Abwrackprämie: Bürger jubeln, Experten meckern
zuletzt aktualisiert: 25.01.2009 - 16:41Berlin (RPO). Autofahrer und Autoindustrie jubeln seit Tagen, Politiker und Experten meckern: Die Abwrackprämie ist trotz des hohen Zuspruchs bei den Bürgern erheblicher Kritik ausgesetzt. Bedenken meldeten am Wochenende CSU und Grüne an, der Wirtschaftsforscher Sinn nannte die Prämie gar abwegig. Die Käufer lässt das allerdings kalt. Sie sorgen für erheblichen Zulauf in den Autohäusern – auch am Wochenende.
Die Abwrackprämie könnte der Autoindustrie zusammen mit den anderen staatlichen Konjunkturmaßnahmen nach Einschätzung des Verbandes VDA wieder zu alter Größe verhelfen. Bei Umsetzung aller Vorhaben gebe es "die Chance, die Drei-Millionen-Grenze zu knacken", sagte Präsident Matthias Wissmann dem "Tagesspiegel". 2008 hatten die deutschen Hersteller 3,09 Millionen Autos in Deutschland abgesetzt, knapp zwei Prozent weniger als 2007.
"Bei unseren Händlern ist jede Menge los. Die Interessenten kommen in Scharen", wird Ford-Deutschland-Chef Bernhard Mattes in der am Montag erscheinenden "Automobilwoche" zitiert. Audi-Vorstandschef Rupert Stadler betonte, dass der positive psychologische Effekt für die gesamte Industrie nicht zu unterschätzen sei. Opel-Chef Hans Demant hob die Bedeutung der Abwrackprämie für den Handel hervor: "Denn die Händler brauchen damit keinen Gebrauchtwagen in Zahlung zu nehmen". Der hohe Gebrauchtwagenbestand sei ein Grund für viele Händler-Insolvenzen.
Einen erheblichen Schaden für die deutsche Autoindustrie befürchtete hingegen der Chef des Instituts für Wirtschaftsforschung (ifo), Sinn. Mit der Abwrackprämie würden bislang als langlebig geltende Qualitätsautos aus Deutschland zu Wegwerfware erklärt. Dies sei verheerend für den Ruf der deutschen Autobauer.
CSU will nachsteuern
Die CSU will prüfen, ob die deutsche Industrie tatsächlich von der 2.500-Euro-Prämie für einen mindestens neun Jahre alten Wagen profitiert. Generalsekretär Karl-Theodor zu Guttenberg sagte dem "Spiegel", wenn sich herausstellen sollte, dass von der Prämie "ausländische Hersteller zusätzlich profitieren, müssen wir nachsteuern". Das Konjunkturpaket solle "Arbeitsplätze in Deutschland sichern und nicht Arbeitsplätze in Fernost."
Grünen-Chefin Claudia Roth Roth kritisierte in Dortmund die Abwrackprämie als eine Prämie, "die nicht nur Autos abwrackt, sondern auch die Umwelt. Und die dann auch noch sekundiert wird von einer Kfz-Steuer, die die größten Klimakiller entlastet." Grünen-Fraktionsvize Jürgen Trittin forderte, die Prämie an den Kauf eines besonders schadstoffarmen Autos zu koppeln. Man könne hier 120 Gramm Kohlendioxid je Kilometer als Grundlage festlegen, sagte er der "Thüringer Allgemeine".
Der für seine markigen Statements bekannte Berliner Finanzsenator Thilo Sarrazin sagte der "Wirtschaftswoche", inzwischen würden die Bürger merken, dass sie weniger Autos und weniger Auto brauchen. "Das ist blöd für die Autounternehmen und die Beschäftigten dort. Aber es ist gut für Verkehr und Umwelt."
"Den reinen Transportbedarf decken Autos, die 10.000 bis 15.000 Euro kosten, vollständig ab. Alles darüber ist irrational. Und in schlechten Zeiten werden die Menschen rationaler", meinte Sarrazin. Die Abwrackprämie sei entsprechend der falsche Weg aus der Krise.
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