Automarken-Studie: CO2-Sünder: Daimler flop - BMW top
VON MANFRED KÜHNAPPEL - zuletzt aktualisiert: 09.12.2009 - 07:53Düsseldorf (RPO). In schöner oder wohl besser unschöner Regelmäßigkeit erscheint seit 2006 die europäische Studie über die größten CO2-Sünder unter den Autobauern. Am Rande des Klimagipfels in Kopenhagen lohnt sich ein Blick auf die jüngste Untersuchung, vor allem aus deutschem Blickwinkel.
Der deutsche Premiumhersteller Daimler steht nach wie vor an der Spitze der Öko-Sünder. Die Verbesserung der Flottenbilanz um 3,8 Prozent von 182 g/km auf 175 g/km CO2 reichte nicht, um die rote Laterne abzugeben. Nissan machte 4,0 Prozent gut und kommt als Vorletzter jetzt auf einen durchschnittlichen Ausstoß von 161 g/km. Dann kommt schon Volkswagen. Auch die BlueMotion-Technologie verhinderte nicht, dass Europas größter Autobauer um zwei Ränge auf Platz zwölf absackte.
Auf diesem Rang stand vorher der deutsche Konkurrent BMW. Mit einem Extra-Lob registriert die European Federation for Transport and Environment, dass die Münchner zum zweiten Mal hintereinander den größten Sprung bei der CO2-Reduktion und der Verringerung des Spritverbrauchs gemacht haben. T&E, das die Studie als europäische Dachorganisation jährlich durchführt, ermittelte eine Verbesserung von 10,2 Prozent beim CO2-Ausstoß, so dass BMW jetzt bei einem Flottenverbrauch von 154 g/km und auf Rang neun angelangt ist. Die Spritspartechnik „Efficient Dynamics“ von BMW wird in der Untersuchung ausdrücklich als wegweisend für den deutschen Hersteller erwähnt.
Klimagipfel-Blog
Exklusiv für unsere Redaktion berichtet die deutsche Umweltschutz-Organisation Germanwatch regelmäßig in einem Blog von den Geschehnissen auf der Konferenz von Kopenhagen. Was die über 20 Germanwatch-Experten während der elf Verhandlungstage erleben, wem sie auf den Konferenzfluren begegnen, worüber sie sich freuen oder ärgern schildern sie >>>hier in ihren Beiträgen.
Fiat stößt PSA vom Thron
Als sauberste Fahrzeugflotte hat Fiat 2008 den französischen PSA Peugeot-Citroen-Konzern vom Thron gestoßen. 2,9 Prozent machten die Italiener gut; 2,0 Prozent dagegen nur die Franzosen. So liegt Fiat jetzt mit 138 g/km CO2 um ein Gramm vor PSA (139 g/km).
Unter dem Strich ist das Ranking natürlich in Relation zur Herstellung von mehr oder wenigen vielen Kleinwagen zu betrachten. Diese überwiegen sowohl in Italien als auch in Frankreich. Auffallend war die große Schwankungsbreite in diesem Jahr von PSA (2,0 Prozent) bis BMW (10,2 Prozent).
Bei den umweltfreundlichsten Nationen müssen Frankreich (140,2 g/km CO2 im Schnitt) und Italien (144,7 g/km) einer Nation den Vortritt lassen. Portugal fuhr bei allen 2008 zugelassenen Neuwagen mit 138,3 g/km vorneweg. Deutschland liegt hier weit abgeschlagen auf Rang 20 mit 164,9 g/km. Schlechter stehen nur Zypern (165,6), Litauen (170,1), Schweden (173,9), Estland (177,4) und Lettland (180,7) da.
Gewissermaßen als Ausgleich will Deutschland laut Bundesregierung "weltweiter Leitmarkt" für Elektroautos werden. Vor dem Weltklimagipfel in Kopenhagen hatte Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer abermals an die deutschen Autohersteller appelliert, verstärkt in die Entwicklung von Elektrofahrzeugen zu investieren.
Hohe Doppelbelastungen
Eine neue Studie besagt unterdessen, dass der Wandel in der Automobilindustrie durch den Trend zum Elektroauto hohe Doppelbelastungen für die Branche mit sich bringt. Die Konzerne müssen Milliardengelder in Forschung und Entwicklung neuer Antriebsarten stecken, während sie derzeit mit Umsatzrückgängen und teilweise auch Verlusten kämpfen, heißt es in einer Untersuchung der Berenberg Bank und des HWWI zu dem Thema.
Zugleich dürften die Konzerne aber die Weiterentwicklung von Benzin- und Dieselmotoren für die Übergangszeit nicht vernachlässigen. "Die Hersteller werden also doppelt belastet, während sich junge Technologieunternehmen ganz den alternativen Antrieben und dem Markteintritt widmen können", sagte Reseach-Leiter Robert Freiherr von Kapherr von der Berenberg Bank.
Der Wandel bedroht die Konzerne noch an anderen Stellen: Die Anforderungen zum niedrigeren CO2-Ausstoß würden dazu führen, dass sich die Autos immer ähnlicher würden.
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