Fahrbericht 911 GTS: Breiter Bolide aus Porsches Baukasten
VON JENS MEINERS - zuletzt aktualisiert: 16.11.2010 - 16:42Düsseldorf (RPO). Der Eifer, mit dem Ingenieure und Marketing bei Porsche nach weiteren Marktnischen suchen, ist fast schon detektivisch. Immerhin stehen aktuell 18 Varianten des 911 in den Preislisten der Zuffenhausener. Der GTS schließt nun die Lücke zwischen Carrera S und GT3.
Zwar gibt es in der Porsche-Historie einige schöne GTS-Modelle, die zur Illustration herhalten können - etwa die Rennwagen 904 GTS und 924 Carrera GTS oder auch die finale Evolution des großen Frontmotor-Coupés in Form des 928 GTS.
Doch diesmal ließen sich die Zuffenhausener wohl eher vom Erfolg des Cayenne GTS inspirieren - einer Variante der ersten Generation des Geländewagens mit dem leistungsgesteigerten V8-Motor des Cayenne S und einer Frontschürze im Stil des Turbo.
Mehr Leistung bei hohen Drehzahlen
Und so wurde auch der 911 Carrera GTS weitgehend aus dem Baukasten zusammengestellt - es handelt sich dabei um eine besonders sportliche Variation auf Basis des Carrera S. Der 300 kW/408 PS starke Motor des GTS baut auf dem 283 kW/385 PS starken Carrera-S-Aggregat auf.
Der Leistungskit, der übrigens auch separat für den Carrera S bestellbar ist, besteht insbesondere aus einer neuen Resonanzsauganlage mit sechs unterdruckgesteuerten Klappen und mechanisch bearbeitete Ansaugkanäle. Ergebnis: Vor allem direkt beim Anfahren und im Bereich von 3.000 bis 4.000 U/min liegt deutlich mehr Drehmoment an, im obersten Drehzahlbereich leistet der Motor mehr.
Schalt- oder Doppelkupplungsgetriebe
Im Gegensatz zum GT3, den es nur mit Schaltgetriebe gibt, ist der GTS sowohl mit Sechsgang-Schaltgetriebe als auch mit dem Siebengang-Doppelkupplungsgetriebe namens PDK lieferbar.
Die Mehrzahl der Kunden entscheidet sich mittlerweile für das PDK, obwohl triftige Gründe für das Schaltgetriebe sprechen. So ist der Sportwagen mit Schaltgetriebe beachtliche 30 Kilogramm leichter; zudem ermöglicht sie eine höhere Spitze von 306 km/h - mit PDK sind es 2 km/h weniger.
Andererseits sind die Beschleunigungswerte mit dem PDK dank der fast verzögerungsfreien Schaltvorgänge besser, wobei im "Sport Plus"-Modus beim Hochschalten so viel Drehmoment angelegt wird, dass der Wagen nochmals einen kleinen Satz nach vorne macht.
Auch der Normverbrauch liegt mit dem PDK günstiger - was an der Neigung des Getriebes liegt, unverzüglich hochzuschalten, wo die handgeschaltete Version wegen der im Messzyklus vorgegebenen Schaltpunkte in ungünstigeren Betriebsbereichen verharren muss.
Rein subjektiv wirkt der 911 Carrera GTS mit dem Handschaltgetriebe leichtfüßiger, agiler und einem Sportwagen gemäßer. Diese klassische Konfiguration wird vor allem jenen Kunden gefallen, die vielleicht auch mit einem GT3 geliebäugelt hätten. Den gibt es übrigens nicht als Cabriolet - den GTS schon.
Breite Spur und schwarze Felgen
Ausstattungsbereinigt ist das neue Modell sogar günstiger als ein entsprechend ausgestatteter Carrera S. Zu den Besonderheiten des ausschließlich heckgetriebenen Carrera GTS zählen die schwarzlackierten 19-Zoll-Felgen mit Zentralverschluss, die es sonst nur bei den Turbo-Modellen gibt. Sie lassen sich wegen der spezifischen Radträger auch nicht nachträglich bei den profaneren 911ern nachrüsten.
Zudem ist die hintere Spur nochmals breiter als beim Carrera S; der GTS nutzt die breitere Karosserie der allradgetriebenen Version. Ein Sportauspuff gehört zur Serienausstattung; er dürfte für unseren Geschmack übrigens durchaus noch etwas lauter sein. Schließlich nähert sich die 997er-Baureihe langsam, aber sicher ihrem Finale. Und da darf man schon noch einmal vernehmlich Gas geben.










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