Fahrschein würden dann die Kosten bis zur Höhe von 30 Euro für Ticket2000 und BärenTicket-Inhaber und bis zu 15 Euro für Fahrgäste mit allen anderen Fahrscheinen des Verkehrsverbundes erstattet. Der Verkehrsverbund Rhein-Sieg VRS bietet als Entschädigung ein Garantieticket.
Die Schlichtungsstelle Nahverkehr bei der Verbraucherzentrale NRW hat seit ihrer Einrichtung vor zwei Jahren 5000 Fälle bearbeitet, davon mehr als 75 Prozent von Bahnkunden. 1500 Nahverkehrskunden hatten sogar Pünktlichkeitsprotokolle eingesandt. Danach kamen Pendler insgesamt 38,5 Stunden im Jahr wegen mangelhafter Verkehrsleistung zu spät an den Arbeitsplatz. "Die Verbraucher wenden sich mit Beschwerden direkt an uns, oder wenn sie bei der Bahn oder anderen Verkehrsunternehmen keinen Erfolg hatten", sagte Juristin Melanie Schliebener in Düsseldorf.
Beschwerden können an folgende Adressen gerichtet werden:
- Nah- und Fernverkehr der Deutschen Bahn unter der Hotline (01805) 194195
- E- Mail Nahverkehr in Verkehrsverbünden: ran-rhein-ruhr@bku.db.de
- außerhalb Verkehrsverbünden: ran-westfalen@bku.db.de
- Schlichtungsstelle Nahverkehr bei der Verbraucherzentrale NRW unter der Hotline (01805) 674567
- Internet: www.schlichtungstelle- nahverkehr.de
E-Mail: nahverkehr@vz-nrw.de
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