Geländewagen in Reinkultur: Das wahre Allrad-Abenteuer
VON JOACHIM MIES - zuletzt aktualisiert: 30.12.2007 - 12:45Düssseldorf (RP). Geländewagen liegen im Trend. Kommen hierzulande aber selten in ein Gelände, das ihre Fähigkeiten nur annähernd fordert. Weshalb es Spaß macht, die Grenzen der Technik tatsächlich einmal auszuloten.
Jetzt gilt es: Gas und los! Dumm nur, dass dort, wo das Auge eigentlich den Fahrweg erwartet, nichts dergleichen zu sehen ist und der Blick über die Motorhaube hinweg frei bis zum Horizont schweifen kann. Doch eine Radumdrehung später ist die Lage wieder übersichtlich. Es geht steil abwärts eine Sanddüne hinunter. Sehr steil sogar und so weit ins Tal, dass die vorausgefahrenen Autos fast wie auf Spielzeugformat geschrumpft erscheinen. Aber kein Grund zur Besorgnis: Geländewagen können so etwas.
Faszination Off-Road, Faszination Wüste: Im Oman kann man sie im Doppelpack erleben. Das Sultanat an der Südostecke der arabischen Halbinsel, reich geworden und modern durchs „schwarze Gold”, hat längst die Endlichkeit seiner Erdölvorräte erkannt und setzt für die Zukunft unter anderem auf den Tourismus. Mit nagelneuen Hotelanlagen und uralter Kultur. Mit entspanntem Erhol-Urlaub am Meer und anregenden Touren ins Landesinnere, in dem wild zerklüftete Gebirgszüge, tiefe Schluchten und endlose Sand- und Kieswüsten faszinierende Gegensätze bilden.
In die Sandwüste
Die Offroad-Tour ins Hadjar-Gebirge und in die Sandwüste Wahiba Sands jedoch wird so (noch) in keinem Reisebüro angeboten. Sie folgt den Spuren der „Nissan 4x4 Challenge”, in der seit einigen Jahren sportbegeisterte Geländewagen-Fans ihre Leistungsgrenzen und die ihrer Fahrzeuge austesten. Ganz so anstrengend muss es allerdings nicht sein, ausgefeilte Allrad-Technik auf beeindruckende Weise zu er-fahren, wie es in hiesigen Breiten kaum möglich ist.
Es reicht schon, wenn im wesentlichen die Autos arbeiten und die Besatzungen noch die Muße haben, neben den Herausforderungen der Landschaft auch deren Schönheit zu bewundern. Und davon gibt es reichlich im Oman, der in der Fläche etwas kleiner ist als Deutschland, mit nur 2,5 Millionen Einwohnern aber zu den am dünnsten besiedelten Ländern der Erde gehört.
Andererseits allzu sehr darf sich zumindest der Fahrer nicht ablenken lassen: „Jede Unaufmerksamkeit wird bestraft.” Tour-Guide Peter Weil weiß aus langjähriger Erfahrung, wovon er spricht. Und kann mit schnell aufgehäufelten „Dünen” und zwei Zigarettenschachteln eindrucksvoll demonstrieren, was Übles passieren kann, wenn man zu forsch über eine Kuppe schießt oder nach missglücktem „Gipfelsturm” zu wenden versucht, statt rückwärts wieder hinunter zu rollen. Die kleinen Kartons nehmen keinen Schaden bei der wilden Kullerei, aber die wiegen ja auch keine 2,5 Tonnen...
Mit "Plattfüßen"
Vor dem Start der kleinen Wüsten-Rallye ist dann noch ein Stopp fällig. Luft ablassen, lautet die Devise. Pro Reifen 90 Sekunden, die erstaunliche Ansage. Da liegt der Reifendruck immer noch zwischen 1,2 und 1,5 Bar. Anders als mit solchen „Plattfüßen” hätten die Schwergewichte jedoch kaum eine Chance, auf dem weichen, nachgiebigen Untergrund vernünftig voranzukommen, geschweige denn, eine Anhöhe zu erklimmen, ohne sich heillos im losen Untergrund einzugraben.
So gewappnet geht es endlich los, zügig hinein in die trockene Weite der Wüste mit ihrem faszinierenden Farben- und Formenspiel; vorbei zuerst an kleinen Hügelketten, die wie im Sandkasten mit dem Förmchen aufgereiht erscheinen, später stracks auf die gewaltigen Dünen zu, die sich steil gegen den blauen Himmel erheben. Nicht jede ist im ersten Anlauf zu überwinden, und nach den großen Anstiegen erweist sich ausgerechnet eine kleine Erhebung als Stolperfalle. Aber so kommen die Winde am Begleitfahrzeug und das Abschleppseil im Gepäck wenigstens auch einmal zum Einsatz.
Mit der schnell hereinbrechenden Dunkelheit wird es Zeit, das Wüstencamp aufzuschlagen. Ein Zelt gehört zur Ausrüstung jedes Wagens, ein geeignetes Plätzchen dafür ist schnell gefunden. Und am Pick Up, der in speziellen Aufbauten Kühlboxen und diverses Küchengerät transportiert, warten schon die wohltemperierten Getränke. Dann noch ein Blick in den funkelnden Sternenhimmel und jede Strapaze ist vergessen. Bis frühmorgens der Weckruf zur nächsten Etappe erschallt.
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