Bündnis der Autobauer: Daimler, Renault und Nissan schmieden Allianz
zuletzt aktualisiert: 06.04.2010 - 19:49Paris (RPO). Die geplante Kooperation zwischen Daimler, Renault und Nissan ist offenbar unter Dach und Fach. Der französische Industrieminister Christian Estrosi bestätigte die Allianz der Autobauer am Nachmittag. Die Auto-Hersteller wollen sich am Mittwoch auf einer Pressekonferenz in Brüssel äußern.
Der Stuttgarter Autobauer Daimler plant mit dem französischen Hersteller Renault und dessen japanischen Kompagnon Nissan eine Allianz, die am Mittwoch in Brüssel besiegelt werden soll. Das bestätigte der französische Industrieminister Christian Estrosi am Dienstag in Paris. Weder Daimler noch Renault oder Nissan wollten sich bisher dazu äußern. Unter französischen Wirtschafts-Journalisten gilt die Sache als ausgemacht. Dafür spricht auch ein termin: Die Konzernchefs Dieter Zetsche (Daimler) und Carlos Ghosn (Renault) haben für Mittwochvormittag zu einer Pressekonferenz in Brüssel eingeladen.
Der französische Industrieminister Estrosi sagte, die französische Regierung habe der Allianz zugestimmt. Frankreich werde mit 15 Prozent der wichtigste Anteilseigner bei Renault bleiben. Der Verwaltungsrat des französischen Konzerns hatte am Vormittag über die Partnerschaft beraten. Renault pflegt seit elf Jahren eine Kooperation mit Nissan und hält gut 44 Prozent an dem japanischen Unternehmen. Die Japaner wiederum sind mit 15 Prozent an Renault beteiligt.
Kostenersparnis in der Entwicklung
Mit Allianzen wollen die Hersteller vor allem Kosten sparen. Entwicklung und Produktion werden immer teurer, schärfere Emissionsregeln tun ein Übriges. Große Konzerne wie Volkswagen, Europas größter Autobauer, profitieren von niedrigeren Kosten. Weil sich die Autobranche erst allmählich von der tiefen Krise erholt, wird der Konkurrenzkampf zusätzlich befeuert. Viele Premiumhersteller wie Daimler oder der Münchner Konkurrent BMW hoffen, künftig mit Kleinwagen mehr Geld zu verdienen.
In einer Analyse der BHF Bank hieß es, das Einsparpotenzial belaufe sich mittelfristig auf 600 Millionen Euro pro Jahr. Autoexperte Helmut Becker sagte im MDR, gemeinsam könnten die drei Hersteller mindestens eine Million Kleinwagen produzieren. "Das ist das Minimum, um rentabel zu sein." Für Renault und Nissan bringe die Partnerschaft zudem einen Imagegewinn, weil sie dann mit einem Premiumhersteller fertigten.
Sowohl Daimler als auch Renault waren in der Autokrise 2009 tief in die roten Zahlen gerutscht und könnten mit einer Zusammenarbeit hohe Einsparungen erzielen. Daimler hatte 2009 einen Nettoverlust von 2,64 Milliarden Euro anhäuft, Renault sogar 3,07 Milliarden Euro.
Branchenkreisen zufolge ist außerdem eine gegenseitige Kapitalbeteiligung vorgesehen. Daimler und Renault würden jeweils drei Prozent am anderen Unternehmen übernehmen, auch mit Nissan sei Ähnliches geplant. Damit würde es sich eher um eine symbolische Beteiligung handeln.
Smart-Nachfolge
Die Stuttgarter schreiben mit ihrem Stadtflitzer Smart noch nicht allzu lange schwarze Zahlen. Den für 2013 oder 2014 erwarteten Nachfolger und eine Neuauflage des Viersitzers Smart Forfour allein zu entwickeln und zu bauen, wäre für Daimler extrem teuer. Mit den Renault-Modellen Twingo, Clio und Kangoo könnte sich der neue Smart den Unterbau teilen.
Auch bei anderen Kleinwagen wie der A-Klasse könnte vor allem Daimler von einem Partner profitieren. Durch deutlich größere Stückzahlen könnten beide Seiten Vorteile beim Einkauf und bei der Konstruktion erzielen. Umgekehrt könnte Renault/Nissan den technologischen Vorsprung Daimlers nutzen, etwa in der Sicherheitstechnik.
Kooperation bei Motoren und Elektroautos
Neben den beiden Smart-Nachfolgermodellen sollen die Partner auch eine neue Motorenfamilie entwickeln: Für die beiden Smart-Modelle wird es mutmaßlich einen Dreizylinder mit maximal 1,2 Litern Hubraum geben, der auf jeden Fall ins Heck passt. Und für den Nachfolger von A- und B-Klasse sowie die Kompakt- und Mittelkasse bei Franzosen und Japanern entsteht ein Vierzylinder mit bis zu 1,6 Litern Hubraum. Ihn soll es zur Differenzierung auch mit Direkteinspritzung, variabler Ventilsteuerung und Aufladung geben. All diese Technologien können optional eingesetzt oder weggelassen werden.
Das japanische Wirtschaftsblatt "Nikkei" berichtete, Nissan wolle von Daimler leistungsstarke Motoren sowie umweltfreundliche Diesel-Maschinen beziehen. Im Austausch sollten die Japaner Teile für Elektroautos und wiederaufladbare Batterien an die Stuttgarter liefern. Zudem planten die Unternehmen eine Kooperation bei Umwelttechnologien.
Neben Kleinwagen und Motoren sowie einem gemeinsamen Bekenntnis zur Elektrifizierung soll der Kooperationsvertrag auch die leichten Nutzfahrzeuge umfassen: Angeblich wird Daimler deshalb auf Basis des Renault Kangoo einen kleinen Lieferwagen anbieten, der das Angebot unter Sprinter und Viano abrunden und gegen Autos wie den VW Caddy antreten soll.
Gescheiterte Daimler-Partnerschaften
Daimler hatte nach der gescheiterten Zusammenarbeit mit Chrysler eigentlich Partnerschaften mit Massenherstellern abgeschworen. Die Stuttgarter hatten den US-Autobauer 1998 übernommen und nach Milliardenverlusten 2007 die Mehrheit an den Finanzinvestor Cerberus abgegeben.
Für Daimlerwar dies nicht die erste Pleite einer Partnerschaft: Ende 2005 trennte sich der Autobauer endgültig von den Anteilen am japanischen Hersteller Mitsubishi, bei dem er 2000 eingestiegen war. 2004 verkaufte der damalige DaimlerChrysler-Konzern seine Beteiligung an Hyundai. Mit den Koreanern hatten die Schwaben 2002 eine Motorenkooperation gestartet und in den USA bereits mit der Produktion eines sogenannten Weltmotors begonnen.
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